Treffpunkt der internationalen Solarbranche
Einmal mehr hat die Messeallianz „The Smarter E“ im Juni in München ihre Bedeutung für die Umstellung der Energiewirtschaft gezeigt. Alle 19 Hallen der Messe München waren belegt, dazu kamen Aussteller im Freigelände. Rund 105.000 Fachbesuchende aus 163 Ländern drängten sich bei hohen Temperaturen auf den Messeständen und durch die Gänge. Aussteller aus China dominierten das Bild stärker als je zuvor.
Von den vier Fachmessen, die unter dem Dach der „The Smarter E“ stattfinden, waren die Photovoltaik-Fachmesse Intersolar und die EES (Electrical Energy Storage) mit Produkten und Lösungen zu Batterien und Speichersystemen traditionell am besten besucht. In den Hallen fielen vor allem die großen Module mit Leistungsklassen bis über 700 W für Solarparks sowie Großspeicher für Gewerbe und Industrie und Utility-Scale-Projekte ins Auge. Auf der Power2Drive, der Fachmesse für Elektromobilität, zogen entsprechend große Ladestationen die Blicke an. Die EM-Power mit ihrem Fokus auf Energiemanagement und vernetzte Energielösungen beherbergte erstmals die Sonderschau „Renewables 24/7“. Sie verdeutlichte das Ziel der Veranstalter: zu zeigen, dass eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung mit erneuerbaren Energien möglich ist. Aber auch, dass es nun um Systemintegration, Flexibilität und Vernetzung in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität geht.
Der Eindruck wird durch die Statistik bestätigt. 2.662 Aussteller aus 53 Ländern präsentierten ihre Produkte und Lösungen für eine „erneuerbare Energiewirtschaft 24/7“. Mit 912 Anbietern führte Deutschland die Aussteller nach Herkunftsländern an. Auf Platz 2 folgte China mit 771 Ausstellern, danach mit großem Abstand die Niederlande mit 93 Anbietern und weitere Länder.
China prescht voran
Wer den Solarmarkt dominiert, zeigte die Verteilung von begehrten Messeplätzen. Um ein paar Beispiele zu nennen: Direkt am Eingang zur EES-Halle B1 besetzt nun CATL den begehrten Messestand. Der chinesische Batteriehersteller präsentierte den Natrium-Speicher „Tener Sodium“, nach Firmenangaben die weltweit erste im realen Betrieb validierte Natrium-Ionen-Energiespeicherlösung für stationäre Speicher. Bis Ende 2026 soll 1 GWh Speicherkapazität ausgeliefert werden.
Vorher war dies mehrere Jahre der Stammplatz des deutschen Speicherherstellers Sonnen, der in diesem Jahr mit einem neuen Messekonzept, einer „Coffee Corner“, vor Ort war. Davor residierte hier viele Jahre der ehemalige Modulhersteller Solarwatt. Das Dresdner Unternehmen, das mittlerweile in hundertprozentigem Besitz von BMW-Erbe Stefan Quandt ist, hat sich als Vertriebsunternehmen neu aufgestellt. Die Unternehmen kooperieren im Bereich der E-Mobilität, u. a. mit einer neuen Wallbox zum bidirektionalen Laden.

SIGEnergy, chinesischer Senkrechtstarter unter den Speicherherstellern, belegte zum ersten Mal einen großen zentralen Messestand in Halle B1 – direkt neben Hager Energy mit seiner Speichermarke E3/DC, die sich im harten Wettbewerb mit einem neuen preisgünstigeren kompakten Hauskraftwerk behaupten will. Auch der Leipziger Speicherhersteller Senec, ein Tochterunternehmen des Energieversorgers EnBW, verteidigt seinen Platz.


Nach dem Austausch aller installierten Senec-Speicher mit NCM-Technologie (Nickel-Cobalt-Mangan) in den vergangenen zwei Jahren hat Senec in 2024 auf LFP-Technologie (Lithium Eisen Phosphat) umgestellt. Letzteres ist aktuell die gängige Batteriezelltechnologie. Senec stellte eine neue Speicherkombination in den Kapazitätsklassen 9 bis 18 kWh vor.
Kaum Aufholchancen für europäische Industrie
Hat die europäische Solarindustrie noch eine Chance in dem globalen Markt? Auf diese Frage antwortete Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarindustrie (BSW-Solar), in der Eröffnungspressekonferenz: „Der Vorsprung, den die asiatischen Hersteller sich in den vergangenen 15 Jahren erarbeitet haben, ist immens“, so Körnig. Dies gelte nicht nur für die Module. „Wir sehen bei den Wechselrichtern und Speichern jetzt das gleiche. Eine Industrie, die eine hohe Skalierung und die Unterstützung der Regierung hat, ist im Vorteil.“
Körnig verwies auf den „Industrial Accelerator Act“ (IAA) der EU. Die Europäische Kommission will damit die Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie stärken und Emissionen senken. Allerdings müssen die Ziele wie ein gewisser Anteil aus heimischer Fertigung in den Produkten („local content“) in nationale Gesetzgebung übertragen werden. Und so monierte Körnig: „Ich sehe auch bei der aktuellen Regierung keine Bemühungen und Bereitschaft, die Möglichkeiten umzusetzen.“ Notwendig seien Förderprogramme, mit denen Start-ups die sogenannte „Ramp-up-Phase“ überstehen könnten, bis sie Fabriken in asiatischem Maßstab aufgebaut hätten.
Prof. Dr. Andreas Bett, Leiter des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), sagt: „Ich sehe Chancen für High-End-Produkte. Für Standardprodukte ist es schwierig, da die Kosten so hoch sind, dass die hiesigen Hersteller kaum mithalten können.“ Als Beispiel verwies er auf gewölbte Spezialmodule für die Automobilindustrie und farbige Module für die Fassadenintegration, u. a. in Ziegeloptik, die das Fraunhofer ISE entwickelt hat und vor Ort erstmals zeigte.

