03/2021: Editorial

Nachhaltig heizen mit Holz

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Mature engineer walking beside stack logs in forest. Lumber industry and deforestation concept Bild: stock.adobe.com
Mature engineer walking beside stack logs in forest. Lumber industry and deforestation concept Bild: stock.adobe.com

Liebe Leserinnen und Leser,

Mitte Januar berichtete der britische Guardian, dass in Estland zur Herstellung von Holzpellets Wälder abgeholzt werden, die zum größten koordinierten Netzwerk geschützter Gebiete der Welt Natura 2000 gehören – mit steigender Tendenz. Nach Berechnungen des Guardian verloren estnische Natura 2000 Gebiete zwischen 2001 und 2019 mehr als 15.000 ha Wald, davon 80 % in den letzten fünf Jahren. Die Pellets gehen hauptsächlich nach Großbritannien, Dänemark, die Niederlande und Italien und ersetzen dort z. T. auch Kohle in Kraftwerken.

Biomasse spielt eine Kernrolle in den Plänen der EU für die Klimaneutralität 2050. Sie liefert 60 % der erneuerbaren Energie in der EU und ihre Nutzung wird subventioniert. Der Anteil von Holz steigt. Der Holzeinschlag hat in fast allen Ländern Europas zugenommen. Werden jedoch gesunde Wälder von hoher Qualität abgeholzt, die bis zu 100 Jahre brauchen, um nachzuwachsen, dient Holzenergie nicht etwa der Senkung des CO2-Ausstoßes, sondern wird zur zusätzlichen Klimalast. Eine Expertengruppe der EU-Kommission empfiehlt daher engere Regeln für die Nutzung von Biomasse und insbesondere Holz. Ein EU-Gesetz lässt aber noch auf sich warten.

Die gute Nachricht: Der deutsche Wald wächst jährlich um etwa 1–3 %. Deutschland ist ein Pellet-Exportland, der Anteil an Importen aus umliegenden Ländern ist gering. Dem Deutschen Pelletinstitut (DEPI) zufolge werden deutsche Pellets zu etwa 90 % aus Sägespänen und Resthölzern, Nebenprodukten der Sägeindustrie, hergestellt. Der Rest kommt aus nicht-sägefähigem Rundholz, das u.a. bei der Durchforstung anfällt.

Holzenergie liefert 65 % der erneuerbaren Energien im größten deutschen Energieverbrauchssektor, dem Wärmemarkt, betont BDH-Hauptgeschäftsführer Andreas Lücke. Er initiierte vor einigen Jahren die Initiative Holzenergie, eine Partnerschaft von neun deutschen Verbänden und Institutionen im Sektor Holz und Heizwärme. Die Initiative setzt sich u. a. für die Förderung moderner und effizienter Holzzentralheizungen ein und formulierte Ende Februar diesbezügliche Empfehlungen an die deutsche Politik. Wo Politik und Technik im Bereich Biomasseheizungen stehen, zeigt unser Top-Thema in Ausschnitten ab S. 36.

Ihre

MSc, Dipl.-Ing. Silke Schilling

Dipl.-Ing. Silke Schilling
Chefredakteurin

· Artikel im Heft ·

Nachhaltig heizen mit Holz
Seite 3
07.06.2022
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