Holzpellets und Hackschnitzel

Festbrennstoffe wie Holzpellets und Hackschnitzel zu lagern bedarf einiger Sorgfalt, weil nur eine korrekte Einbringung und Lagerung einen reibungslosen Heizbetrieb garantieren kann. Unsachgemäß gelagerte Hackschnitzel verlieren zudem Energie und sie können auch die Gesundheit gefährden, wenn der Schimmel schneller als die Heizung ist.

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Zur Lagerung von Holzpellets gehört auch das korrekte Einblasen. Bild: DEPV
Zur Lagerung von Holzpellets gehört auch das korrekte Einblasen. Bild: DEPV

Das Thema Lagerung von biogenen Festbrennstoffen umfasst Aspekte einer ganzen Kette, die beachtet werden müssen, damit schließlich der Feuerung am Ende ein adäquater Brennstoff zur Verfügung steht. Sowohl für Holzpellets als auch für Hackschnitzel spielen die Pelletqualität, die Qualität des Einblasens und die Lagerung sowie ihre gegenseitigen Wechselwirkungen wichtige Rollen. Die Ausgangsqualität von Hackschnitzeln nimmt entscheidend Einfluss auf die Lagerung, die Lagerung wiederum auf die Qualität. Schlechte Holzpellet-Qualitäten können durch den besten Einblasvorgang in ein Pelletlager (Bunker, Silo oder Erdtank) nicht besser werden – aber gute schlechter, wenn beim Einblasen Fehler gemacht werden und die Bunker fehlerhaft gebaut sind.

Qualitätskriterien für Holzpellets

Für den Nachweis der Qualität der gelieferten Pellets ist das Vorhandensein des Zertifizierungszeichens ENplus oder DINplus unverzichtbar. ENplus deckt die gesamte Kette vom Produzenten bis zur Kundenlieferung der losen Pellets ab, während bei DINplus die Zertifizierung des Produzenten genügt. So knüpfen viele Kesselhersteller ihre Garantiezusage daran, dass nur zertifizierte Pellets verwendet werden. Gerade bei Internetbestellungen ist es ratsam, vorab zu prüfen, ob die angebotenen Pellets tatsächlich zertifiziert sind. Beide Zeichen stehen für einen guten Brennstoff, der die weltweit gültige Norm DIN EN ISO 17225-2 erfüllt. Wichtige physikalische Parameter sind dort die mechanische Festigkeit, Feinanteil, Aschegehalt und Schüttdichte. Pellets mit Überlängen (> 45 mm) sind nicht zulässig. Vorgaben zu den chemischen Eigenschaften kommen hinzu.

Die Norm teilt Pellets in die Qualitätsklassen A1, A2 und B ein. Die meisten Hersteller von Pelletöfen und -zentralheizungskesseln für Einfamilienhäuser haben ihre Produkte für die Qualitätsklasse A1 ausgelegt. Größere Pelletkessel, etwa für Mehrfamilienhäuser oder für gewerbliche Objekte, können auch mit der Qualitätsklasse A2 betrieben werden – die Anlagen sind meist unempfindlicher. Die Qualität B (Industriepellets) sollte Verbrauchern mit Großanlagen im industriellen Maßstab vorbehalten sein.

Ob man die Pellets nun über einen Online-Händler, beim Produzenten oder dem Händler aus der Region bezieht, ist eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Bestellungen im Netz bergen aufgrund der Anonymität grundsätzlich immer ein höheres Risiko, das gilt auch für den Kauf von Holzpellets. Hier ist die Online-Auflistung der bisher zertifizierten ENplus-Händler unter www.enplus-pellets.de hilfreich, denn sie lässt sich auch nach Postleitzahlen sortieren, so dass Händler in der Nähe über die PLZ ausfindig gemacht werden können.

Was beim Einblasen beachtet werden muss

Das Herzstück der Arbeit des Pelletfahrers ist die hohe Kunst des schonenden Einblasens. Er muss in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation entscheiden, wie das Verhältnis von Druck, Treibluft- und Pelletmenge eingestellt werden muss. Dazu zählt auch, die Strömungsgeschwindigkeit so zu regulieren, dass die Pellets im Lager weit genug fliegen.

