Schmerzfrei bauen

Besser, schneller und im Kostenrahmen

Save the Date – Wie werden Bauprojekte pünktlich fertig? lautete der Titel des 5. Kapellmann | Schiffers Baukongress am 18. Januar in Düsseldorf. Ein breites Spektrum an Fachvorträgen beleuchtete u. a. Aspekte aus Projektmanagement und Rechtsprechung, das Thema BIM und die Chancen für KI im Bau. Starke Anziehungskraft ging vom Thema Integrierte Projektabwicklung aus. Die Anwendung von Ansätzen dieses Modells kann auch beim konventionellen Projektmanagement für glattere Abläufe und Stressverminderung sorgen.

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Kernthema beim 5. Kapellmann | Schiffers Baukongress: Wie kann Bauen mehr Spaß machen? Bild: Selina Brenner Fotografie
Kernthema beim 5. Kapellmann | Schiffers Baukongress: Wie kann Bauen mehr Spaß machen? Bild: Selina Brenner Fotografie

Der Kapellmann | Schiffers Baukongress ist eine Kooperation der Schwestergesellschaften Kapellmann und Partner Rechtsanwälte mbB und Prof. Schiffers Bauconsult GmbH & Co. KG. Die beiden Gesellschaften bieten seit 1990 baurechtliche und baubetriebliche Leistungen für Bauprojekte sozusagen „aus einer Hand“. Der Kongress fand 2019 zum ersten Mal statt und greift seither dringende Fragen auf, die sich Planenden und Bauenden im Alltag stellen. Dazu haben bis heute z. B. Bauvertragsrecht, Störungsbewältigung und Kostensicherheit bei Bauprojekten, Klimawandel, nachhaltiges Bauen und Digitalisierung gehört.

In diesem Jahr machten sich 200 Architekt:innen und Planende, Sachverständige, Jurist:innen und Vertreter:innen von Bau- und Verkehrsunternehmen sowie Kommunen auf den Weg zum Kongress im Kuppelsaal der Rheinterrasse. Angesichts des plötzlichen und von starken Schneefällen begleiteten Wintereinbruchs im Januar, der Bahngleise ebenso wie Autobahnen lahmlegte, war das für manche eine Herausforderung. Einen Ausgleich für erlittenes Unbill bot sicherlich der sagenhafte Ausblick auf das in der Sonne glitzernde verschneite Ufer und die dahinströmenden Wassermassen des Rheins, der sich dem Auge während der Networking-freundlichen ausgedehnten Pausen zwischen den Vorträgen bot.

Die Witterung bescherte einigen Anreisenden logistische Probleme, sorgte aber für inspirierende Ausblicke auf die Kongressumgebung. Bild: HUSS-MEDIEN GmbH

Der Witterung zum Opfer fiel allerdings die Keynote der Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen. Ganz im Sinne eines agilen Projektmanagements, dem sein Haus etwa bei der Vertragsgestaltung Rückendeckung gibt, füllte Prof. Dr. Heiko Fuchs (Kapellmann Rechtsanwälte) die Lücke flugs mit einem Überblick zur Integrierten Projektabwicklung. Auf Fuchs geht der Hashtag #bauvergnuegen zurück, der seit seiner Schöpfung den regen Austausch der interessierten Community in den sozialen Medien begleitet.

Mit den Partnern bauen, nicht gegen sie

Komplikationslos lässt es sich wohl nicht bauen, aber es gibt eine ganze Reihe Möglichkeiten, Streitpunkte erwachsen abzuhandeln, und aus dem Ruder laufende Kosten und Terminverzögerungen sowie auch den oft damit einhergehenden Stress zu vermeiden. Nebenher lässt sich dabei durchaus Vergnügen an der Arbeit und Freude an den daraus entstehenden Ergebnissen empfinden. Dazu muss nicht jedes Projekt im Modell der Integrierten Projektabwicklung durchgeführt werden. Das geht auch gar nicht, denn IPA ist nur bei größeren Projekten mit hoher Komplexität und Änderungsanfälligkeit sinnvoll.

