Verbände-Bündnis

Smart-Meter-Desaster, mangelhafter Rechtsrahmen für Energy Sharing und Kleinspeicher bremsen Energiewende

Das Bündnis aus Verbänden, bestehend aus der DUH, dem BBEn und dem BVSS, fordert von der Bundesregierung ein echtes Zugeständnis zur digitalen und dezentralen Energiewende. 

Bild: stock.adobe.com/Petra Richli
Bild: stock.adobe.com/Petra Richli

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), das Bündnis Bürgerenergie (BBEn) und der Bundesverband Steckersolar (BVSS) fordern die Bundesregierung zu einem klaren Bekenntnis für die dezentrale Energiewende in Bürgerhand auf. Der verschleppte Smart-Meter-Rollout, der Rechtsrahmen für Energy Sharing sowie die Regelungen für Kleinspeicher mit und ohne Photovoltaik reichen bei weitem nicht aus. In der Folge bleibt das enorme Potenzial der dezentralen Energiewende weiterhin unausgeschöpft.

Rupert Wronski, Stellvertretender Leiter Kommunaler Umweltschutz DUH: „Laut Koalitionsvertrag möchte die Bundesregierung Verbraucherinnen und Verbraucher zu stärkeren Mitgestaltern der Energiewende machen. Die Grundvoraussetzung dafür – ein flächendeckender Smart-Meter-Rollout – ist jedoch in weiter Ferne. Mit drei Prozent ist Deutschland im europäischen Vergleich weit abgeschlagen. Beim aktuellen Tempo ist hierzulande mit einer Einbauquote nahe 100 Prozent erst nach 2040 zu rechnen. Gründe dafür sind neben dem sehr langwierigen Zertifizierungsprozess für die Geräte auch die unterschiedlichen Prozesse der über 800 Verteilnetzbetreiber sowie die hohen Kosten und Vorgaben für deren Einbau. Dabei ist die Bevölkerung längst bereit, mehr Verantwortung für die Energiewende zu übernehmen. Statt weiter den Gasausbau zu forcieren, sollte die Bundesregierung dringend einen Prozess zum Smart-Meter-Light-Rollout anstoßen sowie die Verteilnetzbetreiber stärker in die Pflicht nehmen.“

Valérie Lange, Leitung Energiepolitik und Regulierung BBEn: „Energy Sharing ermöglicht es Nachbarschaften und Bürgerenergiegemeinschaften, selbst erzeugten Strom miteinander zu teilen. Das schafft neue Investitionschancen für Bürgerinnen und Bürger und stärkt die Beteiligung der Menschen an der Energiewende. Doch mit dem neuen Gesetz funktioniert die Praxis leider noch nicht: Einerseits fehlen wirtschaftliche Anreize. Andererseits erschweren mangelnde Digitalisierung und uneinheitliche Datenformate zwischen Netz-, Anlagen- und Verbrauchsakteuren die Umsetzung. Die Energiewende vor Ort funktioniert nur dann, wenn Prozesse dahinter funktionieren.“

Craig Morris, Geschäftsführer BVSS: „Die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes enthält kleine Fortschritte beim Energy Sharing – aber Haushalte mit Kleinspeichern bleiben erneut außen vor. Weder die längst überfällige vereinfachte Anmeldung von Kleinspeichern noch variable Netzentgelte haben den Weg in das Gesetz geschafft. Dabei könnten genau diese Bausteine Millionen Haushalte in die Lage versetzen, aktiv zur Energiewende beizutragen und Netze zu entlasten. Wir dürfen Bürgerlösungen nicht weiter unnötig verkomplizieren. Das ist ein strategischer Fehler. Eine vollständig auf erneuerbaren Energien basierende Energieversorgung funktioniert erst, wenn alle Flexibilitäten im System genutzt werden. Dazu muss endlich auch die Rolle von Kleinspeichern gestärkt werden.“

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