Wärmewende retten:

Transformationsprozess vorantreiben, nicht ausbremsen!

Das Analysepapier einer Allianz kommunaler Unternehmen warnt vor einem „fossilen Lock-in” beim geplanten GMG. Der Transformationsprozess und die Klimaziele könnten gefährdet werden.

Bild: stock.adobe.com/Gerd
Bild: stock.adobe.com/Gerd

Eine Allianz aus kommunalen Unternehmen, Versorgern und einem Spitzenverband unter Initiative der LBD-Beratungsgesellschaft warnt vor den Folgen des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) in seiner aktuell geplanten Ausgestaltung. Die im Eckpunktepapier der Regierungsfraktionen skizzierten Reform hat das Potenzial, die Wärmewende auszubremsen, Investitionen zu entwerten und die deutschen wie europäischen Klimaziele zu gefährden. Statt für Planungssicherheit zu sorgen, könne das Vorhaben neue Marktverzerrungen und Fehlanreize schaffen – angesichts der aktuellen geopolitischen Verwerfungen ein falsches Signal für Resilienz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit der Energieversorgung.

Im Zentrum der Kritik steht die geplante Abschaffung der bisherigen 65-%-Regel, ohne gleichwertige und klar ausformulierte Ersatzinstrumente einzuführen. Aus Sicht der Allianz ist dieser Schritt überstürzt. Er könnte dazu führen, dass Gebäudeeigentümer wieder verstärkt in fossile Heiztechnologien investieren. Damit drohe ein Lock-in-Effekt über Jahrzehnte – mit erheblichen Folgen für den Wärmemarkt, Infrastrukturentwicklung und den Klimaschutz. Zugleich bleibe offen, wie zentrale neue Steuerungsinstrumente wie Biotreppe und Grüngasquote konkret wirken sollen. Auch die Verzahnung mit dem Wärmeplanungsgesetz und der EnWG-Novelle sei bislang nicht ausreichend geklärt. Ohne einen verlässlichen Rahmen fehlten Kommunen, Netzbetreibern, Investoren und Gebäudeeigentümern die nötige Planungs- und Investitionssicherheit. Gleichzeitig wird die Chance verpasst, das Energiesystem Schritt für Schritt resilienter aufzustellen.

 Laut der Analyse reicht es nicht, bestehende Regeln abzuschaffen und spätere Nachbesserungen in Aussicht zu stellen. Notwendig sei ein Ordnungsrahmen, der vergleichbare und verbindliche Vorgaben für alle Infrastrukturen und Energieträger schafft. Nur so lasse sich ein fairer Systemwettbewerb organisieren und die Wärmewende wirksam steuern. Die Allianz fordert deshalb, die Anforderungen an erneuerbare Energien im Wärmemarkt klar und planbar auszugestalten. Eine Möglichkeit dieses umzusetzen ist, die Erneuerbaren-Anteile für Wärmenetze gemäß Wärmeplanungsgesetz beizubehalten. Zudem sollte die Biotreppe bereits 2027 mit 15 Prozent starten, bis 2030 auf 30 Prozent und bis 2040 auf 80 Prozent steigen. Auch brauche es ein klares Bekenntnis, die Grüngasquote so auszugestalten, dass sie echte Anreize setzt und spätestens bis Mitte der 2030er-Jahre Wirksamkeit im Markt entfaltet. Resilienz gewinnt in diesem Kontext an Bedeutung. Die angeschobene Transformation senkt die Abhängigkeit von volatilen Rohstoffen und erhöht die Wertschöpfung in Deutschland bzw. der EU.

Ohne klare Leitplanken drohten nicht nur Fehlentscheidungen bei Heizungsinvestitionen, sondern auch steigender politischer Druck, Klimavorgaben später wieder aufzuweichen. Das würde die Emissionsziele im Gebäudesektor gefährden, den Staat sowie Verbraucher und insbesondere Mieter finanziell belasten und die Abhängigkeit von volatilen Brennstoffimporten verlängern.

„Die geplanten Regelungen greifen zu kurz, schaffen neue Unsicherheiten im Markt und gefährden die Resilienz des Energiesystems“, sagt Carsten Diermann, Prokurist der LBD-Beratungsgesellschaft und Autor der Analyse. „Wer die 65-Prozent-Regel abschafft, ohne klare Alternativen zu definieren, öffnet die Tür für fossile Fehlentscheidungen.“ Gleichzeitig droht ein Vertrauensverlust bei Investoren, die bereits in klimafreundliche Lösungen investiert haben. „Wenn die Politik die falschen Signale setzt, verlieren wir Jahre – und das können wir uns nicht leisten.“, sagt Diermann. „Die Wärmewende entscheidet sich jetzt.“

Die vollständige Analyse finden Sie hier.

Printer Friendly, PDF & Email
04.03.2026
Neuer Kommentar zum Eckpunktepapier
Der Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe hat Kritik und Änderungsvorschläge für diverse Eckpunkte. Der Verband benennt u.a., dass das Papier keine Regeln für natürliche Kältemittel in...
04.03.2026
Studie
Einer neuen Studie des Ökoinstituts zufolge vergrößern die Regelungen der GMG-Eckpunkte die Treibhausgasemissionswerte und auch die Abweichung von den gesetzlichen Klimazielen signifikant.
06.05.2026
GModG
Die Bundesregierung hat den Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes, der vergangene Woche bekannt wurde, in die Ressortabstimmung gegeben.
25.02.2026
Back to the Roots?
Das Eckpunktepapier der Bundesregierung zum geplanten GMG sieht die Streichung der 65%-Regelung für Erneuerbare beim Einbau einer neuen Heizung vor und lässt fossiles Gas und Öl wieder zu.
05.09.2025
Bundesverband Solarwirtschaft
Der BSW-Solar fordert eine Überarbeitung des Versorgungssicherheitsberichtes der BNetzA, da die Potenziale von Batteriespeichern für die Versorgungssicherheit nicht genügend berücksichtigt wurden.
12.02.2026
Roundtable Wärmewende
Der Roundtable Wärmewende, eine Allianz von Wohnungs- und Bauverbänden, Kommunen und Energieversorgern, macht Vorschläge für die Umsetzung einer bezahlbaren Wärmeversorgung.