Energieeffizienz: Deutschland wird abgehängt
Nach endgültigen Zahlen der AG Energiebilanzen lag die Importabhängigkeit Deutschlands im Jahr 2024 bei 66,1 %. Für 2025 wird sie nach einer Frühschätzung auf 65,6 % beziffert. Der leichte Rückgang bedeutet jedoch keine strukturelle Verbesserung der Energieeffizienz und damit Wettbewerbsfähigkeit, sondern ist im Gegenteil vor allem konjunkturell bedingt.
Würde Deutschland die Effizienzziele des Energieeffizienzgesetzes erreichen, könnte sich der Tag der Energieabhängigkeit langfristig von Anfang Mai auf etwa Mitte August verschieben, was die globale Wettbewerbsfähigkeit deutlich stärken würde.
„Eine sinkende Importabhängigkeit wäre dann ein positives Signal, wenn sie durch steigende Energieeffizienz und geringeren Energiebedarf zustande käme“, sagt Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der DENEFF. „Der aktuelle Rückgang der Importquote ist dagegen vor allem Ausdruck einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung.“
Zum Vergleich: Deutschland liegt unter dem EU-Durchschnitt von 57 %. Tag der Energieabhängigkeit in Europa wäre am 5. Juni. Ein noch größerer struktureller Wettbewerbsnachteil besteht zu China mit einer Importabhängigkeit von 24 %, während die USA sogar einen Energieexportüberschuss von 9 % verzeichnen, wobei ein großer Teil der US-Energieexporte aus fossilen Energieträgern besteht.
Energieeffizienz stärkt wirtschaftliche Resilienz
Gerade vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen und volatiler Energiepreise bleibt eine hohe Importabhängigkeit ein erhebliches Risiko für Wirtschaft und Gesellschaft. Der Krieg gegen die Ukraine sowie Konflikte im Nahen Osten zeigen, wie stark sich internationale Krisen auf Energiepreise und Versorgungssicherheit auswirken können.
Die DENEFF empfiehlt daher, Energieeffizienz konsequent als wirtschafts- und sicherheitspolitische Strategie zu stärken. Eine höhere Effizienz senkt den Energiebedarf strukturell und reduziert damit dauerhaft die Importabhängigkeit.
Politische Signale laufen derzeit in die falsche Richtung
Aktuelle politische Diskussionen über eine Abschwächung zentraler Effizienzregelungen, etwa im Energieeffizienzgesetz (EnEfG) oder im Gebäudeenergiegesetz (GEG), senden aus Sicht der DENEFF jedoch das falsche Signal.
„Wer Effizienzstandards aufweicht, verlängert letztlich Deutschlands strukturelle Energieabhängigkeit“, so Noll. „Gerade in einer Phase geopolitischer Unsicherheit wäre es sinnvoll, die vorhandenen Effizienzpotenziale konsequent zu erschließen.“
Importabhängigkeit könnte künftig wieder steigen
Der leichte Rückgang der Importquote dürfte zudem kein dauerhafter Trend sein. Mit dem fortschreitenden Rückgang der heimischen Energiegewinnung wird Deutschland künftig tendenziell noch stärker auf Energieimporte angewiesen sein, sofern der Energieverbrauch nicht deutlich sinkt.
Während Deutschland bereits Anfang Mai rechnerisch auf Energieimporte angewiesen ist, erreicht die EU diesen Punkt erst Anfang Juni. China erst im Herbst – und die USA praktisch gar nicht. Deutschland ist rund fünf Monate früher energieabhängig als China.
Land: Importabhängigkeit | Tag der Energieabhängigkeit
Deutschland: ~66 % (2025) | 5. Mai
EU: ~57 % (2024) | 5. Juni
Rumänien: ~28 % (2023) | 19. September
Estland: ~4 % (2023) | 17. Dezember
USA: -9 % (2023) | kein Tag der Energieabhängigkeit
China: 24 % (2023) | 4. Oktober
Fußnote (Methodik):
Der „Tag der Energieabhängigkeit“ ergibt sich aus dem Anteil der heimischen Energieproduktion am gesamten Energieverbrauch: 365 × (1 – Importabhängigkeit). Bei einer Importabhängigkeit von 65,6 % (2025) ergibt sich ein heimischer Anteil von 34,4 %, was abgerundet 125 Tage bzw. Anfang Mai entspricht.
Würde der Energieverbrauch entsprechend den Zielen des Energieeffizienzgesetzes bis 2045 um etwa 45 % sinken, könnte sich die Importabhängigkeit rechnerisch auf etwa 38 % reduzieren. Der Tag der Energieabhängigkeit würde sich damit auf etwa Mitte August verschieben.














