Strom, Wärme und Mobilität im eigenen Heim koppeln

In Sachen „Erneuerbare“ ist Stefan Korneck, Geschäftsführer der Firma SCM Energy, ein Mann der ersten Stunde. Seit 2006 plant und installiert sein Betrieb innovative Energiekonzepte mit Photovoltaik, Stromspeichern und Wärmepumpen. In seinem eigenen Neubau ging Korneck damit einen bedeutenden Schritt in Richtung Energieautarkie.

Mehr geht nicht: Ein Drohnenfoto zeigt die Verteilung der PV-Elemente auf dem gesamten Dach des Gebäudes. Quelle: E3 / DC, Osnabrück
Mehr geht nicht: Ein Drohnenfoto zeigt die Verteilung der PV-Elemente auf dem gesamten Dach des Gebäudes. Quelle: E3 / DC, Osnabrück

2006 gründete Korneck gemeinsam mit dem diplomierten Umweltwissenschaftler Holger Neumann die Firma „solar concept mitte GbR“, aus der später die SCM Energy hervorging. Der studierte Betriebswirt mit einer Vorgeschichte bei der Bundeswehr sowie im Finanzierungssektor ist ein klassischer Quereinsteiger in der Solarbranche. Als Mitarbeiter einer Immobilien-Investmentfirma erkannte er schon früh die Zeichen der Energiezukunft und wurde Mitgründer seines Planungs- und Ausführungsbetriebs für innovative Energiegewinnung, SmartHome Solutions und Heizsysteme 4.0.

Korneck ist nicht nur Kaufmann und als Geschäftsführer bei SCM Energy für Vertrieb und Marketing verantwortlich, sondern als Produktmanager auch ein Technikexperte. „In der Anfangszeit waren es vor allem experimentierfreudige Tüftler in der Kundschaft, die sich zu ihrer Photovoltaikanlage einen Stromspeicher, damals noch aus Bleiakkumulatoren, in den Keller bauen ließen,“ erinnert sich Korneck, „ungefähr ab 2011/2012 begann es, dass die Kombination aus Photovoltaik und Stromspeicher zunehmend als „Lifestyle-Produkt“ angesehen wurde. Die solare Stromerzeugung allein war bereits nichts Besonderes mehr, aber wenn jemand zusätzlich einen Stromspeicher installierte, dann war das schon etwas, womit man bei Arbeitskollegen und Freunden Aufsehen erregte. Das haben wir früh erkannt. Inzwischen bauen wir bei 90 bis 95 % aller PV-Projekte solche Speicher ein.“

Photovoltaik und Stromspeicher

Stefan Korneck findet es außerordentlich wichtig, mit den Produkten, die er vertreibt, selbst Erfahrungen zu sammeln. Das geht wohl nirgends besser als in der eigenen Wohnimmobilie. So ist sein 2017 fertiggestellter Neubau nicht nur als Smarthome sondern auch hinsichtlich der Kombination aus Photovoltaik und elektrischem Stromspeicher ein Vorzeigeobjekt geworden. Letzterer stammt vom in Osnabrück ansässigen Hersteller E3/DC.

„Die Hauskraftwerke von E3/DC sind nicht nur hochgradig ausgereifte Produkte, die außerordentlich kompakt bauen, sondern sie können vor allem auch mit ihrer intelligenten Software bei der Einbindung ins Stromnetz und in die Haustechnik punkten,“ erklärt Korneck, „die Möglichkeit, größere Mengen elektrischer Energie jederzeit abrufbar speichern zu können, ist eine entscheidende Voraussetzung auf dem Weg zu weitreichender Energieautarkie eines Hauses. Anders ist das nicht zu erreichen.“ Auch die Photovoltaikelemente, Paneele vom Typ Aleo s79/300 Solrif sind „Made in Germany“. Sie sind zur dezenten Indachmontage vorgesehen. Insgesamt stehen auf der großen Dachfläche mit Ost-Ausrichtung 8,10 kWp bereit, plus 3,30 kWp auf der südlichen Dachfläche und 6,60 kWp auf der Westseite. Die Modulfelder sind mit zwei Wechselrichtern verbunden. Ein Wechselrichter ist Bestandteil des Hauskraftwerks Typ S10 E Blackline – (zuständig für 44 Module), ein weiterer Wechselrichter stammt von SMA, Typ SB 4.0 (zuständig für 16 Module).

