THG-Emissionen

ETS-2 für Gebäude und Verkehr soll erst ein Jahr später kommen

Der EU-Umweltministerrat beschloss am Mittwoch einen Kompromiss zum Klimaziel 2040. Damit wird u.a. der Start des ETS2 für den Gebäudesektor auf 2028 verschoben.

Noch ein bisschen länger nicht ganz so teuer: Im Gebäudesektor wird der CO2-Preis nach neustem EU-Kompromiss erst ab 2028 per Zertifikatehandel gebildet. Bild: stock.adobe.com
Noch ein bisschen länger nicht ganz so teuer: Im Gebäudesektor wird der CO2-Preis nach neustem EU-Kompromiss erst ab 2028 per Zertifikatehandel gebildet. Bild: stock.adobe.com

Mit dem Eintreten des europäischen Emission Trading System ETS2 für Gebäude und Verkehr sollten ursprünglich ab 2027 Zertifikate für rund 1 Mrd. t CO2 ausgegeben werden. Damit wird die CO₂-Bepreisung in diesen Bereichen künftig einheitlich auf EU-Ebene geregelt und der Preis von Angebot und Nachfrage bestimmt. Ziel ist, die Transformation anzutreiben und die THG-Emissionen bis 2050 auf Null zu senken. In den Sektoren Energie und Industrie wurden damit bereits große Erfolge erzielt. Die Sektoren Gebäude und Verkehr hinken hinterher.

Der Zertifikatehandel kann potenziell zu CO2-Preisen führen, die deutlich über den in der deutschen Gesetzgebung verankerten Grenzen liegen (2024: 45 €/t, 2025: 55 €/t, 2026: 55-65 €/t). Für Gebäude mit fossil basierten Heizsystemen können damit weit höhere Heizkosten fällig werden als bislang.

Abgeschwächte Klimaziele

Kurz vor der 30. Weltklimakonferenz kamen am Mittwoch die EU-Umweltminister zusammen und einigten sich auf abgeschächte Klimaziele für die EU. Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2040 um 90% im Vergleich zu 1990 sinken. Davon bleiben jedoch real nur 85%, denn 5% sollen durch den Kauf von Zertifikaten, auch als Ablassbriefe" kritisiert, in Drittländern erzielt werden dürfen.

Zudem soll der Zertifikatehandel für CO2-Emissionen in den Sektoren Gebäude und Verkehr um ein Jahr auf 2028 verschoben werden. Dafür hatte sich inbesondere Polen stark gemacht, eines der europäischen Länder, in denen es bislang keinen nationalen CO2-Preis gibt.

Der Vorstoß ist derzeit zunächst ein Vorschlag. Die Umsetzung muss im europäischen Parlament beschlossen werden.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft begrüßt die Option internationaler Klimagutschriften,  so lange sie strengen Kriterien für Qualität, Fairness und Transparenz unterliegen. Zudem sollten sie lediglich als Sicherheitsnetz dienen, „um Klimaziele ex post abzusichern", so Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Zögern im Gebäudesektor wird weiter unterstützt

Die Verschiebung der Einführung des europäischen Brennstoffemissionshandels (ETS 2) sieht der BDEW kritisch. Er hätte wichtige Preissignale für die Wärmewende und den Hochlauf der Elektromobilität gesetzt.

Unklar sei, wie die Bundesregierung mit dem Beschluss umgeht und welche Auswirkungen sich für die Finanzierung der Wärmewende ergeben, heißt es vom Bundesverband Wärmepumpe. Investitionsförderung für erneuerbare Technologien sei kein „nice to have“, sondern die Voraussetzung für wirksamen und sozial verträglichen Klimaschutz. Sie sichere zudem zehntausende Arbeitsplätze am Wirtschaftsstandort Deutschland. Nur das Zusammenspiel von gezielten Investitionsanreizen und einem moderat steigenden CO₂-Preis könne Emissionen im Gebäudesektor dauerhaft senken. Frühzeitige Investition in sparsame Technologien schützten Verbraucherinnen und Verbraucher vor übermäßigen Belastungen durch steigende Preise im ETS2.

Der BWP fordert einen verlässlichen Finanzierungspfad im Bundeshaushalt und einen dauerhaft tragfähigen Klima- und Transformationsfonds (KTF) sowie eine verlässliche nationale Umsetzung.

(Sc)

Die künftig EU-weit einheitliche CO₂-Bepreisung kann für Vermieter wie Mieter erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Effizienzunternehmen raten zu...
Printer Friendly, PDF & Email
06.11.2025
ETS-2
Am Donnerstag sprachen Vertreter von Bundesverband Wärmepumpe, Verband der Elektro- und Digitalindustrie sowie herstellender Industrie mit Politik und Presse über die Vorschläge zum ETS-2 aus Brüssel...
24.11.2025
Wärmepumpenmarkt
Offenbar haben Hauseigentümer das Hin und Her der Politik satt und bauen einfach Wärmepumpen ein. Dies ist eine der Schlussfolgerungen, die sich aus den aktuellen BWP-Marktzahlen ziehen lassen.
19.05.2025
ZVEI | BWP
2024 wurden die Klimaziele im Gebäudesektor erneut verfehlt. ZVEI und BWP drängen auf weitere Elektrifizierung.
19.01.2026
Weiterbildung mit Zertifikat
Ein berufsbegleitendes Kurzprogramm an der Universität für Weiterbildung Krems qualifiziert für nachhaltige Sanierung im Gebäudebestand. Eine Online-Informationsveranstaltung für Interessierte findet...
26.06.2025
Stromsteuersenkung
Der BWP bemängelt, dass die Bundesregierung die Stromsteuer nicht senken will, und mahnt zur Einhaltung des Wahlversprechens, die Stromsteuer für alle Verbraucher zu senken.
13.06.2025
ETS-2
Ab 2027 tritt das neue Emissionshandelssystem (ETS-2) in Kraft. Eine neue Studie analysiert Kostenszenarien, die mit der neuen CO₂-Bepreisung auf Immobilieneigentümer zukommen können.