BSW-Solar

Schlechte Noten für Netzbetreiber – Bundestag muss EnWG nachbessern!

Projektierer von Solarparks und Großspeichern vergeben schlechte Noten an Netzbetreiber. Sie sehen dringenden Handlungsbedarf, um den Zugang zum Stromnetz für Betreiber zu vereinfachen. 

 

Bild: stock. adobe.com/ Val Thoermer
Bild: stock. adobe.com/ Val Thoermer

Der Zugang zum Stromnetz muss für Betreiber von Solarparks und Großspeichern dringend vereinfacht, vereinheitlicht und stärker digitalisiert werden. Dies ist die Kernaussage einer Branchenumfrage des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) unter Projektierern. In der aktuellen Umfrage stellen die Solarunternehmen den Netzbetreibern teilweise verheerende Noten aus. Sie kritisieren die schlechte Kommunikation mit vielen der über 800 Netzbetreiber und eine schleppende Bearbeitung von Netzanschlussbegehren. Vor diesem Hintergrund appelliert der BSW-Solar an die Mitglieder des Deutschen Bundestages, die heute ins Parlament eingebrachte Energierechtsnovelle für überfällige Nachbesserungen zu nutzen. Andernfalls werde der Netzzugang zunehmend zum „Bremsklotz der Energiewende“.

Besonders frustrierend ist aus Sicht vieler Photovoltaik-Projektierer aktuell die schleppende Bearbeitung von Netzanschlussanfragen für Großbatteriespeicher, die dringend für eine bessere Integration von Erneuerbaren Energien ins Stromnetz benötigt werden. Bei der Mehrzahl geplanter Großbatteriespeicher (63 % der geplanten Projekte im Durchschnitt der Befragten), die in Kombination mit einer Photovoltaikanlage (Co-Located) errichtet werden sollen, erhalten die befragten Unternehmen auf die Netzanschlussanfrage entweder keine Antwort, eine Absage oder die Mitteilung, dass bis Ende 2028 kein Netzanschluss möglich sei. Bei Netzanschlussanfragen für Stand-alone-Großbatteriespeicher sind es im Durchschnitt der Befragten sogar acht von zehn (79 %) der geplanten Großbatteriespeicherprojekte.

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass fast 3 von 4 Befragten (72 %) der 75 an der Umfrage teilnehmenden Planer, Projektierer und Installateure die Kommunikation im Verlauf des Netzanschlussbegehrens mit den Schulnoten 5 oder 6 bewerten.

Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar, kommentiert: „Eine oft schlechte Kommunikation der Netzbetreiber wird immer mehr zum Bremsklotz für die Energiewende. Die Politik muss sie künftig stärker in die Pflicht nehmen, ihre Prozesse zu standardisieren, zu digitalisieren und Fristen verbindlich einzuhalten.“

Bei der Planung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen sehen die Umfrage-Teilnehmer als größte Hindernisse in der Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern eine fehlende Transparenz über Netzkapazitäten, gefolgt von der Nicht-Einhaltung zeitlicher Fristen für Auskünfte seitens der Netzbetreiber sowie unzureichenden Personalkapazitäten bei den Netzbetreibern. Das Ergebnis seien langwierige Verzögerungen: Im Schnitt dauere es knapp vier Monate von der Stellung des Netzanschlussbegehrens bis zur Zuweisung eines Netzanschlusspunkts – in Extremfällen könne dies auch mehrere Jahre dauern.

Der BSW-Solar appelliert vor diesem Hintergrund an die Mitglieder des Bundestages, im Rahmen der aktuellen Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes:

  • die Netztransparenz durch Einführung unverbindlicher Netzanschlussauskünfte zu erhöhen. Dies würde es Projektierern ermöglichen, sich vor dem Stellen eines Netzanschlussbegehrens zu informieren und somit gezieltere Anschlussbegehren stellen zu können;
  • verbindliche Reservierungsmöglichkeiten für Netzkapazitäten zu schaffen, welche in angemessener Form den Projektfortschritt berücksichtigen, um zum einen die Planungs- und Investitionssicherheit für Projektierer zu verbessern, zum anderen die Blockade durch ungenutzte Zusagen zu vermeiden;
  • die Digitalisierung von Netzanschlussbegehren vorzuschreiben;
  • die Fristen im Netzanschlussprozess universell zu gestalten und bei Nicht-Einhaltung zu sanktionieren sowie
  • ein Recht auf „Überbauung“ von Netzanschlusspunkten für den Anschlussbegehrenden gegenüber dem Netzbetreiber einzuführen, um limitierte Netze mit Hilfe von Speichern effizienter nutzen zu können. Hintergrund: 90 Prozent der befragten Unternehmen planen in Zukunft Anträge für PV-Freiflächenanlagen in Kombination mit Speichern zu stellen, bei denen die installierte Erzeugungsleistung größer ist als die vereinbarte Einspeiseleistung.
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