„Das Private ist politisch“ ist ein Slogan, der erstmals in den frühen 1970er Jahren in der amerikanischen Frauenbewegung auftauchte. Heute könnte die internationale Klimabewegung ihn mühelos aufgreifen, denn die Klimakrise ist zu einem guten Teil Ergebnis politischer Entscheidungen mit massiven Auswirkungen auf das private Leben der Mehrheit der planetaren Bevölkerung. Zu spüren sind sie heute bis ins kleinste deutsche Dorf, in die Wohnung und auch das klimatisierte Büro: Die Hitze dieses Sommers legt den Asphalt in Wellen, die Dürre vernichtet den Rasen, der Wald brennt vor der Haustür. Die Flüsse trocknen aus und halb Europa braucht Wasser vom Lkw. Tausende Hitzetote sind zu beklagen.
Die Abhängigkeit von russischem Erdgas ist ebenfalls Resultat politischer Entscheidungen, und eine der wenigen positiven Folgen des Gasmangels ist die Erkenntnis der Politik, dass Erdgas als Übergangstechnologie Richtung Klimaneutralität vom Tisch ist. Das mag nicht allen Gebäudebetreibenden oder allen Herstellern in der Heizungsbranche gefallen. Was aber vielen Marktteilnehmern weit wichtiger zu sein scheint, ist Planungssicherheit. Anders gesagt, der Weg aus der Krise muss klar und bindend für alle und von der entsprechenden Gesetzes- und Förderstruktur begleitet sein.
Viele junge und ältere Menschen sind in den letzten Jahren für das Klima auf die Straße gegangen - auch deshalb, weil es nicht reicht, es im Privaten zu schützen, weniger zu heizen, kürzer zu duschen und Fahrrad statt SUV zu fahren. Die Öl- und Gaslobby geht bei der Politik ein und aus, der Wasserverbrauch manches Industriezweigs beträgt ein Vielfaches aller deutschen Haushalte zusammen und vielerorts in Deutschland kommt man ohne eigenes Auto nirgendwohin. Mehr bewirken als der private Klimaschutz kann also die private Entscheidung, die Politik zum Handeln zu zwingen.
Neue Entwicklungen in Bau- und Haustechnik haben sowohl der Politik als auch dem privaten Haushalt Handlungsoptionen für einen klimaneutralen, ressourcensparenden Gebäudesektor eröffnet. Alles Nötige ist da. Planen Sie Gebäude oder die TGA, vertreten Sie eine Kommune, eine Immobilienverwaltung oder einen -fonds? Welche Technik Sie persönlich fordern, fördern, empfehlen, einsetzen oder auch weglassen, ist eine politische Entscheidung. Treffen Sie die richtige!
Ihre
Silke Schilling
M.Sc., Dipl.-Ing. (FH) Silke Schilling
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