Weckruf

Notstromversorgung in Deutschland muss ausgebaut werden

Der längste Stromausfall Berlins in der Nachkriegszeit hat gezeigt, dass die Notstromversorgung kritischer Einrichtungen verbessert werden muss. Nur so können Gesellschaft, Wirtschaft und öffentliche Dienste auch in Krisenzeiten stabil und sicher bleiben.

Es bedarf robuster Notstromversorgung und umfassender Vorsorge, damit kritische Infrastruktur im Falle eines Blackouts weiterhin gesichert bleiben. Bild: ShDrohnenFly – stock.adobe.com
Es bedarf robuster Notstromversorgung und umfassender Vorsorge, damit kritische Infrastruktur im Falle eines Blackouts weiterhin gesichert bleiben. Bild: ShDrohnenFly – stock.adobe.com

Am 10. September 2025 ereignete sich der längste Stromausfall Berlins der Nachkriegszeit. Der großflächige Stromausfall im Südosten der Hauptstadt dauerte 60 Stunden an und wurde durch einen Brandanschlag auf Starkstromleitungen verursacht. Rund 45.000 Haushalte und zahlreiche Unternehmen waren betroffen, darunter auch Schul-, Pflege- und Forschungseinrichtungen. Dieses Ereignis zeigt in deutlicher Weise auf: Es bedarf robuster Notstromversorgung und umfassender Vorsorge, damit kritische Leistungen weiterhin gesichert bleiben.

"Das Thema Notstromversorgung hat in den vergangenen Monaten deutlich an Bedeutung gewonnen - das deutsche Stromnetz zeigt zunehmend Schwankungen und es kommt häufiger zu Ausfällen. Viele Verantwortliche wissen nicht, wie vielfältig die Möglichkeiten der Notstromversorgung tatsächlich sind", erklärt Pascal Gaffron, Referent für Notstromversorgung bei der Deutschen Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit (DGWZ) und Technischer Betriebsleiter bei der Firma Elektro- und Steuerungstechnik Gaffron.

Um auf künftige Stromausfälle vorbereitet zu sein, müssen technische und organisatorische Maßnahmen eng abgestimmt werden. Eine zentrale Rolle spielen leistungsfähige Notstromaggregate für kritische Einrichtungen wie Krankenhäuser, Pflegeheime, Rechenzentren und Wasserwerke. Ergänzend können mobile Stromcontainer und große Batteriespeicher eingesetzt werden, um Energie über Stunden oder sogar Tage zu sichern. Dezentrale Stromerzeugungssysteme, wie Photovoltaikanlagen mit Speichern, Blockheizkraftwerke oder Mikronetze ermöglichen zudem, einzelne Bereiche zeitweise autark zu versorgen. Ebenso wichtig ist der Ausbau redundanter Versorgungswege und mehrfacher Anbindungen, um kritische Netzknoten widerstandsfähiger zu machen.

Neben technischen Lösungen braucht es organisatorische Vorsorge. Verbindliche Notfall- und Backup-Pläne für Behörden und Unternehmen, regelmäßige Blackout-Übungen sowie die enge Kooperation mit Hilfsorganisationen wie THW, Feuerwehr und Bundeswehr erhöhen die Reaktionsfähigkeit. Dazu gehören auch die rechtzeitige Bevorratung von Treibstoffen für Generatoren, Kommunikationsmitteln und wichtigen Ressourcen sowie klar definierte Meldeketten.

Auch die Bevölkerung selbst kann beitragen: Hausnotstromlösungen wie kleine Generatoren oder Batteriespeicher für wichtige Geräte, Notfallausrüstung mit Taschenlampen, Batterien, Powerbanks und Kurbelradios sowie kommunale Notfalltreffpunkte, an denen Strom, Wärme und medizinische Versorgung bereitstehen, helfen, Versorgungslücken zu überbrücken.

Der Stromausfall im Berliner Südosten ist mehr als nur ein technisches Versagen - er ist ein Weckruf. Nur durch vorausschauende Planung, ausreichende Notstromversorgung und resilienten Netzausbau kann gewährleistet werden, dass Gesellschaft, Wirtschaft und öffentliche Dienste auch in Krisenzeiten stabil und sicher bleiben.

Printer Friendly, PDF & Email
04.09.2025
Umfrage
75 % der Deutschen befürworten staatliche Förderungen für die inländische Produktion von Batteriespeichern und den Einsatz im Gewerbe.
13.01.2026
Speichertechnik
Die Kapazität deutscher Stromspeicher hat sich in fünf Jahren mehr als verfünffacht. Laut BSW-Solar muss der Ausbau jedoch mehr als verdoppelt werden, um die Stromversorgung auf Erneuerbare Energien...
12.06.2025
TÜV Cybersecurity Studie 2025
15 % der Unternehmen verzeichneten in den letzten 12 Monaten einen Cyberangriff, auf den sie aktiv reagieren mussten. Dies zeigt eine repräsentative Ipsos-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands.
03.12.2025
Ospa
Um die Wasserqualität in Schwimmbädern zu garantieren hat Ospa Schwimmbadtechnik Unterdruck-Filteranlagen entwickelt, die sowohl im Neubau als auch in der Sanierung zum Einsatz kommen können.
05.09.2025
Bundesverband Solarwirtschaft
Der BSW-Solar fordert eine Überarbeitung des Versorgungssicherheitsberichtes der BNetzA, da die Potenziale von Batteriespeichern für die Versorgungssicherheit nicht genügend berücksichtigt wurden.
10.04.2025
Heiter bis stürmisch
Am Dienstag wurde der Entwurf des Koalitionsvertrags bekannt. Demnach ist die Heizungssanierung bedroht, aber es bleibt bei Effizienzanforderungen im Gebäudebestand und Förderungen.