04/25 Editorial

Schätze vom Keller bis zum Dach

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So stellt sich eine KI die nachhaltige urbane Zukunft vor. Bild: stock.adobe.com/GoldPumaze
So stellt sich eine KI die nachhaltige urbane Zukunft vor. Bild: stock.adobe.com/GoldPumaze

Unter der Überschrift „2045 – Deutschland erreicht das Klimaziel“ entwarf Frank Ernst, Hauptgeschäftsführer des Bundesindustrieverbands Technische Gebäudeausrüstung BTGA e. V. auf dem TGA-Kongress Ende Mai in Berlin eine hoffnungsvolle Zukunft. (Ihm zufolge wird sie in eben jenem Zukunftsjahr von der dann amtierenden Bundeskanzlerin als Rückschau auf Erreichtes verkündet.) Klimaneutralität, ein Meilenstein für ein Land, das einst zu den größten Klimasündern zählte, werde sich in grünen, lebenswerten Städten zeigen und einhergehen mit einer florierenden Wirtschaft und gesellschaftlichem Wandel. Strom und Wärme für Gebäude, Verkehr und Industrie kommen aus erneuerbaren Quellen, der Fleischkonsum ist drastisch reduziert. Verbleibende Emissionen werden ausgeglichen durch natürliche und technische CO2-Senken.

Um all das zu erreichen, braucht es eine kluge Politik und zahlreiche technische Maßnahmen. Frank Ernst nennt viele und wir kennen sie alle, denn keine von ihnen muss erst erfunden werden. Im Jahr 2025 scheint die Politik indes auf einst Bewährtes aus dem vorigen Jahrhundert setzen zu wollen – und sogar Verbote aufzuheben, die deutlich älter als die letzte GEG-Novelle sind und niemals strittig waren.

Das heißt nicht, dass Wissenschaft, Technik und Wirtschaft folgen müssen. Natürlich hilft es, wenn die Politik ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen fördert. Tut sie es nicht, kann man es vielleicht mit dem Ex-Terminator und einstigem kalifornischem Gouverneur Arnold Schwarzenegger halten: Auf seinem Klimagipfel Anfang Juni in der Wiener Hofburg appellierte er an die Menschen, das Jammern zu lassen und aktiv zu werden.

Der TGA-Kongress jedenfalls, erneut sehr gut besucht von Fachwissenden aus Hochschule, Forschung und herstellender Industrie, spann die Vision der TGA 2045 in vielen der über 50 zum Teil hochwissenschaftlichen und zugleich durchgehend spannenden Vorträgen fort. Man diskutierte Probleme und Lösungen, machte Vorschläge und unterlegte sie mit fundierten Zahlen, Fakten und Beweisen, präsentierte funktionierende Praxis und schmiedete aussichtsreiche Kooperationen.

Gemäß EPBD-Richtlinie wird ab 2030 für alle Neubauten eine Lebenszyklusbewertung gefordert; der Energieausweis muss dann auch die Emissionen der verbauten Materialien und der Gebäudeherstellung erfassen. Technische Gebäudeausrüstung kann den Betrieb energieeffizienter machen, hat aber eine weit kürzere Lebensdauer als das Gebäude. Helfen können hier Entwicklungen wie das neue CO₂-Analysetool vom RLT-Herstellerverband, das Mitgliedsunternehmen die Bewertung der Umweltauswirkungen ihrer gebäudeeffizienzverbessernden raumlufttechnischen Geräte sowie die Berechnung und Optimierung des CO2-Fußabdrucks ermöglicht. Sicher gibt es solche Tools auch bald für andere TGA-Produktgruppen.

Zunächst einmal sollten aber Architektur und TGA so ausbalanciert sein, dass die gewünschten Effekte – etwa konstant weniger als 800ppm CO2 in der Innenraumluft – von vornherein mit möglichst wenig Material und Gerätetechnik erreicht werden. Auch bräuchte es vielleicht gar nicht so viele neue Materialien, Bauteile oder gar Gebäude, würde Vorhandenes konsequent umgebaut und umgenutzt, ausgebaut und aufgearbeitet, ergänzt und wiederverwendet. Gebäude sind Materiallager; sie beherbergen Werte, die die Basis ganz neuer Geschäftsmodelle sein könnten. Diese Werte könnten nicht zuletzt den Gebäudebesitzenden zugutekommen, die statt Abriss- und Abfallgebühren Einnahmen aus dem Verkauf wertvoller Rohstoffe generieren könnten, meint etwa Roman Fritsches-Baguhl, Geschäftsführer der Averdung Ingenieure & Berater GmbH. Das könnten z. B. Zinkbleche von Lüftungskanälen, Fensterelemente oder gar ganze Fassaden sein – oder die viel beschworenen seltenen Erden, denen dieses Adjektiv nicht umsonst vorangestellt ist. Um das zu vereinfachen, könnten Hersteller versuchen, statt 50 lieber nur fünf Materialien in ihren Bauprodukten einzusetzen und sie demontierbar miteinander zu verbinden.

Wollen Sie Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und auch eine Zukunft? Warten Sie nicht auf die Politik!

M.Sc., Dipl.-Ing. (FH) Silke Schilling

Dipl.-Ing. Silke Schilling
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