Ab 2027 ersetzt das neue Europäische Emissionshandelssystem (ETS-2) schrittweise den nationalen Emissionshandel (nEHS), sodass die CO₂-Bepreisung in diesen Bereichen künftig einheitlich auf EU-Ebene geregelt und der Preis von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Das hat Auswirkungen auf den Gebäudesektor: Trotz Abschaffung der Gasspeicherumlage müssen Menschen, die mit Gas heizen, mit deutlich höheren Kosten rechnen. Eine Auswertung des Energieunternehmens Enpal zeigt: Haushalte sind je nach Gebäudeeffizienzklasse und Heizart unterschiedlich betroffen.
Zur Analyse der Mehrkosten hat Enpal drei wissenschaftlich fundierte Szenarien verwendet, die die CO₂-Preisentwicklung prognostizieren:
- 55 €/t CO₂ basierend auf Zahlen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (“Szenario 1”)
- 160 €/t CO₂ basierend auf Zahlen der Universität zu Köln (“Szenario 2”)
- 250 €/t CO₂ basierend auf Zahlen des PIK in Potsdam (“Szenario 3”)
Die entsprechenden Mehrkosten wurden in dieser Analyse für einen Vier-Personen-Haushalt mit 95 m² Wohnfläche berechnet. Der Energieverbrauch der Haushalte wurde basierend auf Werten der Verbraucherzentrale berechnet. Dafür wurden die Energieeffizienzklassen C und G zugrunde gelegt. Der CO₂-Ausstoß der Heizungen wurde basierend auf den Emissionsfaktoren im Gebäudeenergiegesetz berechnet.
ETS-2-Mehrkosten bei Gasheizungen: Auswirkungen für 94,7% der Anlagen in Wilhelmshaven
Bei Gasheizungen in der Gebäudeeffizienzklasse C ergeben sich jährliche Mehrkosten von 125,40 € im Szenario 1, die bis auf 570 € im Szenario 3 steigen. In der schlechteren Effizienzklasse G fallen die Kosten deutlich höher aus: Von 313,50 € in Szenario 1 bis zu 1.425 € im teuersten Szenario. Die Haushalte in Städten wie Wilhelmshaven (94,7% Gasanteil), Oldenburg (93,1%), Delmenhorst (89,5%), Neuwied (87,1%) und Witten (84,9%) sind aufgrund des hohen Anteils an Gasheizungen besonders vom CO₂-Preis betroffen.
CO₂-Kosten für Ölheizungen: Einfluss der Effizienzklasse
Auch bei Ölheizungen führen steigende CO₂-Preise zu erheblichen Mehrkosten, die je nach Effizienzklasse stark variieren. Bei Gebäudeeffizienzklasse C liegen die Zusatzkosten zwischen 161,98 € im Szenario 1 und 736,25 € im Szenario 3. In der schlechteren Effizienzklasse G steigen die Mehrkosten von 404,94 Euro bis auf 1.840,63 € im teuersten Szenario. Besonders betroffen sind Städte wie Schwäbisch Gmünd mit 28,1%, Offenburg mit 26,4% und Bergheim mit 25,4% Anteil an Ölheizungen.
Auch bei weniger verbreiteten Kohleheizungen zeigen sich im ETS-2 deutliche Kostenunterschiede je nach Effizienzklasse.
Wer nicht saniert, muss mit Mehrkosten im drei- bis vierstelligen Bereich rechnen
Die jährlichen Mehrkosten für Gasheizungen schwanken je nach Gebäudeeffizienzklasse von 125,40 € im Szenario 1 bis zu 1.425 € im Szenario 3 und betreffen rund 63% der untersuchten Heizungsanlagen.
