Dekarbonisierung

Fernwärme für die Wärmewende: Aber wie?

Die Abendveranstaltung "Zukunft Fernwärme" am 23. Februar 2026 in Berlin widmete sich der Frage, wie Fernwärme für den Gebäudebestand verlässlich, bezahlbar, klimawirksam und umsetzbar werden kann.

(v.l.n.r.) Senatorin Giffey im Gespräch mit Dirk Eggers (Geschäftsführer SAMSON KT-Elektronik) und Christopher von Gumppenberg (Geschäftsführer KUGU) Bild: KUGU
(v.l.n.r.) Senatorin Giffey im Gespräch mit Dirk Eggers (Geschäftsführer SAMSON KT-Elektronik) und Christopher von Gumppenberg (Geschäftsführer KUGU) Bild: KUGU

Dazu brachte die KUGU Home GmbH gemeinsam mit der SAMSON AG über 50 persönlich geladene Gäste aus Wohnungs- und Energiewirtschaft sowie der Politik zusammen.

Im Mittelpunkt stand die Rolle der Fernwärme als zentrale Infrastrukturaufgabe. Berlin verfügt mit über 2.000 km über das größte Fernwärmenetz Westeuropas; entsprechend groß ist die Bedeutung für die Klimaziele der Stadt. Der Berliner Klimapakt 2025–2030 setzt dafür einen klaren Rahmen und adressiert die Dekarbonisierung zentraler Systeme als Schlüssel zur Zielerreichung. Im Austausch zeigte sich, wie eng Zielbilder und Prioritäten, nachvollziehbare Kostenpfade und Umsetzungshorizonte zusammenhängen: Nur wenn Rollen und Prozesse klar und Zeitachsen realistisch sind, lassen sich Anschlussentscheidungen gezielt treffen und Investitionen im Bestand planbar vorbereiten.

Fernwärme als Schlüssel zur Wärmewende

Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, eröffnete den Abend mit einer Keynote und stellte die Fernwärme als zentralen Baustein der Wärmewende heraus. Der Berliner Klimapakt 2025–2030 gebe dafür die Richtung vor. Entscheidend sei nun, dass Planung und Ausbau verlässlich ineinandergreifen, damit Fernwärme Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz zusammenbringt. Die Größenordnung ist erheblich: In der Berliner Quellenbilanz 2022 werden rund 36 Prozent der CO₂-Emissionen des Primärenergieverbrauchs der Fernwärme zugerechnet. Im Anschluss vertiefte Senatorin Giffey die zentralen Punkte im Gespräch mit KUGU-Geschäftsführer Christopher von Gumppenberg. Im Fokus standen die Rahmenbedingungen der Dekarbonisierung und das Zusammenspiel der Akteure.

Perspektiven aus Praxis und Bestand

Die Podiumsdiskussion brachte die Perspektiven der Versorgungs- und Bestandshalterseite zusammen: Dr. Nicola Kleppmann (Leiterin Digitalisierung, Fernheizwerk Neukölln AG) schilderte die Anforderungen aus Netz- und Betriebsrealität, ergänzt durch einen Vertreter eines großen Berliner Wohnungsunternehmens. Moderiert wurde das Panel von Dirk Eggers (Geschäftsführer SAMSON KT-Elektronik) und Christopher von Gumppenberg. Im Gespräch zeichnete sich ein gemeinsames Bild ab: Technische Lösungen und vielversprechende Ansätze sind vorhanden – jetzt kommt es darauf an, diese gemeinsam in den Betrieb zu überführen und an den Schnittstellen zwischen Netz und Bestand konsequent zum Laufen zu bringen.

Frau Dr. Kleppmann betonte, dass dafür durchgängige Daten und klare Prozesse maßgeblich seien, damit Fernwärme vom Netz bis zur Übergabestation zuverlässig betrieben und gesteuert werden kann. Aus Sicht der Wohnungswirtschaft kommt hinzu, dass Anschlusswege und Kostenpfade frühzeitig nachvollziehbar sein müssen, um Umstellungen im Bestand sauber vorzubereiten. Dirk Eggers setzte zum Schluss noch eine ambitionierte Marke: „Ziel ist, dass Berlin die Hauptstadt der Digitalisierung in der Fernwärme wird.“

Technik und Daten: gemeinsam für messbare Dekarbonisierung

Damit Fernwärme-Strategien im Bestand wirksam werden, braucht es belastbare Betriebsdaten und Lösungen, die schnell greifen. KUGU digitalisiert Heizungsanlagen herstellerunabhängig und optimiert den Betrieb datenbasiert, ohne umfangreiche bauliche Eingriffe. So lassen sich im Durchschnitt über 20 % Energie und Kosten einsparen, KUGU garantiert 12 %. „Lösungen müssen im Alltag schnell wirken. Wir machen Energiedaten im Heizungskeller nutzbar und schaffen damit einen direkten Beitrag zur CO₂- und Kostensenkung – gerade in Beständen, die nicht auf Knopfdruck saniert werden können“, sagte Christopher von Gumppenberg.

SAMSON ergänzt diesen Ansatz mit Infrastruktur- und Netzbetriebskompetenz: Regelungs- und Betriebstechnik in Wärmenetzen und Übergabestationen ist eine Voraussetzung für Dekarbonisierung. „Entscheidend ist, dass Infrastruktur und Gebäudeseite frühzeitig zusammengedacht werden, damit Ausbau und Anschluss reibungslos ineinandergreifen“, betonte Dirk Eggers. Die Synergien zwischen KUGU als digitalem Hebel im Gebäudebetrieb und SAMSON als Infrastruktur- und Betriebspartner in der Wärmeversorgung sind Grundlage der langfristigen Partnerschaft beider Unternehmen.

Zum Abschluss zeigte der Abend vor allem eines: Der gemeinsame Wille, die Fernwärme-Transformation verlässlich und sozialverträglich voranzubringen, ist da. Das inhaltliche Programm und die anschließenden Gespräche haben zentrale Punkte für mehr Orientierung geschärft – ein produktiver Impuls, den KUGU und SAMSON gemeinsam gesetzt haben.

 

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