Zum Jubiläumsforum der Wärmepumpenbranche kamen an zwei Tagen über 200 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vor Ort in Berlin zusammen. Weitere rund 150 Teilnehmende schalteten sich online hinzu.
„Das diesjährige Forum soll dazu dienen, Industrie und Fachhandwerk auf den Ausbau der Produktions- und Installationskapazitäten im kommenden Jahr einzustimmen" sagte Paul Waning, Vorstandsvorsitzender des Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e. V.. Er betonte, dass der politisch gewünschte und dringend notwendige Wärmepumpen-Markthochlauf im Zeichen zweier großer Herausforderungen stehe. "Jetzt kommt es darauf an, unsere Kräfte zu bündeln und alles an Ressourcen in den Hochlauf zu stecken. Dafür braucht es den Schulterschluss mit der Politik und entsprechende Planungssicherheit.“
Rückenwind aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
Ziel der Bundesregierung sei es, die Wärmepumpe bis zum Jahr 2024 zur Standardheizung nicht nur im Neubau, sondern auch im Gebäudebestand zu machen, sagte Staatssekretär Dr. Patrick Graichen vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz in seiner Keynote. Denn Wärmepumpen käme eine wesentliche Rolle dabei zu, die Energie-, Preis- und Klimakrise gleichzeitig zu bewältigen. Zentraler politischer Hebel bleibe neben der flankierenden Förderung eine ordnungsrechtliche Festlegung, dass ab 2024 in jeder neu eingebauten Heizung mindestens 65% erneuerbarer Energien genutzt werden müssen. Ein entsprechender Entwurf soll laut seinem Zeitplan noch in diesem Jahr durch das Kabinett verabschiedet werden.
Damit wäre der Industrie und dem Fachhandwerk der Planungsrahmen gegeben, den sie seit Monaten einfordern. Mit Blick auf die aktuellen Empfehlungen aus der Gas- und Wärmekommission zur Entlastung der Gaspreise kündigte Graichen an, dass das BMWK derzeit Maßnahmen zur Entlastung des Strompreises vorbereite, die gerade auch für Betreiber von Wärmepumpen wirken sollen.
In einem Podiumsgespräch diskutierten Dr. Matthias Miersch (MdB – SPD), Dr. Julia Verlinden (MdB - Bündnis 90/Grüne), Dr. Lukas Köhler (MdB – FDP), Mark Helfrich (MdB – CDU/CSU) sowie Ralph Lenkert (MdB – Die Linke) mit den Teilnehmenden über aktuelle Fragen der Branche. Konsens herrschte dabei über die treibende Rolle von Wärmepumpen, um Abhängigkeiten von Gasimporten zu reduzieren und die Klimaziele der Koalition erreichen zu können. Auch die Abgeordneten waren sich einig, dass Entlastungen beim Strompreis kurzfristig kommen müssten. Im Einzelnen widmete sich die Diskussion dann unter anderem der Frage, mit welchen Anreizen Wärmepumpen ihre großen Vorteile der Systemdienlichkeit im zukünftigen Stromsystem ausspielen können. Die Koalitionspartner aus SPD, Grünen und FDP wollen das 65%-Gebot zeitnah beschließen, damit es rechtzeitig zum Jahr 2024 in Kraft treten und von der Branche auch umgesetzt werden kann.
Branchenstudie Wärmepumpen
Die Branche habe jedenfalls bereits Fahrt aufgenommen, sagte Dr. Hendrik Ehrhardt, Fa. Stiebel Eltron und Sprecher des BWP-Ressort Politik, bei der Vorstellung der neuen Branchenstudie des Bundesverband Wärmepumpe.
Die Branche erwarte in diesem Jahr ein Wachstum von über 30% gegenüber dem Vorjahr. Die Branchenstudie verweist zudem auf die immensen Investitionen, die von den Unternehmen bereits aufgrund der Wachstumssteigerungen der vergangenen Jahre unternommen werden. Für den weiteren Ausbau der Kapazitäten fordert die Branche dringend einen planbaren Gesetzesrahmen ein. Wenn alle Akteure der Wertschöpfungskette ihre Hausaufgaben machen, werde das Ziel von 500.00 neu installierten Wärmepumpen im Jahr 2024 erreicht, dass sich Politik und Branchen im Juni beim Wärmepumpen-Gipfel gesetzt haben.