Für Ölheizungen liegen die Mehrkosten zwischen 161,98 € und 1.840,63 €, (10,3% der Anlagen). Kohleheizungen machen nur 0,02% der Anlagen aus, verursachen aber mit Mehrkosten von 209 - 2.375 € im teuersten Szenario die höchsten finanziellen Belastungen. Die angegebenen Werte beziehen sich auf die Bandbreite von Gebäudeeffizienzklasse C (untere Grenze) bis G (obere Grenze) und den CO₂-Preisszenarien von 55 bis 250 €/t.
Analyse für Berlin
Berlins landeseigene Wohnungsunternehmen wollen in den kommenden acht Jahren rund 3,5 Mrd. Euro investieren, um ihre Gebäude energetisch zu sanieren. Durch die Investitionen können sie künftig mehrere tausend Euro sparen: Ab 2027 ersetzt das ETS-2 schrittweise den nationalen Emissionshandel (nEHS), sodass die CO₂-Bepreisung im Gebäudesektor und anderen Bereichen künftig einheitlich auf EU-Ebene geregelt wird. Um die finanziellen Auswirkungen zu beziffern, hat das Berliner Energieeffizienz-Unternehmen Purpose Green die zu erwartenden Kosten von über 500 Immobilien in Berlin - ebenfalls mithilfe von unterschiedlichen CO₂-Preis-Szenarien - errechnet.
Es wurden vier Szenarien kalkuliert, um die Spannweite möglicher Mehrkosten abzubilden und so eine fundierte Grundlage für finanzielle Planungen zu schaffen:
- aktuell 55 €/t (Szenario I, 2025)
- 2030 100 €/t (Szenario II) bzw.
- 250 €/t sein (Szenario III)
- langfristig 400 €/t (Szenario IV).
In den vier Szenarien würde der CO₂-Preis so um ca. 82% (Szenario II), ca. 355% (Szenario III) oder ca. 627% (Szenario IV) steigen. Um die durchschnittlichen jährlichen CO₂-Kosten für Hauseigentümer zu berechnen, wurden Wohnfläche, Energieträger und den Energiebedarf von über 500 Immobilien in der Hauptstadt analysiert.
Dass unsanierte Gebäude mit erheblich höheren Kosten verbunden sein können, zeigt ein Beispiel aus Berlin: Ein Mehrfamilienhaus mit rund 4.800 m² Gesamtwohnfläche und 60 WE weist einen außergewöhnlich hohen Energieverbrauch von 1.300 kWh/(m²·a) auf. Es wird mit Gas beheizt und verursacht dadurch jährlich etwa 220 t CO₂. Während 2026 ca. 12.000 Euro auf den Eigentümer zukommen, wären es im zweiten Szenario ca. 22.000 Euro, im dritten ca. 55.000 Euro und im vierten Szenario sogar fast 88.000 Euro jährlich.
Der energetische Zustand entscheidet über die Umlage der Kosten auf Mieter
Die Aufteilung der CO₂-Kosten zwischen Mieter und Vermieter hängt von dem energetischen Zustand einer Immobilie ab: Bei sehr schlechter Energiebilanz (CO₂-Ausstoß über 52 kg/m²) müssen Vermieter 95% der CO₂-Kosten übernehmen. Ist ein Haus bereits energetisch saniert und der Ausstoß beträgt nur bis zu 12 kg/m², verbleiben die (geringen) Kosten vollständig bei den Mietern. Bei einem CO₂-Ausstoß zwischen 32 und 37 kg/m² teilen sich Mieter und Vermieter die Kosten gleichmäßig.
Bei dem oben genannten Beispiel in Berlin müsste der Eigentümer im Fall einer Vermietung nach dem gültigen 10-Stufenmodell 70 Prozent dieser Kosten selbst tragen – also je nach Szenario zwischen ca. 8.400 €/a und 62.000 Euro €/a. Je größer eine Immobilie und je schlechter der energetische Zustand eines Gebäudes, desto höher fallen die Kosten aus – und bei Gebäuden mit sehr schlechter Energieeffizienz können die zusätzlichen Kosten kaum auf Mieter umgelegt werden.














