In den 1990er Jahren waren Gebäude, die wenig oder keine Energie zum Heizen benötigten, noch revolutionär. Das PassivHausInstitut wurde 1996 durch Dr. Wolfgang Feist gegründet, der es auch bis heute leitet und kurz zuvor das erste deutsche Passivhaus errichtet hatte. Der britische Architekt Bill Dunster baute 2002 im Londoner Stadtteil Bedford eine Passivhaussiedlung im sozialen Wohnungsbau – inklusive stromlos funktionierender Wohnungslüftung, PV für E-Autos und anderen ausgefallenen Features. Ähnliche Vorhaben gab es sicher auch anderswo – und Fachliteratur zu technischen Details und wissenschaftlichen Hintergründen. Doch was nicht Vorschrift ist und/oder gefördert wird, baut man eher nicht. Ich selbst versuchte mich in den 1990ern an einem Haus mit 49 cm dicken Wänden aus Porenziegeln, 20 cm Zellulosedämmung im Dach und Fenstern mit Wärmeschutzverglasung. Darin würde den halben Winter die Erdwärmepumpe nicht anspringen, weil die tief stehende Sonne, die den zweigeschossigen und zweifachverglasten Wintergarten auf der Südseite durchdrang, für viele Stunden als Wärme in den Wänden und Ziegeldecken gespeichert würde. Heute ist es immer noch meistens recht warm darin – und im Sommer zu warm. Dass Kühlen auch bei vertikal einfallender Solarstrahlung wichtig sein könnte, war vor 30 Jahren eher ein Thema für Südeuropa und die vorhandene Technik erlaubte es nicht.
Südliches Klima herrscht jetzt auch in unseren Breitengraden. Mit über 40 °C fegte Ende Juni die heißeste Hitzewelle über Europa hinweg, die jemals Eingang in die Wetterannalen fand. Wir müssen das Kühlen von Gebäuden (und Städten) zügig ebenso zum Standard machen wie das Heizen. Da Deutschland aber noch nicht einmal die Heizungsfrage nachhaltig beantwortet hat, bin ich bei der Kühlung wenig optimistisch. Das muss aber nicht Ihr Maßstab sein. Die Extremtemperaturen haben vielleicht auch bei Ihnen einen Nerv getroffen und eventuell können Sie die eine oder den anderen Ihrer Auftraggebenden bewegen, Heizen und Kühlen neu und zusammen zu denken!
Kühlung beginnt am besten schon vor dem Haus und dazu können Bäume und insbesondere das strikte Umsetzen von Schwammstadt-Prinzipien beitragen. Schwammstädte können zudem auch besser mit den wachsenden Starkregenmengen umgehen. Wie entsprechende Maßnahmen im Spreepark Berlin aussehen, lesen Sie ab S. 24, und wie ein Baum im Gebäude mit Regenwasser versorgt wird, ab S. 29.
Um gute Seiten der Sonne, sprich Strom und Wärme aus Photovoltaik und photovoltaisch-thermischen Modulen, um Batteriespeicher und die gesamte Infrastruktur der Solarenergienutzung, ging es Ende Juni auf der Smarter E in München. Einen Überblick zur Messe gibt der Bericht auf S. 10. Unser Top-Thema zeigt einige Innovationen.
M.Sc., Dipl.-Ing. (FH) Silke Schilling
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