Vieles offen, aber an der Wärmepumpe führt kein Weg vorbei
Die Wärmepumpe war 2025 die meist verkaufte Heizungstechnologie. Dies zeigen die Marktzahlen vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie und Bundesverband Wärmepumpe. Die Aufwärtskorrektur der Prognosen zeigt laut BWP-Geschäftsführer Dr. Martin Sabel, dass der Markt unter den aktuellen Bedingungen funktioniere.
Die Transformation sei unterwegs, aber kein Selbstläufer, sagte BWP-Vorstandsvorsitzender Claus Fest in seiner Eröffnungsrede zum 23. Forum Wärmepumpe. Man müsse dranbleiben, denn trotz des relativen Einschlafens der unsäglichen Debatte zur klimaneutralen Transformation der Gebäudewärmeversorgung bleiben Hürden und Widerstände. Dass das nicht sein muss, zeigen die nordischen Länder. Dänemark etwa verbot Öl- und Gasheizungen schon 2013.
An fossilen Systemen festzuhalten, verfestigt Abhängigkeiten, so Fest. Wärmepumpen hingegen seien eine Basis für Wachstum im Heizungsmarkt und im Wirtschaftsstandort Deutschland. Deshalb sollten Mittel in die klimafreundliche Technologie und nicht in Gas aus zweifelhaften Quellen investiert werden. Das Handwerk habe schnell gelernt, was zu tun sei, die Nutzer sind zu über 95 % zufrieden.

Ein Blick auf die regulatorische und politische Ebene - GEG-Novelle, Umsetzung der EPBD, Verschiebung des ETS-2, Netzentgelt- und Stromsteuersenkung - rundet die Eröffnungsrede ab. Damit ist der Startschuss für das Forum gegeben, dass sich im Weiteren auch ausführlich um diese Fragen dreht.
Eingeladen waren wie in jedem Jahr Vertreter aus dem Parteienspektrum, aus den Bundesministerien für Energie, Wirtschaft und Umwelt, aus der Wohnungswirtschaft, dem Handwerk und der Forschung.
Wohnungswirtschaft will Wärmepumpe und sinnvolle Förderung
So sagt etwa Axel Gedaschko, Präsident des GdW, Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen: „Aus unserer Sicht macht es keinen Sinn, etwas anderes als eine Wärmepumpe einzubauen, es sei denn, man ist an die Fernwärme angeschlossen." Und er präzisiert: „Das heißt: 100 % Wärmepumpe, keine dualen [sprich: hybriden] Systeme." Doch er nennt auch andere Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft - damit verbundene hohe Kosten in vielen Bereichen würden schon jetzt einige Wohnungsunternehmen zwingen, Teile ihrer Bestände zu verkaufen.
Kritik gibt es von ihm zudem mit Blick auf die BEG-Förderung, die noch immer auf Energieeffizienz setze, nicht auf CO2-Vermeidung. „Bei der Sanierung der 'worst performing buildings' einen EH40-Standard zu erreichen, ist extrem teuer und zugleich unnötig, EH85 reicht völlig aus", so Gedaschko. Man baue in diesem Punkt auf die neue Bundesregierung, um mit dem gleichen Geld viel mehr zu erreichen.
Seine Wünsche: Die Wärmepumpe brauche flexible Strompreise; ansonsten werde sie sich nicht durchsetzen. „Wir brauchen offene Schnittstellen. Wir müssen auch das Nutzerverhalten ansprechen, denn wir sehen Verbrauchsunterschiede bis zu 300 %", ergänzt Gedaschko. Regelung und Wärmepumpe müssten über gemeinsame Schnittstellen kommunizieren, um das zu vermeiden. Das heißt aber auch, der Einzug der Smart-Meter muss endlich vorankommen.
Energiepreise müssen die wahren Kosten widerspiegeln
Dies fordern Energie-, Klima- und Naturschutzverbände seit vielen Jahren. Ein Mittel ist der CO2-Preis, der fossile Brennstoffe prinzipiell aber derzeit nicht angemessen verteuert. Gerade im Gebäude- und Verkehrssektor, wo die wenigsten Fortschritte Richtung Dekarbonisierung gemacht wurden, wird das marktbasierte System am längsten hinausgezögert, lautet die Kritik. Auf dem Podium diskutiert wird zudem das ausgebliebene Klimageld der Ampel, die versprochene, aber ebenfalls ausgebliebene Stromsteuersenkung der Groko und die kürzliche Netzgeltabsenkung, die immerhin ein erster Schritt ist.
