Gewachsene Entwässerung
Wie saniert man die Entwässerung eines Ensembles von Bestandsgebäuden, wenn über den alten Grundleitungen Bauwerke, Maschinen oder ganze Produktionsanlagen stehen? Diese Frage stellte sich bei der Sanierung der bis zu 70 Jahre alten Flachdachentwässerung der Grauthoff Türengruppe GmbH. Durch stetiges Anbauen und den Neubau von Hallen war der riesige Werkskomplex auf eine Fläche von 202 m Breite und 216 m Länge angewachsen.
Die Entwässerungskanäle und Grundleitungen waren nicht nur in die Jahre gekommen und schlecht zugänglich, sondern auch zu klein für die heute am Standort zu erwartenden Regenmengen. Außerdem sollte die Sanierung Stück für Stück erfolgen, ohne den laufenden Werksbetrieb zu stören. „Es ist nicht möglich, im laufenden Betrieb Erdarbeiten für neue Grundleitungen im Gebäude auszuführen. Der Stillstand von Maschinen wäre die Folge gewesen und musste auf jeden Fall vermieden werden“, erklärte Dietmar Holtkemper, Geschäftsführer der Grauthoff Holding GmbH.
Die Hallen wurden jetzt nach und nach saniert – während des Werksbetriebes. Die Dachdecker der Firma Ackermann stimmten sich in jeder Halle mit dem Werksleiter vor Ort ab, der den Bereich für die Arbeiten freiräumen und gegebenenfalls sperren ließ. Kasten einfügen !!!!!
Bautafel
Regenentwässerung
Umleitung auf die Notentwässerung
Für den Standort wird ein Berechnungsregen r(5,5) von 347 l/s × ha und ein Jahrhundertregen r(5,100) von 687 l/s × ha angesetzt. Eine Ertüchtigung und Leistungssteigerung der Hauptentwässerung stieß aufgrund der Faktenlage schnell an Grenzen. Gelöst wurde das Problem, indem ein Teil der Regenspende aus der Hauptentwässerung auf die Notentwässerung umgeleitet wurde. Die musste sowieso nachgerüstet werden, da dies heute in der DIN 1986-100 gefordert wird. Dachdeckermeister Thorsten Ackermann: „In den innenliegenden Hallen war es natürlich ein Problem, das Wasser nach außen zu bekommen. Es mussten Konstruktionen gebaut werden, die die Rohrleitungen aufnehmen können – Hilfskonstruktionen aus Stahl, die wiederum das Sita Schienensystem für die Rohrbefestigungen aufnehmen konnten. Da der Betrieb nicht gestört werden durfte, musste teilweise auch nachts und an den Wochenenden gearbeitet werden.“

Die Hauptentwässerung übernehmen in der aktuellen Ausbaustufe 39 SitaDSS Profi Gullys mit Airstop. Mit einem Durchmesser von DN 75 führen sie aktuell 564 l/s ab. Allerdings werden von dieser Wasserlast nur 150 l/s × ha über die bestehende Hauptentwässerung abgeleitet. Mehr schaffen die alten, zu kleinen Grundleitungen am Objekt nicht mehr. Die Differenz zur aktuellen Regenspende wurde der Notentwässerung beaufschlagt, was allerdings zur Folge hat, dass diese häufiger anläuft. Absolute Priorität hat, dass das Wasser von dem weitläufigen Hallendach geschafft wird, ehe es zu einer statischen Bedrohung wird. Nicht nur die heute erhöhten, nachweislich gestiegenen Regenmengen müssen bewältigt werden, sondern vor allen Dingen die sturzflutartigen Starkregenereignisse, bei denen in Sekundenschnelle extreme Wasserlasten auflaufen.
Dachdeckermeister Ackermann: „Der Regen ist heute mehr geworden und es gibt auch mehr Regen in kürzerer Zeit. Von August 2023 bis August 2024 gab es wohl die regenreichsten Monate seit Aufzeichnung der Wetterdaten.“ In einem Worst-case-Starkregen-Szenario für den Grauthoff-Hallenkomplex muss man bei den 37.600 m2 Flachdachfläche mit 2.583 l/s rechnen, so viel Wasser, wie ca. 18 Badewannenfüllungen.

Die Auslegung einer leistungsfähigen Notentwässerung bot sich auch als wirtschaftliche Alternative zum Ausbau des Grundleitungsnetzes. Für die Notentwässerung sind zusätzlich 162 SitaDSS Profi Gullys DN 75 mit Anstauelement SitaMore im Einsatz. Sie schaffen die beachtliche Menge von 2.019 l/s vom Dach. Sie sind ausgestattet mit Anschlussmanschetten aus der jeweiligen Bitumen-Dachbahn und konnten so sicher und einfach an die jeweilige Dachdeckung angeschlossen werden.
Kreativ an der Wand lang
Das SitaPipe Druckströmungssystem ist das ideale Entwässerungssystem für Werkshallen, da kein Gefälle notwendig ist, die Rohre parallel zur Hallendecke verlegt werden und keine senkrechten Fallleitungen dem Werksbetrieb im Wege stehen. Normalerweise werden die Rohre der SitaPipe PE-Entwässerungsrohre von der Decke abgehängt. Dies verbot sich bei der Entwässerungssanierung der alten Hallenkomplexe mit der Leimbinder-Koppelfettenkonstruktion aber aus statischen Gründen. Die spezielle Problemlösung war dann ein deckennahes Montagesystem, das auf Höhe der Hallendecken parallel der Wand verläuft. Das spezielle Wandbefestigungssystem entstand im Zusammenspiel mit der Firma Müpro, die auch die statische Berechnung dafür lieferte. Die höhenverstellbare Konstruktion wurde mit dem SitaPipe Befestigungssystem kombiniert. Dadurch, dass die ganze Konstruktion tiefer an der Wand verlegt wurde, verlief sie in den Bereich der Rolltore. Die Dachdecker mussten die Rohre um die Tore herum bauen.

Die große Herausforderung war immer wieder die Sanierung im Bestand. Teilweise ist es in den Hallen sehr eng und die Rohrleitungen mussten mit Bögen um Maschinen, Hallentore oder Treppen herumgeleitet werden. Das flexible SitaPipe System erwies sich hier als Problemlöser. Aktuell wurden für die Hauptentwässerung ca. 400 m PE-HD-Rohre, gesichert durch das SitaDSS Befestigungssystem, verlegt. Für die Notentwässerung wurden 3.105 m Rohrleitungen verbaut. Der längste Strang ist aktuell 158,9 m lang; im Durchschnitt haben die Stränge eine Länge von ca. 70 m.

Fazit: Kreativität am Bau gefragt
Aufgrund der vielen Baukörper, der niedrigen Deckenhöhen und der statischen Gegebenheiten war das Bauvorhaben besonders komplex. Hohe Flexibilität und kreative Lösungen waren gefragt. Durch die nachträgliche Notentwässerung nach DIN 1986-100 wurde der Hallenkomplex fit für die Zukunft gemacht – er entspricht heute den aktuellen Sicherheitsstandards.
Eine Information der Sita Bauelemente GmbH, Rheda-Wiedenbrück
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