Bundesweite Immobilienanalyse

Aktuell angebotene Gebäude in Deutschland verbrauchen zu viel fossile Energie

Fast 60 % der Häuser auf dem aktuellen Immobilienmarkt befinden sich innerhalb der schlechtesten Energieeffizienzklassen E bis H. Dies ergibt eine Analyse des Climate-Tech-Unternehmens Purpose Green.

Plattenbauten weisen vielfach bessere energetische Werte auf als Immobilien aus den 1950er- 1970er Jahren. Bild: stock.adobe.com/ Janni
Plattenbauten weisen vielfach bessere energetische Werte auf als Immobilien aus den 1950er- 1970er Jahren. Bild: stock.adobe.com/ Janni

Für die Analyse wurden die Energieeffizienzklasse, der wesentliche Energieträger sowie die genutzte Heizart in aktuellen Immobilienangeboten der 30 größten deutschen Städte untersucht. Laut EU-Gebäuderichtlinie soll der gesamte Gebäudebestand in der EU schrittweise saniert werden und bis 2050 klimaneutral sein. So müssen Wohngebäude bis 2030 bereits mindestens die Energieeffizienzklasse F erreicht haben.

Großer Sanierungsbedarf in Deutschland

In Stuttgart fallen 74,8% der untersuchten Immobilienangebote, darunter vor allem Eigenheime, aber auch Mehrfamilienhäuser oder Mixed-Use-Gebäude, in die Klassen von E bis H. Ähnlich sieht es in Wuppertal aus, wo 73,9% aller untersuchten Immobilien eine solche Einstufung aufweisen. Auch in Bonn besteht mit 72,5% innerhalb dieser Klassen noch Luft nach oben. Hier befinden sich mit 37,7% außerdem die häufigsten Angebote allein in der schlechtesten Energieeffizienzklasse H.

Städte in Sachsen stehen an der Spitze der Energieeffizienz

Mit einem Anteil von 70,2% an Immobilien mit der Energieeffizienzklasse A+ bis D erreicht Dresden im bundesweiten Vergleich den besten Wert. Platz zwei sichert sich Chemnitz, wo 61,9% der Immobilien diese Standards erfüllen. Dicht darauf folgt Leipzig mit 59,5%. In Berlin erreicht etwas mehr als jede zweite zum Verkauf stehende Immobilie den angestrebten Effizienzwert (55,1%).

Gebäude, die besonders energieeffizient sind, werden in den Energieeffizienzklassen A und A+ eingestuft. Das bedeutet, sie haben einen jährlichen Endenergiebedarf von 30 bis 50 kWh/m² bzw. von unter 30 kWh/m². Auch beim Anteil der Gebäude in diesen beiden Energieeffizienzklassen liegt Dresden mit 26,9% vorn. Darauf folgen München (20,1%) und Münster (19,5%). Insgesamt weisen 12,5% aller untersuchten Immobilien einen der beiden Werte auf.

Gas ist nach wie vor häufigster Energieträger

Für die Bemessung der Energieeffizienz ist die Hauptenergiequelle ein entscheidender Faktor einer Immobilie. Gas bleibt mit 54,6% der mit Abstand am häufigsten verwendete Energieträger. Mit 15,7% folgt Öl, dahinter reihen sich Luft-, Wasser- und Wärmepumpen mit 12,6% ein. Bei der Heizungsart liegt die Zentralheizung deutlich vorn: In mehr als zwei Dritteln (67,2%) der untersuchten Gebäude kommt sie zum Einsatz. Fußbodenheizungen (23,1%) und Etagenheizungen (8,4%t) bilden den Großteil der restlichen Heizarten ab.

Eine Übersicht zu allen untersuchten Städten finden Sie hier.

Schlechte Energieeffizienz steigert die Kosten immens

„Fast jedes fünfte analysierte Gebäude weist die schlechteste Energieeffizienzklasse H auf", sagt Tatiana Stuck, Senior ESG-Managerin bei Purpose Green. Im Vergleich zu unserer Untersuchung im vergangenen Jahr hätten sich die Ergebnisse sogar insgesamt noch einmal verschlechtert. Das könne unter anderem daran liegen, dass Immobilien mit schlechter Energieeffizienz schwieriger zu verkaufen sind, denn bei schlechter Energieeffizienz müssten sich Eigentümer nicht nur auf höhere Energiekosten einstellen, sondern auch auf steigende Sanierungs- und CO₂-Kosten. "Mit ETS-2 wird jede durch fossile Brennstoffe verursachte Tonne Kohlendioxid bepreist."

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