Nahwärme

Bioenergiedorf versorgt Gemeinde mit Strom und Wärme

Im Bioenergiedorf Tangeln (Altmark) versorgt eine Wärmegenossenschaft angeschlossene Haushalte mit Wärme und Strom aus einer Biogasanlage.

Biogasanlage mit Speicher der LU Tangeln eG (Foto: Landwirtschaftliches Unternehmen Tangeln e. G.)
Biogasanlage mit Speicher der LU Tangeln eG (Foto: Landwirtschaftliches Unternehmen Tangeln e. G.)

Das altmärkische Tangeln beliefert bereits heute die Mehrzahl der Haushalte des Ortes mit nachhaltiger Wärme aus der dorfeigenen Biogasanlage. Hauptprodukt der Anlage des ländlich geprägten Ortes, der seit 2009 zur Gemeinde Beetzendorf gehört, ist aber nachhaltiger Strom. An zwei Standorten produziert das Landwirtschaftliche Unternehmen Tangeln eG (LU Tangeln eG) pro Jahr insgesamt 9,2 Mio. kWh Strom. Die früher ungenutzte Abwärme wird seit 2008 durch die Biowärmeversorgung Tangeln eG erfolgreich über ein 5 km langes Nahwärmenetz vermarktet.

„Bioenergie kann neben Strom auch Wärme zuverlässig und jederzeit bereitstellen. Damit sind Biogasanlagen wichtige Bausteine einer nachhaltigen und flexiblen Energieversorgung", sagt Dr. Robert Brandt, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE). "Tangeln ist ein Paradebeispiel dafür, dass auch kleinere Kommunen so ihren Beitrag zur Energie- und Wärmewende leisten können“, meint er weiter. Die Agentur für Erneuerbare Energien e. V. (AEE) zeichnete im Oktober den Ortsteil Tangeln als Energie-Kommune des Monats aus.

Nachhaltige Wärmeversorgung halbiert die Kosten für Anwohner*innen

Ursprünglich ging die LU Tangeln eG aus einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft hervor. Damals stellte die Entscheidung zur Verbreiterung der wirtschaftlichen Grundlage durch den Bau der Biogasanlage einen Wendepunkt für den Betrieb dar. Aktuell werden an 75 Hausanschlussstationen Anwohner*innen und mehrere kommunale Gebäude ganzjährig, durch die in der LU Tangeln eG produzierte und von der Biowärmeversorgung vermarkteten Wärme, mit Heizwärme und Warmwasser versorgt. Zwei Drittel der Bürger*innen profitieren bereits als Genossenschaftsmitglieder von der nachhaltigen Wärmeversorgung. Die Umstellung hatte für Mitglieder auch handfeste wirtschaftliche Vorteile. Angeschlossene Haushalte zahlen im Vergleich zur Wärmeversorgung per Gasheizung nämlich fast 50 Prozent weniger. 

Noch mehr Menschen werden durch den produzierten Strom über die Ortsgrenzen hinaus versorgt. Im Vergleich zur Inbetriebnahme der Anlage 2006 hat sich die Ausgangsleistung inzwischen auf 1.130 Kilowatt mehr als verdoppelt. Der Verbrauch von mehr als 2.500 Menschen wird so allein durch den in Tangeln produzierten Strom gedeckt. Damit spart die Anlage jährlich 8.000 bis 9.000 Tonnen CO2 ein. Obwohl momentan keine weiteren Kapazitätssteigerungen an einem der beiden Standorte des Unternehmens geplant sind, werden im Moment wichtige Investitionen für die Zeit nach der EEG-Förderung getätigt. Während der Satellitenstandort bereits im letzten Jahr durch den Einbau eines neuen Gas- sowie Wärmespeichers, eines Transformators und eines Blockheizkraftwerkes flexibilisiert wurde, soll die Flexibilisierung der Biogasanlage 2022 abgeschlossen werden. Damit ist sichergestellt, dass die Anlage auch nach dem Auslaufen der Förderung 2027 noch mindestens zehn Jahre weiter nachhaltige Wärme und Strom bereitstellen kann.  

Die Altmark ist wichtiges Zentrum der Bioenergie in Sachsen-Anhalt 

Tangeln ist als Innovator in der Altmark nicht allein. In der gleichen Gemeinde befindet sich Sieben Linden, das zweite von drei Bioenergiedörfern des Bundeslandes. Bekannt für seine Strohballenhäuser hat sich der kleine Ort  einer nachhaltigen Energieversorgung verschrieben.

Das ist kein Zufall. Wegen ihres hohen Bioenergiepotenzials wird die Altmark seit 2009 als Bioenergieregion von der Bundesregierung gefördert. Ziel ist die Stärkung der Wirtschaft, der nachhaltigen Energieversorgung sowie die Bildung von Netzwerkstrukturen und die Förderung von Wissenstransfer in und aus den Modellregionen. Die Gemeinde Beetzendorf und speziell ihr Ortsteil Tangeln zeigen, wie man ein solches Vorhaben umsetzen kann. Mit 17 Angestellten ist die LU Tangeln eG ein wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor für den Ort. Zusätzlich schafft eine enge Zusammenarbeit zwischen den Genossenschaften sowie den Gemeindevertreter*innen wichtiges Vertrauen und Akzeptanz für die Energie- und Wärmewende im Ort.

Das ausführliche Portrait zu der Energie-Kommune des Monats finden Sie hier: www.unendlich-viel-energie.de/energie-kommune-des-monats-tangeln

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