Schwammstadt-Projekt in Berlin

Die Wasserwende im Spreepark

In Deutschlands Hauptstadt wird das Wasser knapp. Um künftig nicht auf dem Trockenen zu sitzen, hat Berlin die Wasserwende ausgerufen und verlangt bei allen größeren Bauprojekten die Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips: Regenwasser gilt als wertvolle Ressource und soll dort, wo es fällt, zwischengespeichert und dezentral bewirtschaftet werden. Beherzigt wurde das Konzept auch bei der Entwicklung des neuen Spreeparks. Das Areal des einstigen Vergnügungsparks verfügt jetzt über ein ausgeklügeltes System der Regenwasserbewirtschaftung.

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Das Wasserbecken unter dem Riesenrad wird das Kernelement der Regenwasserbewirtschaftung. Bild: realities:united
Das Wasserbecken unter dem Riesenrad wird das Kernelement der Regenwasserbewirtschaftung. Bild: realities:united

Berlin muss sparsam mit dem Wasser sein. Mehr noch als andere Kommunen ist die Hauptstadt auf ihr Grundwasser angewiesen. Während die meisten Städte ihr Trinkwasser zum größten Teil aus dem Umland heranführen, versorgt sich die Spreemetropole überwiegend aus eigenem Wasservorkommen. Rund 60 % des Trinkwassers stammen aus Brunnen im Stadtgebiet. Jedoch gefährden der Klimawandel, eine wachsende Bevölkerung und die Folgen des Strukturwandels in der Lausitz zunehmend die Trinkwasserversorgung und machen die Bewässerung von Parks sowie Grünanlagen zur Herausforderung.

Neuausrichtung beim Umgang mit Regenwasser

Als Reaktion darauf verfolgt der Berliner Senat seit 2022 den „Masterplan Wasser“. /1/ Durch eine Reihe von Maßnahmen soll die Trinkwasserversorgung auch zukünftig sichergestellt werden. Eine wichtige Rolle kommt dabei dem Umgang mit Regenwasser zu. Berlin verabschiedet sich von der bloßen Ableitung des Niederschlagswassers und setzt stattdessen auf die Bewirtschaftung vor Ort – bei Neubauvorhaben ebenso wie im Bestand. Schließlich dient das dem Gewässerschutz und fördert die Grundwasserneubildung. Außerdem lassen sich Starkregenereignisse besser abpuffern. Die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung ist auch Bestandteil der Nachhaltigkeitskonzeption des neuen Spreeparks.

 

Projektdaten

Bauherr: Grün Berlin GmbH, Berlin

Planer: Inros Lackner SE, Rostock

Bauunternehmen: Strabag AG, Straßenbau Direktion Nord-Ost, Berlin

Fertigstellung: 2025

Eingebaute Anlagen:

1 Mall-Substratfilter ViaPlus

2 Mall-Sedimentationsanlagen ViaSed

4 Mall-Regenspeicher (Volumina: 129, 50, 6,3 und 3,7 m³)

6 Mall-Pumpstationen

1 Mall-Fettabscheider NeutraTip

 

Der neue Spreepark als Projekt nachhaltiger Stadtentwicklung

Der neue Spreepark liegt im Bezirk Treptow-Köpenick und befindet sich im Eigentum des Stadtstaats Berlin. Einst befand sich auf dem Areal der einzige Vergnügungspark der DDR, der nach der Wende zu einem Freizeitpark nach westlichem Vorbild umgestaltet worden war und seit seiner Schließung 2002 zum Lost Place mutierte. Jetzt ist es an der Zeit für die Wiederbelebung des Spreeparks – und dies im Zuge nachhaltiger Stadtentwicklung. Berlin soll mit dem neuen Spreepark einen öffentlichen Naherholungsort zurückgewinnen, der Kultur, Kunst und Natur mit der Historie des Parks zusammenführt, so sieht es das Konzept vor. Bestimmte Freizeitpark-Relikte und Attraktionen aus alten Zeiten wie das ikonische Riesenrad, das Wahrzeichen des Parks werden unter Nachhaltigkeitsaspekten revitalisiert. Die Eröffnung ist für den Sommer 2027 geplant. Als Projektentwickler, Bauherr und künftiger Betreiber fungiert das landeseigene Unternehmen Grün Berlin.