Dr. Fuchs jedenfalls versprach eingangs, IPA auch kritisch zu beleuchten, lieferte dann aber zunächst eine lange Liste Argumente, die für das Modell sprechen. Dazu gehören Fuchs zufolge viele Schmerzpunkte, die Beteiligte an konventionellen Bauprojekten regelmäßig zur Verzweiflung treiben: Behinderungsanzeigen, Vertragsstrafen, Mängelrügen, Weiterbelastungslisten, ausufernde E-Mail-CC-Verteiler und das Besprechungs(un)wesen, um nur einige zu nennen. Eröffnungstermine werden oft vor dem Hintergrund politischer Entscheidungen festgelegt. Terminpläne sind zu detailliert (und damit realitätsfern) und werden bei Störungen nicht oder zu spät fortgeschrieben. Der Lebenszyklus des Bauwerks wird vielfach nicht berücksichtigt. Änderungen durch die Architekten kommen nicht in der TGA-Planung an und umgekehrt. Generell fehlt der Fokus auf die Projektziele.

„Das Risikomanagement ist meist völlig unzureichend“, sagt Fuchs auch. So würden einfach pauschal 10 % für Unvorhergesehenes einkalkuliert. Solche und viele weitere Probleme könnten mit IPA vermieden werden. „Frühzeitig identifizierte und aufgeklärte Risiken sind keine Risiken mehr“, stellt Fuchs fest. Dieses Identifizieren ist integraler Bestandteil des IPA-Modells.

Fatal sei auch, dass beim Bau nach VOB und HOAI viel Druck durch die Vertragspartner aufgebaut wird. Doch Druck erzeuge nur Gegendruck. Was eigentlich gebraucht würde, sei aber Sog. Sog, Auftrieb und Begeisterung – das sind die Antriebskräfte bei der Integrierten Projektabwicklung. In solchen Projekten werde zwar auch gestritten, aber immer um die Sache und mit dem Ziel, das Projekt bestmöglich und im Sinne aller Beteiligten durchzubringen.

Agil zum #bauvergnuegen: Dr. Heiko Fuchs erläutert, welche Probleme konventioneller Baumanagementmodelle die Integrierte Projektabwicklung mit kollaborativen Methoden vermeidet. Bild: Selina Brenner Fotografie

Die versprochene kritische Beleuchtung folgte schließlich auch: So braucht man ein Projekt passender Größe und Komplexität und das Projektdesign folgt auch keinem Standard. Jedes Mal ist alles neu. Der Aufwand vor dem Start eines IPA-Projekts ist vergleichsweise hoch und bindet Kapazitäten. Der IPA-Coach und die Co-Location sind nicht kostenlos zu haben. Insbesondere die Identifizierung und der Nachweis monatlicher Ist-Kosten, Voraussetzung für die Selbstkosterstattung, fällt gerade den Planern schwer.

Nun müssen solche Schwierigkeiten kein Hindernis für IPA sein. Übung macht den Meister und Coaching spart auch Geld. Dr. Fuchs jedenfalls erzählt, dass nach dem erwähnten Mehraufwand in der Startphase geradezu „erschreckende“ Geschwindigkeiten in der Planung und Realisierung der jeweiligen Bauprojekte zu beobachten sind, von denen er eine ganze Reihe zu nennen weiß.

Auch beim Terminmanagement kooperieren

Zudem lassen sich Grundsätze des partnerschaftlichen Zusammenarbeitens durchaus auch bei kleineren Bauvorhaben anwenden, wie ein späterer Vortrag zur Leidensfrage Terminmanagement thematisierte. So sollten beispielsweise Planung und Bauausführung, bislang in Deutschland meist strikt getrennt, schon früh zusammenkommen und zudem kollaborative Methoden wie etwa das Last Planner System schon in der Planung einsetzen, sagt Dipl.-Ing. Architekt Remus Grolle-Hüging, geschäftsführender Gesellschafter der Niederberghaus & Partner GmbH. Chancen und Risiken eines Projektes müssten vergemeinschaftet, d. h. von allen Beteiligten getragen werden bzw. ihnen zu Gute kommen. Arbeiten alle zusammen, lassen sich auch die Termine halten und manchmal gar unterschreiten.

