Industrielles Erbe mit zukunftsweisender Energieversorgung
Für eine gemeinwohlorientierte Kultureinrichtung wie das E-Werk in Luckenwalde wäre der Weiterbetrieb des vorhandenen 200 kW-Erdgaskessels aus den 1990er Jahren weder wirtschaftlich tragbar noch ökologisch vertretbar gewesen. Die hohen Nebenkosten wären für die Einrichtung langfristig nicht finanzierbar gewesen. Er musste also ausgetauscht werden.
Historische Kraftwerksarchitektur trifft modernes Holzgas BHKW
Als Alternative zum fossilen Heizsystem entschied man sich für eine moderne Holzvergasungstechnologie. Dabei werden regionale Industrieholzreste in einer automatisierten Holzvergaseranlage der Firma Spanner Re2 verstromt. Das über das Pyrolyseverfahren erzeugte synthetische Gas treibt einen modifizierten Verbrennungsmotor an, über den erneuerbarer Strom und Nutzwärme erzeugt wird. Ein Teil der produzierten Energie fließt direkt in den Eigenbedarf des Gebäudes, insbesondere in den laufenden Kulturbetrieb. Der Überschuss wird als so genannter „Kunststrom“ ins öffentliche Netz eingespeist.

Smarte Messtechnik der Wärmenutzung für effiziente Energieflüsse
Für die Wärmenutzung im Gebäude und die zukünftige Nahwärmeversorgung kommt ein Messkonzept der Firma Molliné zum Einsatz: Mithilfe hochpräziser Ultraschall-Wärmemessung werden Energiemengen und Betriebsdaten in Echtzeit erfasst. Molliné ist spezialisiert auf smarte Messtechniklösungen für thermische Energiesysteme und schafft damit die Grundlage für eine effiziente, transparente und datenbasierte Steuerung regenerativer Energieströme.

Kreislaufwirtschaft im industriellen Maßstab
Das E-Werk in Luckenwalde dient nicht nur der lokalen Energieversorgung. Im hauseigenen Kunststrom Lab wird auch an zirkulären Energie- und Materialsystemen geforscht. Neben der Rückgewinnung von Abwärme für Heiz- und Trocknungsprozesse wird das gebundene CO2 in Form von Holzkohle durch ein Terra-Preta-Verfahren zum Humusaufbau weiterverwendet. Das Projekt zeigt, wie sich Denkmalschutz, Energieeffizienz im Bestand und Ressourcenschonung in einem zukunftsfähigen Nutzungskonzept miteinander verzahnen lassen.
Graue Energie wird bunt
Ein zentrales Merkmal der ökologischen Effizienz liegt in der konsequenten Weiternutzung der industriellen Bausubstanz. In Luckenwalde wird damit das Prinzip der Einsparung grauer Energie vorbildlich umgesetzt. Statt sie abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen, wurde die bestehende Struktur erhalten und gezielt technisch ertüchtigt. Zur Erhaltungsmasse zählen Förderanlagen, ein Becherwerk von 1913, Bunker zur ehemaligen Kohlespeicherung, zwei Silos mit jeweils 170 m3 Speichervolumen, kilometerlange Rohrleitungen sowie das historische Kesselhaus.
Auch ein Teilrückbau wäre mit hohen CO2-Emissionen verbunden gewesen. Die Reaktivierung hingegen nutzt vorhandene Ressourcen und minimiert den ökologischen Fußabdruck.
Die frühere Braunkohleförderanlage, ein altes Becherwerk, transportiert heute Biomasse, und die Silos lagern statt Braunkohle nun Holzhackschnitzel. So konnte ein erheblicher Teil der in Bau und Material gebundenen Energie bewahrt werden. Die innovative Integration der Holzgastechnologie in diese bestehende Infrastruktur schafft ein äußerst effizientes hybrides Energiesystem im Denkmalschutz.
Holzgas: Nischenlösung mit großem Potenzial
Aufgrund der Auflagen des Denkmalschutzes durften die Gebäudehüllen des E-Werks in weiten Bereichen nicht gedämmt werden. Durch den Veranstaltungsbetrieb ergibt sich jedoch ein erhöhter Strom- und Wärmebedarf. Dabei wird insbesondere dann viel Strom benötigt, wenn gerade keine oder weniger solare Gewinne aus der Photovoltaikanlage auf dem Dach des alten Förderturms zur Verfügung stehen.
Holzgas erreicht derzeit noch nicht die Effizienz großer Wind- oder Solarkraftwerke, bietet aber im Kontext industrieller Bestandsnutzung erhebliche ökologische und architektonische Vorteile. Auch während einer Dunkelflaute kann damit der Kulturbetrieb weiterlaufen. Ein BHKW auf Basis eines nachwachsenden Brennstoffs ist für die durchgehende Nutzung durch die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ideal und arbeitet zudem besonders effizient, da die gewonnene Abwärme mitgenutzt wird. Zudem fallen in der Region Luckenwalde große Mengen Restholz aus Industrie- und Forstwirtschaft an – eine Ressource, die sonst ungenutzt bliebe.
Mit der HKA von Spanner Re² steht eine moderne KWK-Anlage zur Verfügung, die den besonderen räumlichen Anforderungen des historischen Maschinenkellers gerecht wird. Die Anlage überzeugt durch intelligente Regelungssoftware, eine höhere Leistung und einen geringeren Brennstoffbedarf.