Auch wenn die Frage „Mit welchem Druck blasen Sie denn ein?“ beim Kunden äußerst beliebt ist, so ist der Druck nur ein Indikator für gutes Einblasen. Zwar sollten Holzpellets in der Regel mit einem Druck von 0,3 bis 0,5 bar ins Lager eingeblasen werden. Es gibt aber auch Ausnahmen, bei denen mit höherem Druck und mehr Treibluft eingeblasen werden sollte: Größere Entfernungen vom Tankwagen zum Lager oder mehrere Bögen. Allein deswegen sollte die Entfernung vom Tankwagen bis zum Einblasstutzen 30 m nicht übersteigen.

Das Pelletlager

Wurde das Pelletlager fachgerecht errichtet, können die Pellets schonend eingeblasen werden. Der Einblasweg sollte auch im Gebäude möglichst kurz und gerade sein. Wenn Bögen notwendig sind, sollten sie mindestens einen Radius von 300 mm haben. Hindernisse in der Flugbahn der Pellets beim Einblasen ins Lager, wie z. B. Rohrleitungen, sind unbedingt zu vermeiden.

Außerdem ist eine Prallmatte anzubringen, denn sie dient zur schonenden Ableitung der Pellets. Sie muss aus geeignetem Material, wie z. B. abriebfestem Gummi (HDPE- oder EPDM-Folie), bestehen und mit entsprechendem Abstand zur Wand angebracht sein, sonst wirkt sie wie eine Mauer. Besteht ein Schrägboden im Lager und ist dieser nicht steil genug aufgestellt (empfohlener Winkel mind. 45°), rutschen die Pellets nicht richtig nach unten nach. Es ist außerdem bereits vorgekommen, dass die Austragungsschnecke nicht mit einer Abdeckung versehen war, so dass es keine Druckentlastung für sie gegenüber den über ihr befindlichen Pelletmassen gab. Dies behindert die Förderung. Zugleich reiben sich in einem solchen Fall die Holzpellets, die in unmittelbarer Nähe der Förderbewegung der schraubenförmigen Bewegung der Schnecke waren, an der Schnecke ab. Das wiederum erhöht den Feinanteil im Pelletlager.

Das grundsätzliche Problem ist, dass durch fehlerhafte Lagerkonstruktionen die Qualität der Holzpellets derart leiden kann, dass sie im Lager nicht mehr ENplus- oder DINplus-Qualität besitzen. Aber nicht nur das: Wird das Lager nicht mindestens alle zwei Jahre komplett entleert und gereinigt, kann sich im unteren Bereich des Lagers Feinanteil durch Entmischungsvorgänge aufkonzentrieren.

Den Vorgaben der Lagerbroschüre des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands (DEPV) sollte zwingend gefolgt werden. Sie ist das Standardwerk zum Thema Pelletlagerbau. Die Broschüre gibt es kostenlos auf der Seite des Deutschen Pelletinstituts (DEPI): www.depi.de/lagerbroschuere.

Sicherheit und Gefahrvermeidung

Im vergangenen Jahr erschien eine aktualisierte Auflage der DEPV-Lagerbroschüre, die viele Neuerungen der vergangenen Jahre, wie die Anforderungen der 2019 veröffentlichten DIN EN ISO 20023 zur Sicherheit im Lager, aufnimmt. Insbesondere die Themen Sicherheit, Qualität und Belüftung wurden an den Stand der Technik angepasst.

Tatsächlich kann von Holzpellets in ungünstigsten Lagerfällen auch eine Gefahr ausgehen. Der Grund ist eine mögliche Aufkonzentration von Kohlenmonoxid (CO) im Bunker. Es entsteht durch die Autooxidation von Fettsäuren im Holz mit Luftsauerstoff, z. B. von Linolsäure. Die CO-Neubildung nimmt im Zuge der fortschreitenden Oxidation der Fettsäuren mit der Zeit zwar ab, doch sollten die Vorsichtsregeln eingehalten werden. Die Branche hat auf diese Umstände reagiert, z. B. über Warnhinweise und auch technisch über eine dauerhafte Belüftung des Lagers: Heutzutage sollten standardmäßig Lüftungsdeckel auf den Anschluss-stutzen sitzen.

Es sind die Vorgaben der DIN EN ISO 20023 und die Sicherheitshinweise für Pelletlager des DEPVzu beachten. Es gibt sie auch in plakativer Form als gelben Aufkleber, der an der Zugangstür zum Lager zu befestigen ist. Vor dem Betreten des Lagers muss mindestens 15 min quergelüftet werden. Auch soll in den ersten vier Wochen nach Befüllung eines Bunkers das Lager nicht betreten werden.