Das Wasserbecken unter dem Riesenrad während der Bauphase. Bild: Grün Berlin

Regenwasser muss im Spreepark bleiben

Planungsgrundlage für den neuen Spreepark ist eine umfangreiche, im Auftrag von Grün Berlin erstellte Nachhaltigkeitskonzeption. /2/ Wichtiger Bestandteil ist eine dezentrale Niederschlagsbewirtschaftung für das gesamte Gebiet. Neben dem Umgang mit großen Wassermengen werden darin auch Antworten auf extreme Trockenheit gegeben: Alles anfallende Regenwasser soll vor Ort gereinigt, gespeichert, genutzt, verdunstet oder versickert werden. Dies ahmt den natürlichen Kreislauf nach, entlastet die Kanalisation, minimiert Überflutungsrisiken und fördert die Grundwasserneubildung. Durch die Lage des Parks in der Berliner Trinkwasserschutzzone III B müssen besondere Maßgaben für die Versickerung beachtet werden.

Relevante Bemessungsgrundlagen der Regenwasserbewirtschaftung im Spreepark sind die Arbeitsblätter DWA-A 117 (Bemessung von Regenrückhalteräumen) und DWA-A 138-1 (Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser). Dazu kommt noch das Hinweisblatt BReWa-BE (Begrenzung von Regenwassereinleitungen bei Bauvorhaben in Berlin), das die maximale Abflussspende auf 10 l/(s ∙ ha) begrenzt. Da jedoch im Projektgebiet Spreepark mit reichlich Wald- und Grünflächen eine anderweitige Bewirtschaftung realisierbar ist (Versickerung, Verdunstung, Brauchwassernutzung), darf gar kein Wasser in die angrenzende Spree gelangen. Auch eine Einleitung von Regenwasser in die öffentliche Kanalisation ist im Sinne einer nachhaltigen Niederschlagswasserbewirtschaftung ausgeschlossen.

Wasserbecken im Zentrum des Regenwasserkreislaufs

Kernelement und wesentlicher Baustein des Niederschlagskonzeptes ist ein Wasserbecken zu Füßen des Riesenrads. Das kreisrunde, naturnah angelegte Bassin mit einer Fläche von circa 3.000 m² hat neben einer landschaftsgestalterischen auch eine technische Funktion: die Retention von Regen- und die Speicherung von Brauchwasser. Alles im Spreepark anfallende Niederschlagswasser, das nicht direkt auf den Vegetationsflächen versickern kann, ist zur Einleitung in das Becken bestimmt. „Der Füllstand soll in Zukunft per intelligenter digitaler Steuerung permanent überwacht und je nach Niederschlagsmenge und Bewässerungsbedarf automatisch reguliert werden“, berichtet Frank Dechant, Projektverantwortlicher bei Grün Berlin. Darüber hinaus kann Wasser zur Speisung von Grünflächen und Biotopen entnommen werden. Allerdings stellt die vorgesehene Nutzung bestimmte Anforderungen an die Wasserqualität und im Becken darf ein festgelegter Dauerwasserstand nicht unterschritten werden.

Dezentrale Bewirtschaftung des Regenwassers

Der neue Spreepark bedeckt eine Gesamtfläche von rund 24 ha. Davon entfallen 2,8 ha auf befestigte Wege und Plätze sowie Gebäudedachflächen, das entspricht etwa 12 % des Projektgebiets. Für die Regenwasserbewirtschaftung muss der gesamte auf diesen bewirtschafteten Flächen anfallende Niederschlag in Leitungen und Zisternen gesammelt, zwischengespeichert und vor seiner weiteren Verwendung gereinigt werden. Als Planungsgrundlage wurden Abflüsse von 967,8 m³ im nassen Jahr sowie Spitzenabflüsse eines 30-jährigen Regenereignisses in Höhe von 320,9 l/s ermittelt.

Aufgrund der Weitläufigkeit des Spreeparks und des wegen der angrenzenden Spree hohen Grundwasserstandes kam ein unterirdisches Leitungsnetz, mit dem das Regenwasser zu einer zentralen Behandlungsanlage und Zisterne geleitet wird, nicht in Frage. Dies hätte großflächige Bodenbewegungen verlangt, die im Hinblick auf erhaltenswerte Wege und Plätze sowie bestehende Biotope vermieden werden sollten. Stattdessen sieht das Konzept vor, die Niederschlagsabflüsse weitgehend lokal in mehreren kleineren Anlagen zu bewirtschaften.

Die Planenden konzipierten ein System mit Freigefällesammlern und unterirdischen Zisternen, die ihren Platz an ausgewählten Stellen des Parkgeländes fanden. Für die Beschickung des Wasserbeckens am Riesenrad sind zwei große Speicherbehälter mit Fassungsvermögen von 129 m³ und 50 m³ bestimmt. Ihre Volumina wurden darauf ausgelegt, die Spitzenabflüsse eines fünfjährlichen Regenereignisses vollständig aufnehmen zu können.