Partnerschaftlich bauen mit Lean Construction

Die Deutsche Bahn ist dieser Tage medial und im Bewusstsein ihrer Nutzenden eher negativ präsent. Sei es durch die häufigen Verzögerungen und Ausfälle, die durch Reparaturrückstau an Zügen, diverse Bau- und Sanierungsvorhaben und auch Personalmangel entstehen. Sei es, weil zum n-ten Mal gestreikt wird. Letzteres kann die Technik nicht unmittelbar lösen, aber die zahl- und umfangreichen Bauvorhaben sind ein Fall für den partnerschaftlichen Ansatz. Bei der Bahn bzw. der DB-Tochter InfraGO läuft der unter dem Titel Partnerschaftsmodell Schiene. Beachtliche Ergebnisse lassen sich bereits vorweisen und die Hoffnung erscheint berechtigt, dass die Bahn-Verkehrswende tatsächlich mit geringstmöglichen Sperrzeiten und Nutzungsausfällen und im Kostenrahmen umgesetzt wird. „Hätten wir Stuttgart 21 mit diesem System gebaut, wären wir an einem ganz anderen Punkt“, sagt Thilo Liebig, Leiter Lean Management und Prozesse Infrastrukturplanung und -projekte bei DB InfraGO, der im Einzelnen erläutert, wie die Bahn das Modell umsetzt. Kernelement bei der Umsetzung ist die Zertifizierung für Lean Construction nach VDI 2553, für die die Bahn ihre interessierten Mitarbeitenden in einem achteinhalbtägigen Workshop fit macht.

Baurecht, BIM und KI

Zwei der Vorträge waren dem Baurecht gewidmet. Des Themas Verzögerungen vor Fälligkeit und wie man mit ihnen umgeht, nahm sich Prof. Dr. Andreas Jurgeleit, Richter am Bundesgerichtshof, an. Wie man aus rechtlicher Sicht Behinderungen behandelt, erläuterten Dr. Simona Liauw, Rechtsanwältin bei Kapellmann und Alexander Knopp, Geschäftsführer von Schiffers Bauconsult.

Der rechtliche Umgang mit Behinderungen – ein Versuch, das Unbeherrschbare zu beherrschen? Eine Antwort auf diese Frage gaben Alexander Knopp, Geschäftsführer von Schiffers Bauconsult und Dr. Simona Liauw, Rechtsanwältin bei Kapellmann. Bild: Selina Brenner Fotografie

Das Thema BIM durfte nicht fehlen. Über Potenziale und Anforderungen des datengetriebenen Controllings von Bauprojekten sprach Dr.-Ing. Lisa Lenz, Gründerin und Geschäftsführerin von zwei BIM-Startups. Michael Aechtler, Leiter Innovation Services bei Drees & Sommer, hatte interessante Antworten auf die Frage, wie künstliche Intelligenz die Baubranche retten wird.

Serielle Sanierung

Um schnelles Bauen im Bestand mit serieller Sanierung etwa in den Wohnungsbeständen der LEG ging es schließlich in der Präsentation von Andreas Miltz, Renowate GmbH/LEG Wohnen NRW GmbH und Hubert Rhomberg, Geschäftsführer Rhomberg Holding GmbH. Neben der Sanierung der Außenhülle durch Montage vorgefertigter gedämmter Elemente für Dach und Fassade, in denen Wärmeschutzfenster und Lüftungsanlagen bereits integriert sind, steht auch der Austausch vorhandener fossiler Heizungen beispielsweise gegen Wärmepumpen auf dem Programm des Gemeinschaftsunternehmens. Der gesamte Prozess ist standardisiert, gearbeitet wird mit 3D-Scans der Bestandobjekte und digitalen Zwillingen.

M.Sc., Dipl.-Ing. (FH) Silke Schilling

Dipl.-Ing. Silke Schilling
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Besser, schneller und im Kostenrahmen
Seite 18 bis 20
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