Wärmepumpenmarkt

BWP korrigiert Branchenprognose nach oben

Offenbar haben Hauseigentümer das Hin und Her der Politik satt und bauen einfach Wärmepumpen ein. Dies ist eine der Schlussfolgerungen, die sich aus den aktuellen BWP-Marktzahlen ziehen lassen.

Grafik: BWP | BDH
Grafik: BWP | BDH

Immer mehr Menschen kommen zu der Erkenntnis, dass die Beheizung mit Öl und Gas nicht zukunftssicher ist und Risiken der Bezahlbarkeit mit sich bringt. Nicht zuletzt durch den Emissionshandel werden fossile Brennstoffe teurer, heißt es im Faktenpapier zur BEG-Heizungsförderung vom Bundesverband Wärmepumpe BWB e.V..

Wärmepumpe steigt auf

Bis einschließlich Oktober wurden 255.000 Wärmepumpen in Deutschland verkauft, die meisten davon Luft/Wasser-Geräte. Damit setze sich der positive Trend fort, sagt BWP-Geschäftsführer Dr. Martin Sabel. Mit ihrem Marktanteil sei die Wärmepumpe dennoch nur im europäischen Mittelfeld, mit Norwegen (97% Marktanteil für die Wärmepumpe) an der Spitze. Dennoch sei das ein Fortschritt, nachdem Deutschland zuletzt bei den Schlusslichtern stagnierte.

Den politisch und medial erzeugten Unsicherheiten zum Trotz würden Hauseigentümer nicht mehr mit dem Einbau ihrer Wärmepumpe warten, sagt Dr. Björn Schreinermacher, Leiter Politik beim BWP. Das Förderprogramm habe an Bekanntheit gewonnen und die Konditionen wirkten.

Angesichts der positiven Marktentwicklungen rechnet der Verband für das Jahr 2025 mit etwa 300.000 abgesetzten Wärmepumpen. Und auch die Prognosen für die kommenden Jahre sehen deutlich besser aus. Bedingung dafür sei jedoch Stabilität bei den Heizungsregeln und bei der Förderung.

Der deutsche Wärmepumpenmarkt zeigt demnach im Jahr 2025 eine stabile und positive Dynamik: Seit März bewegen sich die monatlichen Verkaufszahlen konstant um 25.000 Geräte; im September und Oktober wurden sogar mehr als 30.000 Wärmepumpen abgesetzt. Insgesamt liege der Absatz bis Oktober bereits bei rund 255.000 Geräten, heißt es vom Verband, das ist ein Plus von 57% gegenüber dem Vorjahr.

„Die Wärmepumpe setzt sich als Heiztechnik weiter durch", sagt BWP-Geschäftsführer Dr. Martin Sabel. Das sei auch gut für den Industriestandort und Arbeitsplätze in Europa und Deutschland, denn viele der abgesetzten Anlagen würden hier entwickelt und gefertigt. „Wie schaffen wir mehr Wirtschaftswachstum? Das ist derzeit die zentrale Frage in Deutschland. Die Wärmepumpe ist ein Gewinnerthema, leider haben noch nicht alle das Potenzial erkannt“, kritisiert er.

Inzwischen geht es auch der Branche wieder besser. Nachdem etwa Stiebel Eltron, hier beispielhaft genannt, Kurzarbeit ansetzen und schließlich auch Fachkräfte entlassen musste, kämen die jetzt zum Glück zurück, sagt Hendrik Ehrhardt, Leiter Public Affairs beim Holzmindener Hersteller. Er würde sich im Übrigen wünschen, dass europäische Wertschöpfung als Förderkriterium eingestuft würde und fordert, das Gebäudeenergiegesetz beizubehalten.

Bewegung in Richtung 500.000er-Ziel

Unter der Bedingung, dass die Lage bei Förderung und Ordnungsrecht stabil bleibe, rechnet der Verband in seinem „Business as Usual“-Szenario nun mit 430.000 verkauften Geräten für 2026 – deutlich mehr also  als in der Vorjahresschätzung (350.000 Anlagen). Im ambitionierten KLIMA-Szenario könnten es sogar mehr als 530.000 werden, wenn das Verhältnis von Strom- zu Gaspreis weiter verbessert würde - etwa durch die versprochene Senkung der Stromsteuer. Zuletzt sanken bereits die Stromnetzentgelte und für 2026 sind weitere Entlastungen zu erwarten. „Damit würde die schwarz-rote Koalition die Zahlen erreichen, die die Ampel einst ausgegeben hatte und die für das Erreichen der Klimaziele im Gebäudesektor benötigt werden“, kommentiert Sabel.

Der Markt kann funktionieren, wenn die Regeln nicht ständig geändert werden

„Es ist wichtig, dass verlässliche Regeln gelten", sagt Sabel. „Stetig wiederkehrendes Infragestellen bereits getroffener Entscheidungen wie beim Gebäudeenergiegesetz oder bei der CO2-Bepreisung erzeugen aus unserer Sicht nur unnötig Unruhe und verzögern Investitionsentscheidungen.“ Sabel betont, dass kein Kritiker der Erneuerbaren-Vorgabe im GEG bisher einen einfach umsetzbaren Alternativvorschlag vorgebracht habe.

Ein einfaches Abschaffen der Vorgaben beim Heizungstausch oder ein Unterlaufen der Zielvorgaben würde mit einiger Sicherheit vor dem Verfassungsgericht landen, warnt Sabel: „Jede GEG-Novelle muss also wasserdicht sein, um das zu verhindern. Am sichersten ist es, die 65-Prozent-Regel so beizubehalten, denn sie wird längst vom Markt angenommen und umgesetzt.“ Andernfalls drohe erneut jahrelanges Warten auf Gewissheit.

Signale wie die Senkung der Gasspeicherumlage, eine Stromsteuersenkung nur für die Industrie oder auch zuletzt die Verschiebung des ETS2-Starts für die Sektoren Gebäude und Verkehr auf 2028, die auf Wunsch von Polen geschah, seien fatal, sagt Sabel, eine Erwartung könne er derzeit aber nicht dazu formulieren. Positiv sei allerdings, dass die BEG-Förderung für 2026 mit ausreichend Mitteln unterlegt wurde.

Forum Wärmepumpe

Am 27. und 28. November findet in Berlin das 23. Forum Wärmepumpe statt, auf dem erneut die drängendsten Fragen der Branche diskutiert werden. 

Für die hybride Veranstaltung mit den Schwerpunktthemen

  • Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern
  • Politische Rahmenbedingungen
  • Wandel durch KI
  • Vorgaben aus Europa
  • Geoökonomie und Ressourcen

werden über 300 Branchen-und Verbändevertreter und über 500 Teilnehmende erwartet.

(Sc)

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