Die vorgefertigten Stahlbetonteile der großen Zisterne mit 129 m³ Volumen wurden einzeln verlegt und vor Ort zusammengefügt. Sie hat an der Vorderseite ihren Zulauf, am hinteren Ende ist das Pumpwerk zu sehen. Bild: Mall GmbH

Die Behälter bestehen aus zwei vorgefertigten halbrunden Stahlbetonteilen, die in den Baugruben durch Einsetzen von Zwischenstücken flexibel an den Bedarf angepasst und zusammengefügt wurden. So konnte der Einbau der Zisternen an nur jeweils einem Tag abgeschlossen werden. Wegen der hohen Steifigkeit der Systeme war für ihre Gründung lediglich eine verdichtete Kiesschicht erforderlich. Vorteilhaft ist auch die hohe Stabilität der Betonkonstruktionen, die gemäß SLW 60 befahrbar sind.

Deckel drauf – die große Zisterne wird mit Betonplatten verschlossen. Bild: Mall GmbH

Behandlung entsprechend der Schmutzbelastung

Die größte Zisterne (129 m³) sammelt zum einen Regenwasser von den überwiegend versiegelten Außenbereichen des Spreeparks. Weil das Wasser von den befahrenen Straßen und Parkplätzen sowie dem Wirtschaftshof mit Schwermetallen und Mikroverunreinigungen belastet ist, muss es vor der Einleitung in den Speicherbehälter gesäubert werden.

Querschnitt der großen Zisterne bestehend aus fünf Stahlbetonelementen. Das Bauwerk ist statisch stabil und kommt ohne innere Aussteifungen aus. Bild: Mall GmbH

Zum Einsatz kommt hier der Substratfilter ViaPlus. Die Anlage hält absetzbare Stoffe zurück, trennt abfiltrierbare Stoffe durch die Filterstufe und entfernt gelöste sowie emulgierte Verunreinigungen wie Schwermetalle und Mineralölkohlenwasserstoffe. Ihr Gesamtwirkungsgrad von über ηges. 80 % erfüllt die Anforderungen der DWA A 102-2 (Grundsätze zum Umgang mit Regenwasser). Die Reinigungsleistung ist anhand der Zulassungsgrundsätze des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) durch die Prüfstelle des TÜV Rheinland, LGA Würzburg geprüft, dabei wurden alle erforderlichen Wirkungsgrade deutlich übertroffen.

Querschnitt des Substratfilters ViaPlus. Die Anlage hält absetzbare Stoffe zurück, trennt abfiltrierbare Stoffe durch die Filterstufe und entfernt gelöste sowie emulgierte Verunreinigungen. Bild: Mall GmbH

Darüber hinaus nimmt die Zisterne auch Regenwasser von nicht befahrenen Wegen und Plätzen im Inneren des Parks sowie von Gebäudedächern auf. Dieses Wasser ist weniger stark verschmutzt und es genügt eine mechanische Behandlung. Das Verfahren der dafür vorgesehenen Sedimentationsanlage ViaSed ist einfach und wartungsarm: Zulaufendes Wasser wird durch ein Leitblech und ein Zentralrohr in eine Kreiselströmung gezwungen. Auf diese Weise entsteht in dem runden Stahlbetonbehälter ein rotierender Wasserkörper. Absetzbare Stoffe sinken an den Behälterboden, während leichte, schwimmfähige Stoffe sich nach oben bewegen, wo sie zurückgehalten werden. Das gereinigte Wasser fließt anschließend aus der Klarwasserzone am unteren Ende des Zentralrohrs ab.

Aus der Sedimentationsanlage ViaSed (vorne) gelangt das gereinigte Regenwasser in die Zisterne mit 50 m³ Volumen (hinten). Bild: Mall GmbH

Der zweite große Speicherbehälter mit 50 m³ Fassungsvermögen ist ausschließlich für die Rückhaltung von Niederschlagswasser mit geringer Verunreinigung aus dem Innenbereich des Spreeparks bestimmt. Auch in diesem Fall erfolgt die Reinigung durch eine Sedimentationsanlage ViaSed.

