Vom funktionalen Raum zum designorientierten Lebensbereich
Die Wandlung des einst eher untergeordneten Funktionsraums Bad in Richtung Wohnraum begann in den 1960er Jahren: Separate Duschen und zusätzliche Ablagen brachten mehr Komfort. Doch hohe Duschwannen und verschachtelte Raumarchitekturen blieben als Barrieren erhalten. Zugleich hielt Kunststoff Einzug in die Sanitärtechnik. Dallmer entwickelte in dieser Zeit den ersten Kunststoffsiphon.
Innovationsgeschichte aus dem Sauerland
Die Geschichte von Dallmer begann 1913 in Neheim im Sauerland. Gegründet von Graveurmeister Johannes Dallmer sen., widmete sich das Unternehmen zunächst der Herstellung von Stempeln, Prägungen und feinen Ziselierarbeiten an Leuchten. Präzision, handwerkliches Können und Erfindergeist prägten das Unternehmen von Anfang an.

Ab 1963 wurde die Sanitärtechnik zum zentralen Geschäftsbereich des Unternehmens. Früh setzte Dallmer auf technische Innovationen – u. a. mit Kunststoffsiphons, flexiblen Anschlusslösungen sowie später mit Designabdeckungen und Duschrinnen. Technische Funktionalität und hochwertiges Design gehen dabei immer Hand in Hand.
Heute wird das Familienunternehmen in vierter Generation geführt und beschäftigt rund 230 Mitarbeitende.
Gestalterisch spiegelte das Badezimmer zunehmend den Zeitgeist wider. In den 1970er Jahren dominierten gemusterte Fliesen; in den 1980er Jahren wurden die Farben für Fliesen und Objekte etwas zurückhaltender. Typisch waren Bahamabeige, Jasmin, Karamell, Manhattan oder Moosgrün.
In dieser Zeit erhielt Dallmer seinen ersten Designpreis: für einen WC-Bogen in den typischen Modefarben der damaligen Jahre. Durch ein Kugelgelenk ließ sich dieser stufenlos verstellen und eignete sich besonders für Renovierungen. Bis heute ist das Produkt in Weiß erhältlich.

Mit den 1990er Jahren begann schließlich die Entwicklung hin zu flacheren Duschtassen. Auch hierfür entstanden Entwässerungslösungen in den angesagten Farben.
Großzügige Badgestaltung durch Duschrinnen an der Wand
Als einer der ersten Anbieter brachte Dallmer in den 2000er Jahren so genannte Designabdeckungen für Punktabläufe auf den Markt und erhielt dafür mehrere Designpreise.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden Duschrinnen zum Trendprodukt. Direkt an der Wand installiert, eröffneten sie neue Möglichkeiten für eine großzügige Badgestaltung. Gleichzeitig wurden Fliesen großformatiger. Auf diese Entwicklung reagierte Dallmer 2013 mit der Duschrinne CeraWall, die erstmals die Duschrinne vom Ablauf trennt und sich gut für Bäder mit großen Fliesen eignet. Unter dem Namen „DallFlex“ wurde sie zu einer flexiblen Systemfamilie weiterentwickelt – mit einer Vielzahl an Ablaufgehäusen und Duschrinnen, die miteinander kombiniert werden können.
Schöne Lösungen für altersgerechte Bäder
Moderne Entwässerungssysteme eröffneten neue Gestaltungsmöglichkeiten für die Entwässerung an der Wand oder in der Fläche, für sichtbare Akzente oder unsichtbare Wasserableitung, für farbige oder befliesbare Oberflächen oder für dünnschichtige Designböden.

