09/2022: Editorial

Ohne Kohlenstoff geht es nicht

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Kohlenstoff zur Energieerzeugung ist nur bedingt erneuerbar. Die Gasnotlage soll nun auch mit Flüssiggas überbrückt werden. Das Heizen mit Holz muss auf eine nachhaltige Forstwirtschaft bauen können. Bild: stock.adobe.com/aerial-drone, Aggi Schmid
Kohlenstoff zur Energieerzeugung ist nur bedingt erneuerbar. Die Gasnotlage soll nun auch mit Flüssiggas überbrückt werden. Das Heizen mit Holz muss auf eine nachhaltige Forstwirtschaft bauen können. Bild: stock.adobe.com/aerial-drone, Aggi Schmid

Liebe Leserinnen und Leser,

vor einem Vierteljahrhundert gab schon mal eine Situation, in der eine zeitweise Versorgung mit Flüssiggas interessant war. Damals schien allerdings die Umstellung der Kraftwerke von Kohle auf Erdgas nicht schnell genug zu gehen und die Empfehlung zur Einrichtung von Installationen und Geräten für die Versorgung aus Flüssiggasbehältern richtete sich an Eigentümer kleinerer Wohngebäude und Gewerbebetriebe (Historischer Beitrag zum MGT Jubiläumsjahr aus Stadt- und Gebäudetechnik 1-2/1998, S. 26).

Heute muss die Energieabhängigkeit von Russland schnell reduziert werden. Deutschland richtet sich auf eine hoffentlich bald vorübergehende fossile Energieversorgung auf Basis von Flüssigerdgas und Kohle ein, während die Speicherfüllvorgaben erhöht wurden. Fünf Flüssiggasterminals sind im Entstehen. Reaktivierte Stein- und Braunkohlekraftwerke sollen wieder Strom erzeugen. Trotz allem, der Winter wird eine logistische und finanzielle Herausforderung und die Rufe nach Beschleunigung für die Erneuerbaren bleiben.

Erneuerbare Holzenergie

Viel Diskussion gab es dieses Jahr um das Heizen mit Holz. Im Januar warnte das Umweltbundesamt u. a. vor Feinstaub und wies darauf hin, dass die Holzverbrennung nur dann treibhausneutral ist, wenn der entsprechende Wald mindestens im zeitlichen Rahmen der geltenden Klimaziele regeneriert ist. Im April protestierten Umweltverbände bei Berlins Fernwärmelieferanten Vattenfall gegen die geplante Ausweitung der Holzverbrennung in Kraftwerken und forderten den Einstieg in „echte“ erneuerbare Energien. Zuletzt warnten Scientist4Future davor, wegen der Gaskrise nun Millionen von Gas- und Ölheizungen oder Kohlekraftwerke auf Holzverbrennung umzustellen. Eine echte Kreislaufwirtschaft setze voraus, dass die heute genutzten Holzmengen konstant blieben.

Obwohl die Sorge um den deutschen Wald gerade auch vor dem Hintergrund der Dürre der letzten Jahre verständlich ist, muss nichts davon heißen, dass es sich mit Holz nicht nachhaltig heizen lässt, insbesondere, wenn die entsprechenden Gebäude energieeffizient saniert sind und der Brennstoff aus einheimischer, zertifiziert nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Daher sind der Widerspruch und die Argumente von Verbänden der Forst-, Holz- und Energiewirtschaft nachvollziehbar. Unser Top-Thema ab S. 56 befasst sich mit Anwendungen und Erfahrungen.

Ihre

Silke Schilling

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MSc, Dipl.-Ing. Silke Schilling

Dipl.-Ing. Silke Schilling
Chefredakteurin
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