Planungsunsicherheit statt klare Leitplanken
Zukunftstechnologie mit Geschichte
Die Wärmepumpe ist lange schon aus den Kinderschuhen heraus. Die erste ihrer Art wurde 1877 in der Schweiz eingesetzt, die erste Großwärmepumpe als Flusswasserwärmepumpe ging 1938 ebenfalls in der Schweiz an den Start. Die 100 kW-Anlage im Zürcher Rathaus, inzwischen unter Denkmalschutz, funktioniert auch heute noch zum Teil.
Die Wärmepumpenbranche hat in den letzten Jahren viel in Forschung und Entwicklung, den Aufbau neuer Produktionskapazitäten und die Weiterbildung des Fachhandwerks investiert. Der Erfolg kann sich sehen lassen. Es gibt inzwischen äußerst effiziente Geräte in allen Leistungsklassen: für Ein- und Mehrfamilienhäuser, für Gewerbe, Industrie und Wärmenetze. Wärme lässt sich aus den verschiedensten Umweltmedien, aus der Wohnungsabluft oder aus dem Straßenasphalt gewinnen. Und auch Luft/Wasser- oder Luft/Luft-Wärmepumpen arbeiten heute mit Jahresarbeitszahlen von weit über 3. Sie können niedrige und hohe Vorlauftemperaturen und (in mehreren Stufen) auch beides liefern. Die Geräte funktionieren mit Propan oder auch CO2 - das heißt, die Kältemittel tragen nicht länger potenziell zur Klimaerwärmung bei. Sie sind viel leiser als früher, die Materialien sind optimiert worden, das Design kann individuellen Wünschen angepasst werden. Über ihren Lebenszyklus hinweg arbeiten sie (heute noch mit Förderung) wirtschaftlich günstiger, auch wenn das Verhältnis von Strom- und Gaspreis in Deutschland derzeit zu ihren Ungunsten ausfällt. Vielleicht hat sich auch herumgesprochen, dass es außerhalb von Deutschland lange nicht die Ressentiments gibt: In Norwegen etwa kommen auf 1.000 Haushalte 600 Wärmepumpen, in Dänemark werden sie massiv in Wärmenetzen eingesetzt.
Phönix aus der Asche
Es ist also vielleicht kein Zufall, dass die Wärmepumpe im vergangenen Jahr an der fossilen Konkurrenz im Heizungsmarkt vorbeizog und die einzige Technologie war, die Wachstum verzeichnete. Fast 24.000 verkaufte Wärmepumpen im Januar 2026, ein Zuwachs von 33% gegenüber dem Vorjahresmonat sowie damit einhergehende hohe Antragszahlen auf BEG-Förderung, weisen auf eine Fortsetzung des Trends hin. Und das, obwohl es ihr wahrlich nicht leicht gemacht worden war durch eine anhaltende kontraproduktive Diskussion in bestimmten Medien. Es könne also keine Rede davon sein, dass die Wärmepumpe in der Bevölkerung nicht auf Akzeptanz stößt, sagt Dr. Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe BWP e.V..
Etwas Licht und jede Menge Schatten
Das Eckpunktepapier zum Thema Heizung im geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz zeige immerhin, dass die Koalition die Bedeutung einer stabilen Förderkulisse erkannt habe, heißt es diplomatisch vom BWP. Der Verband zählt neben der herstellenden Industrie zahlreiche Energieversorger, Handwerksbetriebe, Sachverständige und Planende, Verbände und Institutionen zu seinen Mitgliedern. Die rechtlichen Vorgaben für den Klimaschutz und den Ausbau erneuerbarer Wärme ließen sich jedoch bei Umsetzung der Vorschläge in ein Gesetz nicht einhalten.