Parallel stieg das Interesse für das Thema Barrierefreiheit. Der Wunsch nach komfortablen und altersgerechten Bädern führte dazu, dass bodengleiche Duschen heute sowohl im Neubau als auch in der Sanierung eine wichtige Rolle spielen.
Warum viele Roste genau 90 × 90 mm groß sind
Die typischen Abmessungen der quadratischen Roste vieler Bodenabläufe von 90 × 90 oder 140 × 140 mm sind kein Zufall, sondern ein Stück Sanitärgeschichte. Sie orientierten sich an den Fliesenformaten der 1970er Jahre. Die Roste ließen sich damit harmonisch ins Fugenbild integrieren.
Damals spielte Entwässerung im privaten Badezimmer noch eine untergeordnete Rolle. Bodenabläufe kamen überwiegend in öffentlichen Bereichen zum Einsatz.
Erst Ende der 1980er Jahre entstand die Idee, Bodenabläufe gezielt auch in Duschen einzusetzen. Dies setzte die Entwicklung von Entwässerungssysteme mit dauerhaft sicheren Abdichtungen in Gang. Heute sind normgerechte Systeme auf Basis der DIN 1253 und der DIN 18534 Standard.
Für die Modernisierung älterer Bestandsbäder wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche technische Lösungen entwickelt, die den Einbau ebenerdiger Duschen erleichtern und hohe Einstiege vermeiden. Yvonne Dallmer beschreibt die Entwicklung so: „Aus dem funktionalen Bad wurde mit den Jahren ein wertvoll gestalteter Lebensraum. Damit haben sich für uns viele Chancen eröffnet, neue und schönere Lösungen zu entwickeln – weg vom einfachen Installationsmaterial, hin zu hochwertigen Designprodukten.“
Bodengleiche Duschen erfordern sichere Abdichtungen
Mit der zunehmenden Verbreitung bodengleicher Duschen rückte auch die sichere Abdichtung stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Ein wichtiger Meilenstein war die Einführung der DIN 18534. Die Norm für Bauwerksabdichtungen regelt seit 2017 die Abdichtung von Innenräumen. Im Oktober 2025 wurde sie erweitert: Der Ablauf wird nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil des gesamten Abdichtungssystems. Entscheidend ist der sichere Anschluss der Abdichtung an den Ablaufkörper, z. B. durch geeignete Flansche, Dichtmanschetten oder systemgeprüfte Anschlusslösungen.
Die DIN 18534 unterscheidet vier Wassereinwirkungsklassen und schafft damit klare Vorgaben für die Planung und Ausführung von Badezimmern und Duschen:
- W0-I: geringe Einwirkung (z. B. Gäste-WC)
- W1-I: mäßige Einwirkung (Bad ohne Dusche oder mit Wanne)
- W2-I: hohe Einwirkung (Duschen, auch bodengleich)
- W3-I: sehr hohe Einwirkung (gewerbliche Bereiche, Schwimmbäder etc.).
Sobald ein Bodenablauf in einer Innenraumfläche vorhanden ist, fällt die Fläche in der Regel mindestens in W1-I. Bodengleiche Duschen gehören in der Praxis meist mindestens zur Klasse W2-I. Die richtige Zuordnung ist absolut entscheidend, denn wird die Wassereinwirkungsklasse zu niedrig angesetzt, ist das Risiko späterer Feuchteschäden sehr hoch.
Das Problem dabei: Solche Schäden zeigen sich häufig erst nach mehreren Jahren. Dann ist oft schwer nachvollziehbar, wo die Ursache liegt und wer verantwortlich ist. Umso wichtiger sind fachgerechte Planung, sichere Anschlüsse und aufeinander abgestimmte Abdichtungssysteme.
Mehr Sicherheit durch abgestimmte Systeme
Der Trend geht deshalb zunehmend zu kompletten Systemlösungen und vorkonfektionierten Bauteilen. Ziel ist es, Fehlerquellen auf der Baustelle zu reduzieren und die Verarbeitung sicherer und schneller zu machen.
Dallmer hat die technische Entwicklung, die sich in der DIN 18534 widerspiegelt, mit vorangetrieben. So ist z. B. die geforderte Flanschbreite für Duschrinnen und Bodenabläufe von mindestens 50 mm beim Arnsberger Entwässerungsspezialisten schon seit Jahren Standard. Ablaufsysteme wie DallFlex 2.0 für die Linienentwässerung oder DallDrain für die Punktentwässerung sind auf die präzisierten Anforderungen der DIN 18534 abgestimmt: Die mitgelieferte Dichtmanschette ermöglicht den sicheren und normgerechten Anschluss des Ablaufs an die Bauwerksabdichtung.


Die Entwicklung des Badezimmers ist nicht nur eine Frage des Designs. Parallel zur gestalterischen Freiheit hat sich auch die technische Sicherheit der Entwässerung kontinuierlich weiterentwickelt – von einfachen Bodenabläufen hin zu normgerechten Systemlösungen für moderne Badarchitektur.
Sylvia Bösch
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