01/26 Editorial

Gebäude und TGA in Systemen denken

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Bild: MGT/KI-generiert
Bild: MGT/KI-generiert

Die politische Hängepartie beim Gebäudeenergiegesetz hat der gesamten Heizungsbranche viele Monate lang herbe Einbrüche beschert. Laut Jahresbilanz des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) fiel der Absatz an Heizungsanlagen 2025 auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren und war so im zweiten Jahr in Folge rückläufig. Mit der Gesetzesnovelle soll u.a. die Wärmepumpe weniger favorisiert werden als zuvor. Was wir derzeit beobachten, war sicher nicht die Absicht. Aber in komplexen Systemen wie der menschlichen Gesellschaft muss zuweilen mit unvorhersagbaren Feedbacks gerechnet werden.

Kipppunkt im Heizungssystem

Die Technologie, die sich trotz der Negativpresse der Vorjahre erholte und derzeit für gute Nachrichten sorgt, ist ausgerechnet die Wärmepumpe. Mit 300.000 verkauften Exemplaren hatte sie letztes Jahr ca. 50 % Marktanteil und rückte damit auch den einst angepeilten 500.000 Stück pro Jahr näher. Etwa 80 % der Geräte wurden im Bestand verbaut. Der Grund: Dies ergibt wirtschaftlich Sinn und erzeugt mehr Unabhängigkeit. Die Aussicht: Vielleicht ein baldiges Erreichen des Kipppunktes, hinter dem der Siegeszug der Erneuerbaren durch die Wärmesysteme auch bei massiver Gegenaktion unumkehrbar ist.

Im Januar besuchten Vertreter der Wärmepumpenbranche, ihres Verbandes BWP e. V. und der SHK-Innung München den bayrischen Wirtschafts- und Energieminister sowie stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Dieser ist nicht für seine Begeisterung für das Heizen mit erneuerbarem Strom bekannt. Aussagen von Gesprächsbeteiligten lassen aber den Schluss zu, dass er seinen bislang nur teilweise technologieoffenen Ansatz auf die Wärmepumpe ausweiten könnte. Bayern lag 2025 mit 65.000 Förderanträgen immerhin auf Platz 2 im bundesweiten Vergleich. Laut BEG-Evaluationsbericht löst jeder Fördereuro das Vierfache an Investitionen aus. Das heißt, das Umstellen auf strombetriebenes Heizen ist gut für die Wirtschaft. Die kann das gut gebrauchen, die Förderung sollte also bleiben. Ebenso sollte sich die 65% EE-Vorgabe aus dem GEG im Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) wiederfinden, auf das wir bei Redaktionsschluss weiterhin warten. Die nationalen Klimaschutzziele sind gesetzliche Verpflichtung, doch der Gebäudesektor hinkt konstant hinterher. Das Klimaschutzprogramm muss somit nachgebessert (und nicht etwa aufgeweicht) werden, lässt sich aus einem aktuellen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) schließen.

Gebaute und natürliche Systeme

Einzelne Gebäude oder Quartiere energetisch zu optimieren, kann das jeweilige Objekt effizienter machen. Gebäude im Quartier als Gesamtsystem zu sehen, könnte jedoch bislang unerkannte Potenziale heben. Die Vernetzung aller Gebäude über offene Schnittstellen der Gebäudeautomation und ihre Effekte werden in einem Reallabor an der Hochschule Mainz untersucht (S. 10).

Teil eines systemischen Ansatzes an Gebäude und ihre Umgebung kann die Berücksichtigung aller Wärmequellen und -senken im Quartier sowie der Heiz- und Kühlwirkung der Natur sein. So kann die TGA über die Gebäudehülle hinaus neue Möglichkeiten entfalten. Zudem können soziale Faktoren einfließen und Menschen beteiligt werden. Teil 3 der Serie „Task Force Quartiere“ beschreibt Wirkungen von Begrünung und Außenraumgestaltung (S. 20).

Setzt man bei der Dimensionierung der TGA die realen Bedingungen des dynamischen Klimasystems an, fällt die Haustechnik meist kleiner aus und arbeitet effizienter als bei konventioneller Auslegung. Teil 3 der Serie „Climate Design Days“ dreht sich um die Dimensionierung der Kühlung (S. 32).

Bauprojekte werden zunehmend komplexer. Wie sich die Digitalisierung und die Umsetzung von Nachhaltigkeitsprinzipien durch Methoden kooperativer Projektentwicklung wechselseitig unterstützen können, erkundet das Buch „Nachhaltige Transformation des Bauens“ (S. 46).

M.Sc., Dipl.-Ing. (FH) Silke Schilling

Dipl.-Ing. Silke Schilling
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