Wasserstoff ist für Gebäudewärme wenig sinnvoll
In der aktuellen Studie wurde der Einsatz von Wasserstoff im zukünftigen Energiesystem mit dem besonderen Fokus auf die Gebäudewärmeversorgung untersucht. Im Hinblick auf die aktuelle Diskussion zur Wasserstoffnutzung, insbesondere die Verabschiedung der Wasserstoffstrategie der Bundesregierung, stellt sich die Frage, inwiefern eine neue Bewertung der Einsatzfelder erfolgen muss, wenn gegenüber dem Power-to-Gas-Ansatz, der Umwandlung von Strom zu Wasserstoff zu Methan, mit einem Gesamtwirkungsgrad von etwa 60 % Wasserstoff mit einem Gesamtwirkungsgrad von rund 75 % direkt genutzt wird.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine dezentrale Wärmeversorgung aus Wasserstoff nicht sinnvoll ist und Wasserstoff in diesem Bereich zu spät kommt. Der Import von Wasserstoff ist teuer; je größer die zu importierende Menge desto höher sind auch die Kosten. Eine mittelfristige H2-Beimischung von 20 % Vol. im Gasversorgngsnetz führt nur zu geringen CO2-Reduktionen. Der hohe H2-Bedarf (direkt/indirekt) von 600 - 1.000 TWh in 2050 würde durch den Gebäudebereich um weitere 25 - 40 % erhöht werden. Wasserstoff ist im Versorgungsranking hinsichtlich Effizienz und erforderlicher Infrastruktur für die Gebäudewärme am schlechtesten zu bewerten. Dabei fallen letztere insbesondere für die vorzeitige Anschaffung eines teuren Gaskessels an. Zudem besteht die Gefahr, dass ausschließlich blauer Wasserstoff genutzt wird.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine Wärmeversorgung mit Wärmepumpen Insgesamt effizienter und effektiver ist als der Einsatz von Wasserstoff. Grüner Wasserstoff erfordere einen viel höheren Ausbau der Wind- und Sonnenenergieerzeugung, die gegenwärtig überhaupt nicht gegeben ist, sagt Prof. Dr. Clemens Hoffmann, Leiter des Fraunhofer IEE anläslich der Vorstellung der Studie am 16. Juni. Der Strom für die Energiebereitstellung im Wärmesektor, z.B. für Wärmepumpen, sei hingegen kein Problem.
Der Einsatz von Wärmepumpen im Neubau ist heute überhaupt kein Problem. Im Bestand hingegen müsste zunächst die Sanierungsrate drastisch erhöht werden und das nicht nur bei Pilotprojekten, wie sie etwa die dena mit der seriellen Sanierung in ihrer Energiesprong-Initiative durchführt. Außerdem müssen zum erreichen der Klimaziele im Gebäudesektor die Wärmenetze ausgebaut werden und sollen künftig mit Erneuerbaren wie Solarthermie laufen. Hier gibt es eine Reihe beispielhafter Initiativen regionaler Wärmeversorger. Zum vollständigen Ersatz von Kohle und Gas kann in diesem Bereich aber auch der Einsatz von Wasserstoff notwendig werden, sagt Dr. Matthias Deutsch, Projektleiter Sektorkopplung, Strom-Wärme und Speicher, Agora Energiewende.