Hackschnitzel richtig lagern

Bei der Lagerung von Hackschnitzeln ist zu beachten, dass Hackgut an Trockenmasse und somit an Energie verlieren kann. Dies wird durch biologische Abbauprozesse der vorhandenen Mikroorganismen verursacht, z. B. durch Bakterien und Pilze. Mit geeigneten Maßnahmen kann darauf reagiert und der Verlust geringgehalten werden. Auch beim Thema Hackschnitzel gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Qualität, Lagerung und am Ende nutzbarer Energie.

Qualität von Hackschnitzeln

Parameter für die Beurteilung von Hackschnitzel-Qualitäten sind u. a. der Wassergehalt, die Menge des Grünanteils, weiterhin die Form (scharfkantig oder zerfasert) und der Feinanteil. Ein hoher Feinanteil z. B. führt zu einer dichteren Schüttung. Eine solche erschwert die Durchlüftung. Scharfkantiges, grobes Hackgut weist eine bessere Durchlüftung auf.

Frisch geschlagenes Holz hat einen Wassergehalt von etwa 50 %. Wenn es bei diesem Gehalt gehackt und gelagert wird, kann es zu einer Erwärmung der Schüttungen kommen. Diese Erwärmung wird durch die oben genannten biologischen Abbauprozesse hervorgerufen. Der klassische Grundsatz lautet: Das Holz erst vortrocknen, bevor man es hackt. Bei Wassergehalten unter 30 % nehmen die mikrobiellen Prozesse bereits deutlich ab. Experten raten, Hackschnitzel luftig und zugleich witterungsgeschützt zu lagern, sowie nicht länger als sechs Monate.

Seit Oktober 2016 gibt es mit ENplus-Hackschnitzelerstmals ein Zertifizierungsprogrammauch für Hackschnitzel:für die Qualitätsklassen ENplus A1, ENplus A2 und ENplus B. Wesentliche Anforderungen an die Brennstoffeigenschaften sind in der internationalen Produktnorm ISO 17225-4 definiert, auf der ENplus-Hackschnitzel aufbaut.

Die Zahl der zertifizierten Unternehmen ist noch sehr überschaubar (zu finden unter

www.enplus-hackschnitzel.de), das Programm kann aber auch einer Orientierung dienen. Die meisten Verträge für Hackschnitzel werden örtlich kleinteilig abgeschlossen. Das liegt allein schon an der geringeren Energiedichte dieses Energieträgers gegenüber Holzpellets, bezogen auf das zu transportierende Volumen. Die kleinen Lieferanten wollen und können sich aber aus Kostengründen nicht zertifizieren. Viele von ihnen liefern trotzdem gute Qualitäten.

Schimmelvermeidung

Als Lagerstände haben sich z. B. zugige, ausreichend hohe Holzgitterkästen bewährt. Innenraum gelagerte Hackschnitzel bedürfen eines Zuluft- und Abluftsystems.

Für die Lagerung im Freien gibt es eine Vielzahl von Empfehlungen, dazu zählen die Art und Weise der Aufschüttung, die Höhe und die Belüftung. Zugleich gilt es auch, Wiederbefeuchtung zu verhindern. Für die günstigste und verbreitetste Lagerungsform, die Haufenlagerung im Freien, rät die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) neben der maximalen Schütthöhe eine Vliesabdeckung sowie einen definierten Neigungswinkel, die das Material vor Feuchte durch Niederschlag schützen. Die LWF empfiehlt für Schüttungen möglichst 45-Grad-Neigungswinkel anzulegen.

Technische Trocknung

Neben der natürlichen Trocknung, die Umgebungswärme und -luft in Form von Konvektion nutzt, gibt es technische Trocknungsverfahren. Darunter summieren sich Systeme, die mit Hilfe von externen Energiequellen das Hackgut in kürzester Zeit trocknen. Die Energiequelle kann Abwärme sein, die bei der Verstromung von Biogas in einem Generator anfällt oder auch Solarwärme oder Strom. Die angebotenen Systeme sind in ihrem Spektrum folglich sehr unterschiedlich, aber damit auch vielfältig. Zu kalkulieren sind bei allen Systemen immer die im Vergleich zur natürlichen Trocknung anfallenden Investitionskosten, die eine gewisse Menge Durchsatz von Hackgut, gemessen in Schüttraummetern (srm), notwendig macht. Die Wirtschaftlichkeit vorausgesetzt, versprechen die Systeme dann Vorteile. Nicht zuletzt spricht für die technische Trocknung die schnelle Verfügbarkeit von getrocknetem Brenngut.

Dittmar Koop

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Artikel Holzpellets und Hackschnitzel
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