Marktzahlen

Wärmepumpe liegt erstmals vorn

Erstmals rangiert ein erneuerbares Heizsystem auf dem ersten Platz des deutschen Heizungsmarktes. Laut Statistik des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie e.V. (BDH) und des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) e.V. lag der Absatz von Wärmepumpen zwischen Januar und Juni bei rund 139.000 Geräten.

Grafik: BWP | BDH
Grafik: BWP | BDH

Ob die Wärmepumpe die Spitzenreiterposition halten kann, hängt nach Einschätzung des BWP signifikant von der neuen Bundesregierung ab. Entscheidende Bedeutung komme der Rolle der Heizungsförderung im Rahmen der aktuellen Haushaltsberatungen zu.

„Hauseigentümer bevorzugen inzwischen eindeutig die Wärmepumpe“, sagt BWP-Geschäftsführer Dr. Martin Sabel. „Eine Mehrheit hat längst verstanden, dass das Heizen mit fossilen Energien keine Zukunft hat. Es ist klimaschädlich und angesichts der Weltlage mit hohen Risiken hinsichtlich des Preises und der Versorgungssicherheit verbunden“, so Sabel.

Zwar lägen die offiziellen Zahlen für Öl- und Gasheizungen anders als die Absatzzahlen der Wärmepumpe noch nicht vor. Doch ließen Aussagen von Herstellern bereits darauf schließen, dass sich der Trend weg von fossilen Heizungen und hin zur Wärmepumpe verfestigt. Der Zuwachs der Wärmepumpen beträgt 55 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 und geht auf ein gutes erstes Quartal (+35 Prozent), vor allem aber auf eine starke Entwicklung seit April (+75 Prozent im zweiten Quartal) zurück.

Mit Blick auf die laufenden Verhandlungen um den Bundeshaushalt für das Jahr 2026 und den Finanzplan der Legislaturperiode stellt Dr. Sabel klar: „Branche und Verbraucher benötigen jetzt die Sicherheit, dass ausreichend Mittel im Klima- und Transformationsfonds (KTF) zur Verfügung gestellt werden, damit die Heizungsförderung auf dem aktuellen Niveau fortgeführt werden kann.“ Es gelte mit dem neuen Haushalt eine Brücke zum Jahr 2027 zu schlagen, wenn der EU-Emissionshandels für Gebäude und Verkehr (ETS 2) in Kraft trete. Dieser würde zukünftig die Förderung gegenfinanzieren, gleichzeitig werde der CO2-Preis den Betrieb fossiler Heizungen verteuern und damit auch einen wachsenden Bedarf an Unterstützung beim Heizungstausch bewirken, um den Menschen den Wechsel auf klimafreundliche Alternativen zu ermöglichen.

Planungssicherheit sei für potenzielle Investoren essenziell. Man könne nicht erwarten, dass Kommunen öffentliche Einrichtungen sukzessive auf erneuerbares Heizen umstellen, Wohnungsunternehmen ganze Quartiere modernisieren und Stadtwerke Contracting-Programme für Wärmepumpen ausrollen, bevor die Zukunft der Förderprogramme und des Gebäudeenergiegesetzes geklärt sei.

„Der Markt braucht jetzt vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, um weiter zu wachsen“, warnt Dr. Sabel vor verunsichernden Eingriffen der Politik. „Der Wunsch nach mehr Dynamik im Heizungskeller darf nicht zu Versuchen führen, die Nachfrage nach Öl und Gas gegen den Trend wiederzubeleben. Die Zahlen zeigen klar auf, dass die Zukunft in den erneuerbaren Alternativen, vor allem in der Wärmepumpe liegt. Die Branche steht bereit, den weiteren Hochlauf zu stemmen.“

Impulse für weiter ansteigende Verkaufszahlen könnten über Entlastungen des Strompreises gesetzt werden, etwa über eine Reduktion der Stromsteuer für alle Verbraucher und eine nachhaltige Senkung der Netzentgelte.

Die Hersteller von Wärmepumpen in Deutschland zählen auf dem europäischen Markt zu den Technologieführern und spielen im globalen Wettbewerb eine starke Rolle“, bekräftigt Sabel. Nach Angaben des europäischen Dachverbandsverbands EHPA wurden europaweit sieben Milliarden Euro in Produktionskapazitäten und Fachkräfte für Wärmepumpen investiert.

„In deutsche Standorte ist viel Geld investiert worden, sei es in Allendorf, Güglingen, Holzminden, Mainburg, Kulmbach oder Remscheid. Unsere Unternehmen erwarten deshalb ein Bekenntnis der schwarz-roten Koalition zur Technologie Wärmepumpe. Deutschland darf nicht noch einmal einen offensichtlichen Megatrend verpassen, weil wir zu lange an überholten Technologien festhalten und Chancen nicht konsequent nutzen, wie in der PV-Industrie geschehen. Die Wärmepumpe ist zum wichtigsten Produkt einer Mittelstandsbranche mit 70.000 Arbeitsplätzen allein in der Industrie geworden. Hinzu kommen hunderttausende Beschäftigte beim Fachhandwerk, in Planungsbüros, bei Energieversorgern und Wohnungsunternehmen, so Sabel mit Verweis auch auf weitere Branchen, die jeden Tag mit dem Einsatz von Wärmepumpen befasst seien: „Sie alle stehen für lokale Wertschöpfung und eine zentrale Antwort auf die dringende Notwendigkeit, die Konjunktur in Deutschland wieder in Schwung zu bringen.“

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