Gebäudetyp E?

Gesundheit und Sicherheit erfordern Gebäudetechnik

In einer gemeinsamen Stellungnahme kritisieren die TGA-Repräsentanz Berlin und die sie tragenden Verbände die Eckpunkte von BMJV und BMWSB zum so genannten Gebäudetyp E. 

Lüftungskanäle. Bild: stock.adobe.com
Lüftungskanäle. Bild: stock.adobe.com

Anlässlich der gemeinsamen Eckpunkte des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz und des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen zum so genannten Gebäudetyp E haben die TGA-Repräsentanz Berlin und die sie tragenden Verbände jetzt ihre Positionen an beide Ministerien übermittelt. Darin bekräftigen sie die Notwendigkeit der Gebäudetechnik.

"Bundesbau- und Bundesjustizministerium haben sich auf Eckpunkte verständigt, um im Vertragsrecht einen so genannten Gebäudetyp E zu ermöglichen, wobei der Buchstabe E für 'einfach' steht. Dieser Gebäudetyp soll dazu beitragen, dass es schneller gelingt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die aktuelle Debatte zeigt jedoch, dass mit 'einfach' oft der Verzicht auf wichtige Gebäudetechnik gemeint ist", sagt Frank Ernst, Geschäftsführer der TGA-Repräsentanz Berlin.

"Das ist aus unserer Sicht der falsche Ansatz. Technische Systeme sind auch in Gebäuden des Typs E zwingend erforderlich, um eine dauerhafte, sichere und gesunde Nutzung zu ermöglichen. Ein Verzicht auf Technik birgt erhebliche Risiken für Gesundheit und Wohlbefinden der Bewohner und kann zudem zu Schäden an der Bausubstanz führen. Der Gebäudetyp E darf nicht zum Sanierungsfall von morgen werden.

Aus Sicht der TGA-Verbände wird zudem die mit dem Gebäudetyp E angestrebte Rechtssicherheit nicht zu erreichen sein - vielmehr droht das Gegenteil: Die geplante Einführung unbestimmter und potenziell streitanfälliger Begriffe wie 'einfacher Standard', 'zeitgemäße Gebrauchstauglichkeit', 'Gleichwertigkeit' oder 'robuste und einfache Haustechnik' schafft neues Konfliktpotenzial zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern. Die Auslegung dieser Begriffe wird zwangsläufig den Gerichten überlassen bleiben und damit zu Verzögerungen, Unsicherheiten und zusätzlichen Kosten führen.

Innovative planerische Konzepte, die das Bauen tatsächlich vereinfachen und beschleunigen, sind im Interesse aller am Bau von Wohn- und Nichtwohngebäuden Beteiligten. Serielle und modulare Bauweisen eignen sich deutlich besser als der Gebäudetyp E, um Kosten zu senken, Bauzeiten zu verkürzen und gleichzeitig Qualität, Sicherheit und Klimaschutz zu gewährleisten. Sie sind geeignetere und zukunftsweisendere Methoden, um diese Ziele - im Vergleich zu traditionellen Bauverfahren - mit weniger Fachpersonal zu erreichen."

Kritikpunkt ist etwa der vorgeschlagene Verzicht auf eine mechanische Be- und Entlüftung zugunsten der Fensterlüftung. Dies widerspreche nicht nur der EPBD, sondern gefährde die Innenraumluftqualität (Stichwort: Bewohnergesundheit) und auch die Bausubstanz (Feuchte, Schimmel). "In der Praxis ist es für Verbraucher schwierig, die langfristigen Folgen einer unzureichenden Belüftung zu erkennen. Eine Entscheidung, im Neubau auf mechanische Lüftungssysteme zu verzichten, würde eine potenzielle Gefahr für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bewohner bedeuten, was einen klaren Eingriff in die Verbraucherrechte und den Verbraucherschutz darstellt", heißt es in dem Papier.

Auch der Verzicht auf wichtige Regeln der Trinkwasserinstallation widerspreche dem Hygiene- und Gesundheitsschutz. 

Ausdrücklich begrüßt wird der Eckpunkt zu seriellen und modularen Bauweisen, denn diese seien "besser als der Gebäudetyp E geeignet, Kosten zu senken, Bauzeiten zu verkürzen und gleichzeitig Qualität, Sicherheit und Klimaschutz zu gewährleisten."

Insgesamt würden die vorgestellten Eckpunkte zum Gebäudetyp E jedoch langfristig zu höheren Kosten und Riskiken führen.

(Sc)

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