Der Ausbau von intelligenten Stromzählern, sogenannter Smart Meter, kommt in Deutschland weiterhin kaum voran. Die Bundesnetzagentur hat dazu kürzlich neue Zahlen veröffentlicht, die auf Selbstauskünfte der Stromnetzbetreiber zurückgehen. Demnach sind lediglich 5,9% aller Anschlüsse in Deutschland mit einem Smart Meter ausgestattet.1
Damit liegt die Bundesrepublik bei der Verbreitung der Smart Meter weit hinter zurück. Andere Länder der Europäischen Union zeigen, dass das anders geht. So sind etwa Schweden und Dänemark zu 100 % mit intelligenten Stromzählern ausgerüstet. Auch in vielen weiteren Ländern, wie Estland, Italien, Luxemburg oder Spanien, sind annähernd alle Stromanschlüsse digitalisiert und vernetzt.
„Andere Länder haben längst verstanden, dass die Energiewende ohne ein digitales Fundament in Form von Smart Metern langfristig nicht funktionieren kann“, sagt Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer von 1KOMMA5°. „Dort gab es früh klare gesetzliche Vorgaben für die Netzbetreiber. In Deutschland bremsen die über 800 Netzbetreiber mit oft veralteten, analogen Prozessen den Ausbau aus. Hier muss die Bundesnetzagentur deutlich stärker durchgreifen.“
Smart-Meter-Ausbau in Deutschland kommt kaum voran
Die Bundesnetzagentur hat nicht nur neue Zahlen für den Ausbau von Smart Metern veröffentlicht, sondern musste auch den zurückliegenden Wert nach unten korrigieren. Statt der bisher angenommenen 5,5% lag die tatsächliche Quote vor sechs Monaten nur bei 4,4%. Das entspricht einem realen Anstieg von lediglich 1,5 Prozentpunkten innerhalb eines halben Jahres.
„Der Ausbau der Smart Meter geht in Deutschland viel zu langsam voran“, sagt Jannik Schall. „Die Verbreitung digitaler, vernetzter Zählertechnik hinkt auch dem Ausbau der erneuerbaren Energien meilenweit hinterher und wird damit immer mehr zum Problem für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für das Netz. Ohne die Digitalisierung der Messstellen verlieren Haushalte jährlich Geld, weil sie nicht am Strommarkt teilnehmen können.”
Schlüssel in der Energiewende: Smart Meter ermöglichen Flexibilität
Smart Meter messen den Stromverbrauch und auch die Einspeisung durch PV-Anlagen oder Speicher viertelstundengenau und übermitteln die Daten an Netzbetreiber und Stromversorger. Das Ablesen des Zählers entfällt.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist diese Technik der Schlüssel zu sinkenden Stromkosten. Nur mit einem Smart Meter lassen sich dynamische Stromtarife oder zeitvariable Netzentgelte nutzen. In Kombination mit einer intelligenten Steuerung laden Wärmepumpen oder E-Autos automatisch, wenn der Strom an der Börse günstig ist. Außerdem ermöglichen Smart Meter die Direktvermarktung von Strom aus einer PV-Anlage oder Speichern. Das wird insbesondere ab dem 1. Januar 2027 relevant, wenn die gesetzliche Einspeisevergütung für Neuanlagen entfällt und PV-Anlagen-Nutzer Strom frei vermarkten müssen.
„Nur mit Smart Metern als Grundvoraussetzung können Lastspitzen im Netz, die die erneuerbaren Energien erzeugen, geglättet und der teure Ausbau der physischen Stromnetze reduziert werden“, sagt Jannik Schall. „Wird der Smart-Meter-Ausbau weiter blockiert, blockiert das auch sinkende Stromkosten für Millionen Haushalte. Gleiches gilt für die im neuen EEG-Entwurf diskutierte 50-Prozent-Kappung. Sie würde flexible Verbraucher bestrafen und dauerhaft hohe Strompreise zementieren.“














