02/26 Editorial

Gas, Öl und Teersand im Getriebe

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Mit der Wärmewende war Deutschland früher schon mal weiter. Bild: HUSS MEDIEN GmbH | stock.adobe.com/nicoletaionescu, Ingo Bartussek
Mit der Wärmewende war Deutschland früher schon mal weiter. Bild: HUSS MEDIEN GmbH | stock.adobe.com/nicoletaionescu, Ingo Bartussek

Meine ersten drei Versuche eines Editorials scheiterten an immer neuen ins Postfach flatternden Entwürfen, Paketen und Eckpunkten potenziell klimaverschlimmernder Neuregulierungen – jeweils flugs gefolgt von Einladungen zu Pressekonferenzen, Mitteilungen und Bewertungen von Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialverbänden sowie Unternehmen diverser betroffener Branchen. Medien sollen informieren und einordnen, Technik und Klima sind mir wichtig, doch Erschöpfung setzte ein und ich erwog, zu verreisen, bis sich der Wirbelsturm legt.

Schock-Strategie

… ist der Titel eines Buches der Globalisierungskritikerin Naomi Klein. Vor bald 20 Jahren zeigte sie, wie Natur- und andere Katastrophen von bestimmten Akteuren in Politik und Wirtschaft ausgenutzt werden, um unbeliebte Reformen durchzudrücken, während die Betroffenen keine Ressourcen haben, sich zu wehren, da sie zunächst die akute Lebensbedrohung abwenden müssen. Verreisen können diese Menschen auch nicht.

Die derzeitige Dichte der regulatorischen Einschläge im Bereich Energie ist auffällig, aber nicht direkt eine Naturkatastrophe. Doch die darin angekündigten Reformen sind bei so einigen Betroffenen unbeliebt. Vielleicht haben nicht alle die Ressourcen, sich neben ihrem Alltag mit seinen regulären Baustellen auch noch gleichzeitig mit dem Referentenentwurf zum Netzpaket, dem Referentenentwurf zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und dem Eckpunktepapier zum Thema Heizung im künftigen Gebäudemodernisierungsgesetz auseinanderzusetzen. Vielleicht fällt der Gesamtwiderstand damit geringer aus als er andernfalls wäre.

Planbarkeit und Klima in Gefahr

Deutschland wollte einst 2045 klimaneutral sein, fünf Jahre früher als die EU. Diese Absicht fand Eingang ins Klimaschutzgesetz. Der Ausbau erneuerbarer Energien aus Sonne und Wind ist ein Mittel, mit dem viel erreicht werden kann, ebenso die Elektrifizierung eines guten Teils der Wärmeversorgung.

Doch der Ausbau der Stromnetze hält mit dem der Erzeugeranlagen offenbar nicht Schritt. Statt aber große Betreiber zu bewegen, bei Netzen, Speichern und Smartmeter-Rollout zuzulegen, sollen künftig die oft kleineren Erzeuger gestraft werden, wenn sie mehr einspeisen, als durchgeleitet werden kann. Neue Projekte werden so verhindert. Dabei ist der Bedarf da, neben dem Wärmepumpenzubau auch bei E-Mobilität oder Rechenzentren.

Der EEG-Entwurf gefährdet nun auch die private Energiewende. Einspeisevergütung und Solarförderung könnten entfallen. Zugleich sind keine der wichtigen Verbesserungen enthalten, die viele Biogaserzeuger bräuchten, um ihre Anlagen wirtschaftlich (weiter)betreiben zu können.

Auf der Verbrauchsseite setzt das Wärmepapier an. Ein GEG, das trotz allem inzwischen eigentlich ganz gut funktioniert, alle erneuerbaren Heizungstechnologien und eine machbare Deadline für fossiles Öl und Gas enthält, wird gekippt. Die alte Gas- oder Ölheizung darf wieder durch eine neue ihrer Art ersetzt werden. Für ihre Klimaneutralität soll langfristig eine Bio-Treppe (Biogase, Bioöle und Wasserstoff aller Art) sorgen. Ein Fragezeichen mit Bezug zur oben erwähnten fehlenden Unterstützung beim Biogas sei erlaubt; laut Verband könnten schon jetzt kurzfristig 12 GW flexible Leistung beigesteuert werden; geht aber nicht. Derweil sichert wohl Flüssiggas aus den USA die Unabhängigkeit von russischem Gas – und den Betrieb all der neuen Rechenzentren. Ob das weniger volatil ist, sei angesichts der Weltlage dahingestellt.

Versuch Vier auf der Zielgeraden

Keines der Gesetze ist in den sprichwörtlichen trocknen Tüchern und vielleicht wird nicht alles so heiß gegessen, wie es vom Gasherd kommt. Mir bleibt hier nur noch der Verweis auf die Branchenmessen dieses Frühjahrs, die jede heute erdenkliche Technologie für die Wärmewende präsentieren. Diese ist auch unser Top-Thema ab S. 16.

M.Sc., Dipl.-Ing. (FH) Silke Schilling

Dipl.-Ing. Silke Schilling
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