PV-Zubau verlangsamt – Speicherzubau prescht vor
In Deutschland waren laut BSW-Solar Ende Juni dieses Jahres mehr als 6 Mio. PV-Anlagen mit über 125 GW Gesamtleistung in Betrieb. Die Marktsegmente mit dem stärksten Zubau sind Freifächenanlagen sowie Gewerbe und Industrie. Da Solarstrom nach politischem Willen stärker vor Ort verbraucht werden soll, boomen die Batteriespeicher. Diese sollen künftig auch stärker am Strommarkt partizipieren, was nur durch Digitalisierung möglich ist. Aktuell sind laut BSW-Solar mehr als 2,6 Mio. Speicher mit über 30 GWh Speicherkapazität hierzulande installiert. Großspeicher stehen im Fokus der Entwicklung. Das liegt auch an dem neuen Geschäftsfeld Co-Location. Damit ist gemeint, dass bestehende Wind- und Solarparks mit Speichersystemen nachgerüstet werden sollen. Damit dies im großen Stil in Deutschland stattfinden kann, sind Branchenvertretern zufolge aber noch regulatorische Hürden abzubauen. Aber auch kleine Speicher für Balkonsolaranlagen sind ein Trend. Solche bieten etwa Anker Solix und EcoFlow an.
TOPCon ist führende Modultechnologie
Als führende Modultechnologie hat sich TOPCon etabliert. Dies ist auch ein Ergebnis der 17. Ausgabe der International Technology Roadmap for Photovoltaics (ITRPV) der VDMA Fachabteilung Photovoltaik Produktionsmittel, die im Juni veröffentlicht wurde. Hier heißt es: „Die TOPCon-Technologie dominiert weiterhin und verdrängt p-Typ-PERC rasch aus dem Markt. Silizium-Heterojunction (SHJ) sowie Rückkontaktzellen, darunter TOPCon-basierte (TBC) und Heterojunction-basierte Rückkontakttechnologien (HBC), werden voraussichtlich an Marktanteil gewinnen. Tandem-Siliziumzellen werden laut Umfrageergebnissen nach 2027 in die Massenproduktion eintreten und innerhalb von zehn Jahren einen zweistelligen Marktanteil erreichen.“
Dies spiegelten die Produktneuheiten zahlreicher Modulhersteller wider. TOPCon Technologie mit N-Type-Zellen – häufig Halbzellen – in Doppelglas-Aufbau oder mit bifazialer Stromerzeugung ist eine gängige Bauweise; für den Heimsektor wegen der Ästhetik häufig mit schwarzen Zellen.

Eine Neuheit sind Module mit Backcontact-Technologie, zu Deutsch Rückkontaktzellen. Hier gibt es keine silbernen Leitbahnen auf der Vorderseite. Dadurch wird eine homogene Optik erreicht und der Solarertrag erhöht. Pioniere dieser Technik sind die asiatischen Hersteller Aiko und Longi. Nun bieten auch weitere wie Risen und die Freiburger Solar-Fabrik diesen Modultyp an. Risen stellte auch einen Prototyp mit Heterojunction-Technologie (HJT) vor, eine hocheffiziente Technologie mit der Verbindung von kristalliner und Dünnschicht-Technologie. Sie ist nicht neu, konnte sich aber wegen der höheren Kosten bisher noch nicht im Markt durchsetzen.

Eine ganz neue Technologie präsentierte der britische Hersteller Oxford PV und das Fraunhofer ISE mit einer Verbindung zweier Hocheffizienz-Technologien in dem PV-Modul namens CentaurX. Dafür nutzten sie Perowskit-Silizium-Solarzellen von Oxford PV und verschalteten sie mit der durch das Fraunhofer ISE entwickelten Matrix-Schindel-Technologie. Die Solarzellen von Oxford PV wurden in Schindeln geschnitten, in einer Matrix-Struktur angeordnet, mit leitfähigem Klebstoff elektrisch verbunden und dann eingekapselt. Ein Prototyp des Tandemmoduls war erstmals auf der Intersolar zu sehen. Oxford PV betonte allerdings, dass es ein Zukunftsprojekt sei.
Wie sich der Solarmarkt bis zur The Smarter E vom 8. bis 10. Juni 2027 entwickelt, wird stark von den politischen Entscheidungen zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und Netzpaket abhängen. Aber auch von weltpolitischen Ereignissen, denn so wie der Krieg in der Ukraine sorgt aktuell der Iran-Krieg für eine steigende Nachfrage im Heimsegment. 2025 überholte die Photovoltaik erstmals die Stromerzeugung mit Erdgas und Braunkohle und steht nun hinter der Windenergie an zweiter Stelle in Deutschland.
Ina Röpcke
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