Wasserstoff

Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet

Die Bundesregierung hat am Mittwoch die Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet und einen Nationalen Wasserstoffrat einberufen. Auch im Wärmemarkt soll Wasserstoff künftig verstärkt eine Rolle spielen.

Die Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung. Quelle: bmwi.de
Die Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung. Quelle: bmwi.de

Auch langfristig werde nach Ausschöpfen der Effizienz- und Elektrifizierungspotenziale bei der Prozesswärmeherstellung oder im Gebäudesektor ein Bedarf an gasförmigen Energieträgern bestehen bleiben. Wasserstoff und seine Folgeprodukte könnten langfristig auf verschiedene Weise einen Beitrag zur Dekarbonisierung von Teilen des Wärmemarkts leisten, heißt es in dem Papier.

Aus den Verbänden

Das vorhandene Erdgasnetz biete die optimale Infrastruktur, um Wasserstoff in den Wärmemarkt zu bringen, heißt es dazu in einer Mitteilung des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) und des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbands (DWV). Dort kann schon jetzt mit der Umstellung auf wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenheizungen ein wichtiger Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen erfolgen. Dazu tragen aber auch bestehende Technologien wie zum Beispiel Brennwertheizungen bei, die ohne Umrüstung mit Wasserstoffanteilen betrieben werden können. Darüber hinaus werden aktuell groß angelegte Feldtests mit Geräten durchgeführt, denen im Labor eine 20- bis 30-prozentige Verträglichkeit mit Wasserstoff attestiert wurde.

Der von der Bundesregierung beschlossene Ausbaupfad für heimische Elektrolyse von 5 GW bis 2030 und weiteren 5 GW bis spätestens 2040 bleibe aber hinter den möglichen und nötigen Ausbaupfaden zurück. Ausdrücklich begrüßenswert sind lt. DVGW und DWV die geplanten Förderinstrumente und das Markteinführungsprogramm für Elektrolyse. Dies helfe, den technischen Vorsprung hierzulande zu halten und die Power-to-Gas-Technologie zum Wegbereiter eines klimafreundlichen Energiesystems werden zu lassen.

Wasserstoff könne zur nachhaltigen Minderung von CO2-Emissionen überall dort beitragen, wo gasbasierte Energie die beste Option ist und auch bleiben wird – bei industriellen Prozessen, in der SchwerlastMobilität und im Wärmesektor, denn die hier benötigten Mengen und Spitzenleistungen werden durch das deutsche Verteilnetz effizient vor Ort bereitgestellt, sagt Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender DVGW. Werner Diwald, Vorstandsvorsitzender des DWV, fordert jedoch für die Erzeugung von grünem Wasserstoff eine Sonderregelung zur Reduzierung der EEG-Umlagen im EEG.

„Gut ist, dass alle Anwendungssektoren in der Strategie grundsätzlich erwähnt werden – gerade mit Blick auf den Wärmemarkt werden aber Potenziale verschenkt. Das ist umso bedauerlicher, als dass der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft eine Chance für alle Sektoren ist, um Treibhausgasemissionen zu senken – vom Hochofen bis zum Heizkessel. Im Wärmemarkt ermöglichen steigende Anteile erneuerbarer und dekarbonisierter Gase bezahlbaren Klimaschutz“, sagt Kerstin Andreae, die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Nur ein möglichst breiter und technologieoffener Ansatz garantiere einen umfassenden Markthochlauf, stetig wachsende Beiträge zum Erreichen der Klimaschutzziele sowie die Zukunftsfähigkeit der Gasinfrastruktur. Wichtig sei jetzt, dass die Bundesregierung die in der Wasserstoffstrategie geplanten Maßnahmen zeitnah umsetze. Dies sei nicht nur erforderlich, um die Dekarbonisierung von Industrie, Verkehr und Wärme voranzubringen, sondern auch, um Investitionen in neue Technologien auszulösen. „Mit Blick auf erneuerbaren Wasserstoff müssen hierfür die immer noch bestehenden Hemmnisse beim Ausbau der regenerativen Stromerzeugung beseitigt werden:"

Der BDEW weist darauf hin, dass die Energiewirtschaft eim Start in die Wasserstoffwirtschaft eine ganz entscheidende Rolle einnimmt – von der Erzeugung über den Transport in Gasleitungen bis hin zur Nutzung in den verschiedenen Anwendungen. Die Energiewirtschaft engagiert sich bereits heute in vielen Power-to-Gas Projekten zur Erzeugung von erneuerbarem und dekarbonisiertem Wasserstoff sowie zahlreichen Forschungsprogrammen. Daher sollte bei der Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie der Blick auf energiewirtschaftliche Zusammenhänge gewahrt bleiben. Der BDEW wird in Kürze eine Roadmap Gas veröffentlichen, in der die Vorstellungen der Energiewirtschaft für eine Wasserstoffwirtschaft dargelegt werden.

Auch auf europäischer Ebene müsse das Thema Wasserstoff weiter vorangetrieben werden. „Um Importpotenziale erschließen zu können, ist eine frühzeitige Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union wichtig. Die Bundesregierung sollte in ihrer EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte daher den Aufbau eines europäischen Wasserstoffprojektes forcieren.“ Dazu gehöre vor allem eine einheitliche Definition von grünen und dekarbonisierten Gasen und die Schaffung eines Handelssystems für diese Produkte, inklusive eines EU-weiten, transparentes Nachweissystems. Der BDEW erarbeitet hierzu bereits Vorschläge.

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