Nach bewährter Tradition zu Beginn eines Jahres veranstaltete Hosch Gebäudeautomation am 22. Januar 2026 zum nunmehr zehnten Mal das Hosch IQ.Wissensforum in seiner Teltower Firmenzentrale. Wie an jedem dritten Donnerstag im Januar waren auch dieses Mal zwei ausgewiesene Experten eingeladen, vor Teilnehmenden aus der regionalen Bau- und Gebäudetechnikbranche über ein aktuelles Thema zu sprechen.
Schwerpunkt der diesjährigen Dialogveranstaltung: Künstliche Intelligenz (KI) in der Gebäudeautomation. Dafür konnte das Unternehmen Herrn Dr. Aljoscha Burchardt, Principal Researcher und stellvertretender Standortsprecher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Berlin, sowie Frau Prof. Dr.-Arch. Silvia de Lima Vasconcelos, die an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin Gebäudeenergie- und Informationstechnik lehrt, gewinnen.
Wenn aus Daten Muster werden
Dr. Burchardt illustrierte anhand eigener Forschung aus dem Bereich Medizin, welches Veränderungspotenzial KI für uns bereithält und wie wir ihm begegnen können. Der langjährige Forscher räumte als erstes mit Mythen auf. „KI ist keine Wundertüte, sondern eine ebenso großartige Erfindung wie der Buchdruck oder das Internet. Letztlich ist es nichts anderes als ein Werkzeug, das datenbasiert Muster entwickelt.“ Und hier komme es als erstes auf die Anwender an. Bevor nicht zwei Fragen klar beantwortet seien, könne uns künstliche Intelligenz keinen großen Mehrwert bieten: Was soll KI für mich tun? Und was soll sie nicht für mich tun? „Wenn ich mit KI arbeiten möchte, muss ich mich auch fragen, ob ich Daten in der nötigen Qualität und Menge zur Verfügung habe, die ich ins System geben kann“, so Burchardt.
Doch wie gehen wir mit den Antworten um? Können wir alles glauben, was uns maschinelle Intelligenz ausspuckt? Dazu zog Burchardt ein eindrucksvolles Experiment aus der medizinischen Forschung heran. Dabei sollten junge und erfahrene Ärzte sowie eine KI Prognosen zu gesundheitlichen Daten stellen. Die KI lag solide, erfahrene Ärzte zunächst besser – junge schlechter. In einer zweiten Runde durften alle die KI zur Hilfe nehmen. Das Ergebnis war überraschend: Die jungen Ärzte verbesserten sich, die erfahrenen verschlechterten sich. Die Erklärung: Wer zu stark auf KI-Ergebnisse vertraut, läuft Gefahr, die eigene fachliche Tiefe und kritische Prüfung weniger aktiv einzubringen.
Für Burchardt ein Beleg dafür, dass KI keinesfalls als alleiniges Mittel für die Bearbeitung komplexer Fragestellungen herangezogen werden dürfe: „KI wird mehr und mehr Arbeitsprozesse unterstützen, kann aber Menschen nicht vollständig ersetzen. Doch wir sind selbst dafür verantwortlich, nicht Gefahr zu laufen abzustumpfen und unsere tiefe Fachkenntnis und Erfahrung den vermeintlich einfach zu generierenden Lösungen von KI zu opfern.“
Diversität, Neugier und Kreativität als Erfolgsfaktoren für KI-Projekte
Im weiteren Verlauf wurde deutlich, dass KI-Projekte nicht allein über Technologie gelingen. Sie brauchen Zusammenarbeit, Klarheit und den richtigen Rahmen. Burchardt betonte, wie wichtig es sei, dass Geschäftsleitung und Fachabteilungen an einem Strang ziehen: Die eine Seite sorgt für Ziel und Ressourcen, die andere bringt Know-how, Kreativität und Umsetzungskraft ein. Besonders wertvoll seien Teams, die vielfältig zusammengesetzt sind – etwa mit Menschen unterschiedlichen Alters und mit Perspektiven aus Technik, IT und auch rechtlichen Bereichen. Neugier, kritisches Denken und eine Kultur, in der man ausprobieren darf, seien am Ende oft entscheidend für Erfolg.
BIM – künstliche Intelligenz als Booster in der Gebäudeoptimierung
Prof. Dr. de Lima erläuterte den Stand der Digitalisierung im Gebäudelebenszyklus und die Rolle des Building Information Modeling (BIM) als integratives Werkzeug zur Planung und Betriebsoptimierung moderner Gebäude – auch mit Blick auf KI.
Analog künstlicher Intelligenz ist die Qualität und Menge von Daten auch beim BIM der wesentliche Erfolgsfaktor. Dafür liefern zunächst Architektur- und Planungsbüros, Bauunternehmen oder auch Betreiber alle nötigen Parameter, die in ein smartes 3D-Modell überführt werden. Das Ziel: Transparenz, Planungs- und Kostensicherheit und Reduzierung von Fehlern. Beim BIM werden so nicht nur Objekte, sondern auch ihre Eigenschaften, Beziehungen sowie Prozesse und zeitliche Abläufe abgebildet. Die Vorteile zeigen sich besonders im Lebenszyklus eines Gebäudes, denn die größten Kosten entstehen im Betreiben einer Liegenschaft. Sie wird nicht nur physisch, sondern auch als digitaler Zwilling an den Bauherren übergeben und unterstützt künftig automatisiert und papierlos beispielsweise bei Wartungsintervallen, Störungen oder beim Energiemanagement und bietet auch bei späteren Sanierungen schnelle und umfassende Transparenz.
Von der reaktiven zur autonom agierenden Instanz
Künstliche Intelligenz könne hier den Unterschied machen. „KI wird das BIM von der reaktiven zur autonom agierenden Instanz weiterentwickeln“, so de Lima. Sie ermögliche nicht nur lernfähige Modelle für den Betrieb, sondern könne auch die Selbstoptimierung von Gebäuden vorantreiben, so dass Energie, Komfort, Wartung und Nutzung in ein Gleichgewicht kämen. Auch fehlerhafte oder unvollständige Daten könnten vermieden werden und gelerntes Wissen im „Cross-Twin-Learning“ auf andere Projekte übertragen werden, um so eine Grundlage für skalierbare Gebäudeeffizienz schaffen.
Den Nerv der Branche getroffen
Das Konzept geht auf: Das IQ.Wissensforum war nicht nur wieder sehr gut besucht. Auch die lebhafte Diskussion im Anschluss zeigte: Die Themen rund um künstliche Intelligenz und Building Information Modeling treffen den Nerv der Branche.














