BWP

Wärmepumpe braucht verlässlichen Rahmen

Die Einhaltung der Klimaziele im Gebäudesektor erfordert gerechte Energiepreise, stabile Förderbedingungen und Anpassungen beim Ordnungsrecht.

Die anhaltende Unsicherheit hat einen insgesamt schwachen Absatz von Heizungsanlagen verursacht. Beim prozentualen Anteil steht die Wärmepumpe erstmals besser da als die Gasheizung. Grafik: BWP, Quelle Statistik: BDH
Die anhaltende Unsicherheit hat einen insgesamt schwachen Absatz von Heizungsanlagen verursacht. Beim prozentualen Anteil steht die Wärmepumpe erstmals besser da als die Gasheizung. Grafik: BWP, Quelle Statistik: BDH

Im ersten Halbjahr 2025 wurden erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen abgesetzt. Laut BDH-Statistik waren das in absoluten Zahlen 139.000. Dies hat nur zum Teil mit dem exorbitanten Absatzeinbruch bei fossilen Heizsystemen zu tun.

„Am Wärmemarkt setzt sich nach und nach die Überzeugung durch, dass das Heizen mit fossilen Energieträgern mit erheblichen Kosten- und Versorgungsrisiken verbunden ist. Von diesem Umdenken profitieren Klima, Wirtschaft und Energieunabhängigkeit in Deutschland", sagt BWP Geschäftsführer Dr. Martin Sabel. „Wenn sich dieses Wachstum fortsetzt, kommen wir absehbar an die 500.000 Geräte pro Jahr.“ 

Zugleich gebe es derzeit zahlreiche Immobilieneigentümer, die lieber abwarten und auch Öl- und Gasheizungen, die eigentlich das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben, noch einmal reparieren, sagt Klaus Ackermann, Geschäftsführer des schwedischen Wärmepumpenherstellers Nibe Systemtechnik.

Um den Gebäudesektor bis 2045 klimaneutral zu machen, hatten sich Bundesregierung und Wärmepumpenbranche auf den Einbau von 500.000 Wärmepumpen pro Jahr verständigt. Die Industrie rüstete Kapazitäten und Personal auf, investierte in Forschung und Entwicklung (u.a. bei umweltfreundlichen Kältemitteln) sowie in die Weiterbildung des Handwerks. Nach Angaben des europäischen Dachverbandsverbands EHPA wurden europaweit 7 Mrd. Euro in Produktionskapazitäten und Fachkräfte für Wärmepumpen investiert. Die Voraussetzungen sind geschaffen, Wärmepumpen werden immer effizienter und das inzwischen in den meisten Gebäudetypen. Das Potenzial der Branche, das derzeit noch nicht ausgenutzt wird, könnte jetzt jederzeit aktiviert werden, so Klaus Ackermann. Die Ziele sind also erreichbar, sagt BWP Geschäftsführer Dr. Sabel.

Eine forsa-Umfrage im Auftrag des BWP unter 800.000 Haushalten, die auf eine Wärmepumpe umgerüstet haben, zeigte eine sehr hohe Zufriedenheit mit der Technologie. Dr. Sabel fordert jedoch eine deutlich bessere Informationspolitik.

Strompreise in Deutschland sind zu hoch

Anders als angekündigt, hat die neue Bundesregierung private Haushalte von der Stromsteuersenkung augenommen, die Gasumlage wird jedoch nun aus dem Klimatransformationsfonds bezahlt. Mit allen anderen Abgaben zusammen ist der Strompreis in Deutschland noch immer der höchste in Europa. Der BWP fordert, die Stromsteuer auch für die Haushalte zu senken. Zudem müssten die Netzentgelte komplett neu strukturiert werden.

Europakarte mit Durchschnittspreis für die Kilowattstunde Strom für jedes Land. Grafik: BWP
Strompreise in Europa in Ct/KWh. Grafik: BWP

Der ETS-2 muss verlässlich eingeführt werden, fordert Sabel. Um die Wärmepumpe zu fördern, dürfe die KWh Strom maximal doppelt so viel kosten wie die KWh Gas. Auch der heute schon überwiegend erneuerbar erzeugte Strom ist nach wie vor mit einer höheren Abgabenlast versehen als fossile Brennstoffe. Im übrigen Europa sieht das deutlich besser aus und so hat die Wärmepumpe etwa in Skandinavien einen Marktanteil von bis zu 98 %. Das ist im Übrigen auch ein Zeichen für ihre Effizienz auch in den kältesten Regionen Europas.

Förderung beibehalten und ggf. degressiv gestalten

Der BWP fordert, die Förderung für klimaneutrale Heizungen stabil zu halten. Die Förderung sei der Markttreiber, sagt Dr. Sabel. Derzeit würden monatlich ca. 20.000 Anträge eingereicht. 85 % aller geförderten Heizungen seien Wärmepumpen. Für 60 % gebe es den Klimabonus, weil hier besonders CO2-intensive Heizungen ausgetauscht würden.

Die Förderung sei nicht zuletzt aufgrund des oben genannten Missverhältnisses von Preisen und Abgabenlast für Strom und Gas weiterhin notwendig und auch in der Höhe notwendig.

Vorstellbar sei eine degressive Gestaltung der maximalen Fördersumme. Eine Festsumme für die Förderung wie in anderen europäischen Ländern hält Dr. Sabel nicht für sinnvoll. Sie führe dazu, dass etwa bei der notwendigen Modernisierung der Elektroinstallation gespart werde und würde auch verschiedene Fördersummen für verschiedene Systemgrößen erfordern. Zudem bringe jede signifikante Änderung erneut Unsicherheiten und Verzögerungen mit sich, sagt Klaus Ackermann.

(Sc)

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