Die Förderung gibt es erstmal bis einschließlich 2029, und nach Aussage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn im ARD-Morgenmagazin am 25. Februar bleibt sie auch auf dem derzeitigen Stand erhalten. Damit müsse die Koalition auch die schwerwiegenden Rückschritte kompensieren, die durch den Wegfall der 65%-EE-Vorgabe für neue Heizungen entstünden, sagt Martin Sabel. Er führt zudem aus, dass die angekündigte Biomasse-Treppe für neue Gas- und Ölheizungen deren Wirkung nicht ersetzen könne. Sie soll erst ab 2029 einsetzen und sieht nur einen Erneuerbaren-Anteil von 10% vor. Zielwerte für den Zeitraum nach 2029 gibt es noch nicht. Damit bleibt sie auch hinter den bisherigen GEG-Vorgaben für Gasheizungen mit Neueinbau im Übergangszeitraum bis zum 30.06.2026 zurück.

Eine gute strategische Industriepolitik muss Gefahren für die europäische Wirtschaft abwenden
Dr. Kai Schiefelbein, Geschäftsführer der Stiebel Eltron GmbH & Co KG und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des BWP, weist auf die industriepolitische Bedeutung der Entscheidungen hin. Europas Wärmepumpenindustrie stehe in einem sich verschärfenden Wettbewerb insbesondere auch mit China. Anders als vielleicht in der öffentlichen Wahrnehmung präsent, sei die europäische Wärmepumpenindustrie sehr leistungsfähig. Zwar kämen etwa Verdichter aus Asien, aber die intelligenten Regelungssysteme und viele andere Komponenten würden in Europa mit großen Wettbewerbsvorteilen hergestellt.
„Damit das so bleibt, brauchen wir die Unterstützung der Politik," sagt Schiefelbein. China habe 2025 einen Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie veröffentlicht mit dem klaren Ziel, eine chinesische Vorrangstellung zu zementieren. „Hier muss die deutsche Politik gegenhalten", so Schiefelbein. Freier Handel sei prinzipiell eine gute Sache, aber wenn andere Volkswirtschaften staatliche Ressourcen zur Monopolisierung nutzten, dürfe man nicht tatenlos zusehen. So geschehen bereits im Bereich Photovoltaik, Windenergie, Stromspeicher.
„Unsere Unternehmen bringen die besten Voraussetzungen mit, um die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben: Technologische Kompetenz, hohe Qualitätsstandards in der Installation und eine hohe Kundenzufriedenheit. All das trägt zu Beschäftigung und Wertschöpfung in Deutschland und Europa bei. Will man diese Entwicklung unterstützen, braucht es klare Richtungsentscheidungen für Zukunftstechnologien und die gezielte Förderung europäischer Wertschöpfung." Schiefelbein wünscht sich zudem mehr Unterstützung für Kooperationen und besseren Zugang zu stabilen Finanzierungen für die Industrie.
„Wir fordern die Koalition auf, sowohl bei der Förderung, als auch im Gebäudeenergiegesetz einen rechtssicheren und planbaren Rahmen zu schaffen und ihrer industriepolitischen Verantwortung gerecht zu werden“, bekräftigt Dr. Schiefelbein. „Das ist die große Aufgabe für die kommenden Jahre, damit Unternehmen aus Industrie und Handwerk, aber auch Wohnungs- und Energiewirtschaft langfristige Investitionen tätigen können.“
Widerspruch zum Klimaschutzgesetz
Der Bundesverband Wärmepumpe sieht eine erhebliche Rechtsunsicherheit in den Eckpunkten. Der Verband verweist auf ein Rechtsgutachten aus dem Sommer 2025, wonach es unzulässig sei, Rückschritte beim Klimaschutz wissentlich herbeizuführen. Zudem müsse die Bundesregierung bis zum 25. März ein belastbares Klimaschutzprogramm vorlegen, einschließlich eines ebenso belastbaren Plans, wie die Klimaziele für 2030 und erstmals auch 2040 eingehalten werden sollen. Hierbei müsse sie auch die langfristige Investitionsplanung der Wärmepumpenbranche berücksichtigen, so der Verband.
(Sc)















