Zum großen Branchentreffen in Berlin erschienen mehr als 350 Gäste aus Politik, Industrie, Wissenschaft und Fachhandwerk in den Berliner Bolle-Festsälen, weitere 200 schalten sich online dazu. Große Themen des Forums und auch der Podiumsdiskussionen, zu denen sich u.a. Politiker aller Parteien am ersten Tag gegenüber saßen, sind die andauernde Diskussion rund um das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das Wärmeplanungsgesetz und die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

Aktuelle Situation im Wärmepumpenmarkt bleibt angespannt
Der Markthochlauf der Wärmepumpe ist ins Wanken geraten. Dabei hat die Industrie ihre Versprechen eingelöst: Es wurden Investitionen in Produktionskapazitäten gesteigert, Schulungsprogramme entworfen und Produktpaletten erweitert. Doch die Nachfrage geht aktuell zurück, denn die Verbraucher sind durch die Heizungsdebatte der letzten Monate und die ab dem kommenden Jahr geltenden Förderkonditionen verunsichert. Die Zahl der BEG-Förderanträge, die beim BAFA gestellt wurden, ist im Vergleich zu 2022 in den erst neun Monaten dieses Jahres um mehr als 70% gesunken.
Europaweit jedoch steigen die Installationszahlen. Wärmepumpen sind die erste Alternative zur Beheizung mit Erdgas und Heizöl. Allerdings befindet sich die deutsche Heizungsindustrie in einem harten Wettbewerb mit Konkurrenten aus Nordamerika und Asien. Auch deshalb benötigten die Hersteller in Deutschland eine klare Perspektive und einen verlässlichen und eindeutig auf Wachstum ausgerichteten Heimatmarkt. Die notwendigen Entscheidungen der Ampelfraktionen zu Energiepreisen, Förderung und Wärmeplanung stehen aber noch aus.
Die Welt hat sich darauf eingestellt, dass die Wärmepumpe Standard wird. Inzwischen stehe sie auch als Synonym für die Wärmewende, sagt Stiebel Eltron Geschäftsführer Kai Schiefelbein. Wenn Deutschland hier ausbremse, bedeute das den Tod der deutschen Heizungsindustrie, warnt er und fasst die Wünsche und Hinweise an die Politik wie folgt zusammen:
- Die kWh Strom darf nicht mehr als das 2,5-fache der kWh Gas kosten, sonst ist die Wärmewende nicht zu schaffen.
- Genehmigungen für Baumaßnahmen und Produktionsanlagen müssen vereinfacht werden, es dauert einfach zu lange, bis eine Produktionsstätte auch wirklich errichtet werden kann.
- Unternehmen sollten Investitionszuschüsse oder Steuergutschriften erhalten, sonst ist das Ausland im Vorteil und die Investitionen werden z.B. in Polen oder Frankreich getätigt.
Schiefelbein richtet aber auch ein Dankeschön aus: nämlich für "den tollen BEG Entwurf der BEG Förderung, der ab dem 01.01.2924 gilt!" Leute mit hohen Einkommen bräuchten keine Förderung; jetzt ginge sie an die Menschen mit geringeren Einkommen.

PwC-Studie zur Heizungsindustrie im globalen Wettbewerb
Vor allem die Senkung von Steuern und Abgaben auf den Strompreis sowie langfristige Sicherheit über Fördermaßnahmen können das Vertrauen in die Wärmewende und die Nachfrage nach Wärmepumpen stärken, so das Ergebnis der neuen Studie „Der Wärmepumpen Hochlauf nach der Heizungsdebatte“, die die PricewaterhouseCoopers GmbH (PwC) im Auftrag des BWP erarbeitete. Die Experten von PwC setzten sich zudem mit den industriepolitischen Rahmenbedingungen der Wärmepumpen-Offensive auseinander und wie diese verbesserte werden können, damit größtmögliche Anteile der Produktion auch aus Deutschland und Europa bedient werden.
Mit gerade einmal sechs installierten Wärmepumpen pro 1.000 Haushalte befinde sich Deutschland in Europa mit bei den Schlusslichtern. Neben den o.g. Maßnahmen brauche es eine Informationsoffensive für Stakeholder und Entscheider:innen und eine deutlich bessere Kommunikation zur Wärmepumpe als Schlüsseltechnologie.
Zudem müsse Deutschland Produktion und Investition fördern statt immer nur Forschung und Entwicklung.
Mitgliederversammlung: BWP wählt Claus Fest zu neuem Vorsitzenden
Die Mitgliederversammlung des BWP wählte am Rande der Tagung einen neuen Bundesvorstand, der sich künftig aus sechzehn Vertreterinnen und Vertretern von Herstellern, Handwerk, Energieversorgern und Erdwärmespezialisten zusammensetzt. Aus seiner Mitte wählte der Vorstand Claus Fest, Leiter Energiewirtschaft und Beschaffung der EnBW, zum neuen Vorstandsvorsitzenden, der damit die Nachfolge von Paul Waning antritt. In den geschäftsführenden Vorstand des BWP wurden neben Claus Fest auch Dr. Kai Schiefelbein, Geschäftsführer von Stiebel Eltron und Klaus Ackermann, Geschäftsführer von NIBE Systemtechnik gewählt.
Als zentrale Aufgabe sieht Claus Fest zuvorderst, der aktuellen Verunsicherung im Markt zu begegnen. „Unser Ziel ist es, Gebäudeeigentümer auf dem Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung mitzunehmen und wieder für die Wärmepumpe zu begeistern. Die Investitionen, die die Branche in diesem Jahr für die Erweiterung ihrer Produktionskapazitäten angestoßen haben, sind beeindruckend. Wir erwarten, dass das auch in der Politik anerkannt wird und die Ampelkoalition jetzt schnellstens für bessere Rahmenbedingungen sorgt.“ Dabei betont Claus Fest die Schlüsselrolle richtungsweisender Energiepreise. „Wir werden nicht nachlassen, uns gegen die hohe staatliche Abgabenlast beim Strompreis und für Entlastungen bei der Stromsteuer und bei der Mehrwertsteuer einzusetzen“, so der neue Vorsitzende.