Ein schönes neues Gebäudeenergiegesetz
Markus Söder wollte es abschaffen, aber Fragen aller Art dazu werden derzeit auf breiter politischer Front abgewehrt. „Wir sind froh um jede Pressemeldung, die es zu diesem Thema nicht gibt," sagte Stephanie von Ahlefeldt, Leiterin der Wärme, Wasserstoff und Effizienz-Abteilung in Reiches Energieministerium, bereits am Dienstag auf der Heatexpo in Dortmund. Das Thema sei durch die Vorgängerregierung viel zu emotional geworden, meint sie. Einen Termin für die dringend erwartete Novelle will sie nicht nennen: „Wenn wir soweit sind, gehen wir damit einmal an die Presse." Das ist die Linie, die auch ihre Kollegen halten. Man trage den Streit nicht öffentlich aus, sagt etwa Sepp Müller, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag auf dem Forum Wärmepumpe. Und zum zu erwartenden Zeitpunkt des Ergebnisses bemerkt er: „Sie können sicher sein, dass im nächsten halben Jahr gesetzgeberisch ein Abschluss gemacht wird."
Das Reizwort „Technologieoffenheit" fällt einige Male in den Debatten. Beschreibt es für die einen eine tatsächliche Offenheit für alle möglichen technischen Entwicklungen mit dem Ziel, dass sich die beste und umweltfreundlichste, energie- und kosteneffizienteste von ihnen am Ende durchsetzt, benutzen es andere zum Wecken falscher Hoffnungen auf das Beibehalten und Begrünen des Bestehenden, als eine Strategie des Zweifelsäens und Verzögerungstaktik.
Kerstin Wolff, Geschäftsführerin von Dimplex Deutschland, sieht es so: „Technologieoffenheit heißt für Nichtfachleute oft, dass noch etwas offen, das heißt ungelöst ist. Das ist ungünstig. Es liefert Spielraum für Fantasie, mit der Folge, dass die Menschen nichts tun und abwarten." Violetta Bock, Sprecherin Wärmepolitik, Fraktion Die Linke im Bundestag, kritisiert „Luftschlösser von Wasserstoff in Mieterhaushalten“.
Die Europäische Energieeffizienzrichtlinie
Die Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) muss bis zum 28. Mai 2026 in deutsches Recht umgesetzt sein. Damit es zu diesem Zeitpunkt mindestens einen Kabinettsentwurf gibt, hat die Politik noch einiges zu tun. Prof. Dr. Martin Pehnt, Geschäftsführer des Instituts für Energie- und Umweltforschung ifeu, erläuterte auf dem Forum die für die Wärmepumpenbranche relevanten Eckpunkte und Argumente.
Die EPBD, mit der der §71 GEG recht wenig zu tun habe, sei ein sehr stabiles Konstrukt und ein sehr vielfältiges Instrument, eröffnet Pehnt. Sie berücksichtige etwa auch die Perspektive von Eigentümern wie Nutzenden und ziele idealerweise auf weniger Bürokratie ab. Sein Vortrag zusammengefasst:
Die EPBD verlangt einen neuen Standard für den Neubau, das heißt, ab 2030 müssten alle neu errichteten Gebäude Nullemissionshäuser sein; für öffentliche Gebäude gilt der ZEB-Standard (ZEB: Zero Emission Building) bereits ab 2028. Am Standort dürfen keine Emissionen aus fossilen Brennstoffen entstehen, das sind beste Voraussetzungen für die Wärmepumpe. Die EPBD fordert eine sehr hohe Gesamtenergieeffizienz, die sich anders als zuvor auf die gesamte Primärenergie einschließlich erneuerbarer Energien bezieht. PV und Umweltwärme werden dabei aber nicht mitgezählt. Auch das spricht für Wärmepumpen. Für Hersteller außerdem relevant ist, dass sie für ihre Wärmepumpen EPDs (Umweltproduktdeklarationen) haben müssen.
Für den Gebäudebestand gibt es eine Sanierungsverpflichtung, doch die Verpflichtungen aus dem deutschen Klimaschutzgesetz decken diese für Wohngebäude prinzipiell bereits ab. Bei Nichtwohngebäuden (Hotels, Schulen, Büro- und Verwaltungsgebäude, Gesundheitseinrichtungen) hingegen müssen bis 2030 die schlechtesten 16 % und bis 2033 die schlechtesten 26 % (Basis jeweils Gebäudebestand 2020) saniert werden. Damit gilt erstmals für ALLE Gebäude eine Sanierungsanforderung. Auch hier geht es um die Gesamtprimärenergie (siehe oben) und auch hier kommt damit die Wärmepumpe ins Spiel, deren Einbau in diesen Gebäuden sofort wirken kann.
Zudem wird es Solarenergiepflichten für den Neubau, öffentliche Gebäude und Nichtwohngebäude geben - und eine Weiterentwicklung der Energieausweise, die über den Gesamtenergiebedarf auch europaweit vergleichbarer werden sollen. Die Skala reicht dann von G für das schlechteste bis A für das Nullenergiegebäude; diese Klassen gibt es bislang für NWGs nicht.
(Sc)