Energiebilanz

Die energetischen Bilanzen aus zweieinhalb Jahren ergeben ein stabiles Bild mit einem ganzjährigen Autarkiegrad zwischen 74 und 78 %. Die PV-Anlage produzierte dabei zwischen 40 und 45 % Eigenstrom und konnte zwischen 55 und 60 % ins Netz einspeisen.

Fördertechnisch als KfW 40-Plus Objekt realisiert, wurde durch die ganzheitliche Energiebilanz ein Plusenergiehaus mit transparenten Daten und Fakten geschaffen. Die Erdwärmepumpe erreicht mit 5,24 eine außergewöhnlich hohe Jahresarbeitszahl (JAZ). Aber auch die Autarkiewerte über 75% sind unter Berücksichtigung der Verbrauchsbereiche Hausstrom, Wärme, Lüftung, Kühlung, Warmwasser und Elektromobilität überdurchschnittlich. Dabei sollte man unbedingt berücksichtigen, dass das Haus vom Raumangebot und der Ausstattung her keineswegs asketisch ist, sondern allen erdenklichen Luxus und Komfort bietet. Die bilanzielle Betrachtung der Energiekosten ist mit durchschnittlich 600 Euro p.a. Überschuss ein Argument zur Nachahmung, das Stefan Korneck gerne gegenüber Interessenten nutzt.

Sektorkopplung für Zuhause

Besonders die Energie zehrende Mobilität ist erwähnenswerter Bestandteil, denn sowohl Kornecks Tesla Model S mit inzwischen rund einer Viertelmillion km Laufleistung als auch der PlugIn-Golf GTE von Kornecks Frau Melanie tanken zu einem großen Teil an der hauseigenen Wallbox. Für Korneck Korneck ist die Sektorenkopplung eines der Zukunftsthemen schlechthin. „Photovoltaik und E-Mobilität werden immer wichtiger,“ sagt er, „heute ordern die Kunden fast in jedem Neubau gleich eine Wallbox für schnelles Laden des E-Pkw mit.“

Heizen mit Wärmepumpe

Im Altbau sind Hybridsysteme mit einer Kombination aus Wärmepumpe und Gasbrennwertkessel attraktiv, unter anderem wegen der Fördersituation. Das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA) bezuschusst so etwas mit bis zu 45 %, die Beratung ist in dem Fall sogar kostenlos. Stefan Korneck setzte in seinem Haus eine Wärmepumpe und ein zentrales Lüftungssystem mit Wärme- und Feuchterückgewinnung von Stiebel Eltron ein. Die Wahl für diesen Hersteller begründet er damit, dass „dieses Unternehmen seine Produkte seit seinem Bestehen „von der Stromseite her denkt und hier entsprechende Kompetenzen besitzt, was bei konventionellen Heiztechnikherstellern in der Regel nicht so ist.“

Und noch zwei Dinge möchte Stefan Korneck loswerden: „Zum einen habe ich die Abhängigkeit von der Einspeisevergütung immer kritisch gesehen. Photovoltaikanlagen und ihre Peripherie müssen sich auch so wirtschaftlich tragen. Das geht – allerdings nur mit Vernetzungskompetenz wie sie die Steuerung des Stromspeichers von E3/DC bietet. Die wird immer ausgefeilter. Sie kann künftig auch die Wettervorhersage beim Energiemanagement berücksichtigen und zum Beispiel die gespeicherte Energie „großzügiger“ für Anwendungen im Haus freigeben, wenn ein langer Sonnentag in Aussicht steht.“ Das Zweite, was ihm noch wichtig ist formuliert er so: „Architekten und Planer sollten die Hauswirtschaftsräume wieder größer vorsehen, schließlich braucht die Peripherie einer modernen Photovoltaikanlage (Wechselrichter, Stromspeicher, Steuerung) Platz. Längst nicht mehr so viel wie zu den Zeiten mit den Bleiakkumulatoren, aber doch mehr als mit einer einfachen Brennwerttherme.“ Deren Tage sind nach Kornecks Überzeugung aber je eh gezählt....

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