Frühes Beispiel für Abwärmenutzung
An das E-Werk grenzt der Standort des ehemaligen Stadtbades an. Dabei handelt es sich um ein beeindruckendes Beispiel moderner Industriearchitektur, das 1929 vom Bauhaus-Architekten Hans Hertlein erbaut wurde. Die Lage des Bades war damals bewusst gewählt, da es seine Heizenergie aus der im Werk entstehenden industriellen Abwärme beziehen würde. Über ein direktes Leitungssystem floss der heiße Dampf aus dem Kraftwerk in das Stadtbad und versorgte dort das Schwimmbecken, die Wannenbäder und die Sauna mit Wärme. Dieses frühe Beispiel der Energieverwertung über einen Nahwärmeverbund steht exemplarisch für das damalige Verständnis von Energie als städtebaulichem Gestaltungsfaktor.
Seit der Wende stand das historische Bad mit seiner außergewöhnlichen Architektur leer – bis das E-Werk begann, den Ort für Kunst- und Kulturveranstaltungen zu bespielen. Aus dieser praktischen Nutzungsperspektive entstand die Vision, das Stadtbad als festen Bestandteil eines zukünftigen E-Campus zu etablieren.
Molliné unterstützt den E-Campus
Der E-Campus ist ein interdisziplinäres Modellprojekt für Kunst, Kultur, Energie und Bildung – ein Ort, an dem kreative, technische und gesellschaftliche Fragen der Zukunft gemeinsam betrachtet werden. Um die Vision zu realisieren, bewarben sich die Stadt Luckenwalde und die Luba GmbH als Eigentümerin des Stadtbads erfolgreich beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Mit der Förderung wird nun bis 2028 die behutsame Sanierung des Stadtbads durch Hütten & Paläste Architekten ermöglicht. Sie sichert nicht nur den baulichen Erhalt, sondern reaktiviert auch die historische Energieverbindung zwischen E-Werk und Stadtbad für eine zeitgemäße, nachhaltige Nutzung.
„Wir waren fasziniert von der Idee, das Stadtbad wieder mit Energie vom E-Werk zu versorgen – genau wie damals“, sagt Pablo Wendel, Künstlerischer Leiter des E-Werk Luckenwalde. „Diese historische Verbindung neu zu denken und technisch wiederherzustellen, hat uns sofort begeistert. Doch dann kam die große Herausforderung: Wie messen und berechnen wir das präzise? Wir kannten die Firma Molliné aus der Kunstwelt als Sammler und Kunstunterstützer – und plötzlich öffnete sich eine völlig neue Dimension. Dass der führende Spezialist und Marktführer in diesem Bereich das E-Werk unterstützt, hat uns sehr geehrt. Molliné hat uns mit komplexer Messtechnologie gezeigt, was heute alles möglich ist.“

Messpräzision im E-Werk
Der Einbau des Molliné Ultraschall-Durchflussmessers ist ein entscheidender Schritt, um das Projekt E-Campus technisch fundiert weiterentwickeln zu können. Nur durch präzise Erfassung der Energieflüsse lassen sich künftige Nutzungen wie die Versorgung des Stadtbads oder weiterer Gebäudeteile effizient planen und realisieren. Der eingesetzte Ultraschall-Durchflussmesser erlaubt es dem E-Werk, Wärmeströme exakt zu messen und auszuwerten.
Ultraschall-Durchflussmesser arbeiten mit zwei Sensoren, die Ultraschallwellen abwechselnd stromauf- und stromabwärts durch das Medium schicken. Aus dem gemessenen Laufzeitunterschied lässt sich die Fließgeschwindigkeit berechnen und damit der Volumenstrom des durchgeleiteten Mediums. Da das System ohne bewegliche Teile auskommt, ist es besonders wartungsarm, langlebig und ideal für den dauerhaften Einsatz in Heizungs- oder Kühlkreisläufen. Damit bildet die eingesetzte Technologie eine wichtige Grundlage, um die komplexen energetischen Beziehungen innerhalb des E-Campus präzise zu steuern und transparent zu machen. Dies leistet einen entscheidenden Beitrag zur Optimierung, Kontrolle und vorausschauenden Nutzung überschüssiger Energie, die als Latentwärme im Gebäude gespeichert wird.
Frühzeitige Sanierung als Chance für Kulturorte
Das E-Werk Luckenwalde steht für eine zukunftsfähige energetische Nachnutzung industrieller Bestandsbauten. Gemeinsam mit der technischen Unterstützung durch Molliné zeigt es, wie vorausschauende Investitionen in nachhaltige Infrastruktur nicht nur ökologische und ökonomische Vorteile schaffen, sondern über viele Jahre hinweg Wirkung entfalten. Das E-Werk stellt sich und seine Technik permanent selbst aus, macht sie für Besucher sichtbar und trägt damit wesentlich zur Vermittlung erneuerbarer Technologien bei. Es ist ein Beispiel dafür, wie Kulturorte zu Motoren einer zukunftsfähigen, ressourcenschonenden Energieversorgung werden können.
Eine Information der WDV Molliné GmbH, Stuttgart
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