Ein Stahlbetonelement des kleineren Speicherbehälters (50 m³) wird in die Baugrube herabgelassen. Bild: Mall GmbH

Mit Druck ins Wasserbecken

Zur Entleerung der zwei großen Zisternen wurden nachfolgend Pumpstationen in das Erdreich eingelassen. Deren werkseitig vormontierte Pumpentechnik befindet sich in robusten Stahlbetonbehältern in fugenloser Fertigbauweise. Über Druckrohrleitungen kann das Wasser dann mit Förderströmen von 7 bzw. 3 m³/h zum Wasserbecken gelangen. Eine vollständige Entleerung beider Behälter lässt sich binnen maximal 24 h erreichen.

Weitere Speicherrigolen ergänzen das Konzept

Die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung im Spreepark beschränkt sich nicht auf die Speisung des Wasserbeckens. Bestandteile der Konzeption sind darüber hinaus zwei kleinere Zisternen mit vorgeschalteten Sedimentationsanlagen zur Wasserbehandlung. Diese Behälter in Rundbauweise bieten mit Volumina von 6,3 und 3,7 m³ deutlich weniger Speicherkapazität. Ihr Inhalt ist für die Grünflächenbewässerung bestimmt. Eine Füllstandsüberwachung kommuniziert künftig mit der Gebäudeautomation, so dass bereits vor dem Erreichen der maximalen Füllmenge bedarfsgerecht Teilmengen entnommen werden können.

Auch bei diesen kleineren Zisternen fiel eine bewusste Entscheidung für den Baustoff Stahlbeton. Die Begründung nennt Frank Dechant von Grün Berlin: „Im Spreepark ist der Grundwasserstand hoch und bei einer Einbindung von über zwei Metern wirkt ein enormer hydraulischer Druck von unten. Das Eigengewicht des Betons verhindert ein Aufschwimmen der Anlagen. Auch die Stabilität spielt eine Rolle, die Systeme sind gemäß SLW 60 von Lkw befahrbar.“

Ziel erreicht – Null-Abfluss und Trinkwassereinsparung

Der neue Spreepark Berlin kommt zukünftig ohne die Einleitung von Regenwasser in die Kanalisation oder anliegende Oberflächengewässer aus. Vielmehr wird das gesamte auf dem Gebiet anfallende Niederschlagswasser vor Ort versickert, gespeichert oder als Brauchwasser verwendet. Lediglich im Falle von Starkregenereignissen kann überschüssiges Wasser über einen Notüberlauf in die Spree abgeleitet werden. Die Nutzung des gesammelten Regenwassers ist eine effektive Form der Trinkwassersubstitution, das schont Ressourcen und senkt Betriebskosten. Durch die Bewässerung der Grünflächen mit Regenwasser sowie den Ausgleich der Verdunstung und Versickerung des Wasserbeckens am Riesenrad lassen sich nach Angaben der Planenden circa 15.000 m³ Trinkwasser im mittleren Jahr einsparen.

Das dezentrale Regenwassermanagement leistet damit einen entscheidenden Beitrag zu den hohen Nachhaltigkeitsstandards des neuen Spreeparks. Die Betreiber von Grün Berlin streben ein Platin-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) an. Als erster öffentlicher Park in Deutschland erhielt das Projekt bereits ein entsprechendes Vorzertifikat in Platin.

 

Schmutzwasser

Im Zuge der Transformation des Spreeparks wurde auch die Schmutzwasser-Infrastruktur grundlegend erneuert und mit moderner Pumpentechnik ausgestattet. Zum Fördern von Abwasser aus der dortigen Event-Location Englisches Dorf findet bald eine leistungsstarke Hauspumpstation mit einem Förderstrom von 2,5 l/s Verwendung. Dazu kommen drei weitere unterirdische Pumpwerke, die verunreinigtes Wasser von verschiedenen Anlagen des Parks in das Abwassernetz befördern. Die Tauchmotorpumpen und Installationen waren in stabilen Stahlbetonbehältern vormontiert, die einfach in die Baugruben eingesetzt werden konnten.

 

Schutz der Kanalisation vor fetthaltigem Abwasser

Zum Schutz der Kanalisation vor Ölen und Fetten aus den Sanitär- und Personalräumen des Wirtschaftshofs sowie zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften (DIN EN 1825) wurde ein Fettabscheider NeutraTip eingebaut. Das Bauwerk kombiniert in einem Fertigbau-Behälter aus Stahlbeton Fettabscheider und Schlammfang. Zur unterirdischen Anlage zählen weiterhin ein Probeentnahmeschacht für Kontrolle, Wartung und Reinigung im Betrieb sowie eine kompakte Pumpstation und eine Rückstauschleife.

Literaturhinweise

Holger Werner

Holger Werner
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· Artikel im Heft ·

Die Wasserwende im Spreepark
Seite 24 bis 28
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