Fachhandwerk: Bedarf statt Mangel
Über „Fachkräftemangel“ sprechen die Vertreter der Gewerke nicht so gern. Viel mehr bringe die Energie- und Wärmewende einen verstärkten Fachkräftebedarf mit sich.
Beim Fachkräftepanel diskutierten Helmut Bramann, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK), Alexander Neuhäuser, stellvertretender Hauptgeschäftsführer Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) und Hans-Arno Kloep (Querschiesser), wie die notwendigen Effizienzsteigerungen bei der Wärmepumpeninstallation erreicht werden können. In seinem jährlichen Trendreport analysiert und „filetiert“ der Unternehmensberater Kloep den kompletten Installationsprozess einer Wärmepumpe und findet heraus, dass ein großer Teil der Arbeitsschritte nicht von den hochqualifizierten Fachhandwerker*innen durchgeführt werden muss und hier ein enormes Einsparpotenzial an Ressourcen vorhanden ist. Die Diskutanten sind sich darüber einig, dass die Wärmepumpe als gewerkeübergreifende Technologie das SHK- und Elektrohandwerk enger zusammenbringt und dass eine engere Verzahnung über Partnermodelle zwischen Betrieben oder mittelfristig auch über neue Berufsbilder notwendig ist.
Kältemittelfrage sorgt für Diskussion
Die Wärmepumpen- und Kältebranche ist über die europäische F-Gas-Verordnung dazu angehalten, ihre Produkte langfristig auf den Einsatz von Kältemitteln mit niedrigem Treibhausgaspotential wie Propan umzurüsten. Der BWP hatte eine geplante Verschärfung der Verordnung kürzlich kritisiert. Vor diesem Hintergrund stellte sich Arno Kaschl von der DG-Clima bei der EU-Kommission den Fragen der Hersteller. Ihm gegenüber standen Dina Köpke, Emerson, und Dieter Degner, ait-deutschland. Die Forschungsperspektive lieferte Dr. Marek Miara vom Fraunhofer Institut für Solare Energietechnik (ISE).
Fazit: Der Umbau hin zu natürlichen Kältemitteln ist wichtig, aber die Branche benötigt, insbesondere auf Grund der aktuellen Situation, mehr Zeit für eine nachhaltige Umsetzung.
Förderung, Wohnungswirtschaft und Kommunen
Der zweite Tag des Forums stand besonders aufgrund des 65%-Gebots für erneuerbare Energien im Zeichen der kommunalen Wärmewende und richtete sich thematisch im Schwerpunkt an Kommunen und Stadtwerke. Gemeinsam mit der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) wurde in Themenblöcken auf die Förderung für effiziente Gebäude und Wärmenetze, Klimaschutz und Sanierung in der Wohnungswirtschaft und Großwärmepumpen eingegangen.
Fazit der Veranstaltung vom BWP-Geschäftsführer Dr. Martin Sabel:
„Die Aufbruchstimmung in der Branche ist trotz aller Herausforderungen aufgrund der dramatischen weltpolitischen Entwicklungen spürbar. Beim 20. Forum Wärmepumpe wurden zu allen relevanten Themen klare Akzente gesetzt und konkrete Arbeitsaufträge formuliert. Wir halten uns nicht damit auf, zu diskutieren was alles nicht geht, sondern arbeiten konsequent an Lösungen. Wir freuen uns über innovative und kreative Geschäftsmodelle und Lösungen, die in allen Bereichen entstehen, um die Wärmepumpe möglichst schnell zur Standardheizung zu machen.“
Das 21. Forum Wärmepumpe findet am 8. und 9. November 2023 statt.














