Klimaneutral heizen beim Baustoffhändler
Die Unternehmensgruppe Mobau Wirtz & Classen ist ein familiengeführtes, mittelständisches Unternehmen und bietet an 22 Standorten im Kreis Heinsberg sowie in der Region Mittlerer Niederrhein ein umfassendes Sortiment an Baustoffen für Bauvorhaben vom Keller bis zum Dach an.
Die Geschäftsführer sind bestrebt, das Unternehmen nachhaltig und zukunftsorientiert auszurichten. Die Sorge vor Versorgungsengpässen und steigenden Kosten durch z. B. die CO2-Abgabe trägt zu dem Wunsch nach einer Abkehr von fossilen Brennstoffen bei. Ein wesentlicher Faktor beim Energieverbrauch der Firma sind die ca. 40 Elektro-Gabelstapler, die tagsüber für die Warenlogistik sowie das Be- und Entladen der Lieferfahrzeuge genutzt werden. Zum Arbeitsschluss werden die Batterien der Fahrzeuge mit Strom aufgeladen, um sie für den Einsatz am nächsten Tag vorzubereiten. Um die Kosten für den Stromverbrauch zu senken und gleichzeitig auch den Strom für Beleuchtung, Klimaanlagen und IT-Netzwerktechnik zu erzeugen, ließen die Inhaber des Unternehmens im Jahr 2022 eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 500 kWPeak auf den Dachflächen der Lagerhallen installieren. Mit diesem eigenen Kraftwerk schafft es das Unternehmen, in den Sommermonaten ausreichend Strom zu produzieren, um unabhängig von Stromversorgern zu sein.
Projekttafel
Projekt: Heizungsmodernisierung Mobau Wirtz & Classen, Heinsberg
Wärmebedarf der Gebäude: 300 kW
Altes Heizsystem: Gasheizung, Verbrauch ca. 320.000 kWh/a Gas und Ölheizung, Verbrauch ca. 54.000 l/a
Neues Heizsystem: 18 Nibe F2120-20 Luft/Wasser-Wärmepumpen in Kaskade, aufgeteilt auf zwei Anlagen
Verwaltungsgebäude: 8 Nibe F2120-20 Wärmepumpen, 2 Regelungen Nibe SMO S40, 750-l-Pufferspeicher
Lagerhallen: 10 Nibe F2120-20 Wärmepumpen, 2 Regelungen Nibe SMO S40, 3 × 1.000 l Pufferspeicher
Umsetzung: Nibe Effizienzpartner Mund Haustechnik GmbH, Erkelenz
Strom = Wärmepumpe
Der Nibe Effizienzpartner Hans-Günter Mund betreut und wartet die Gasheizung im Verwaltungsgebäude sowie die Ölheizung für die Lagerhallen. Die Heizung war bereits 35 Jahre alt, und es wurde zunehmend schwerer, Ersatzteile für die betagte Anlage zu bekommen.
Als Hans-Günter Mund von der groß dimensionierten PV-Anlage erfuhr, erkannte er die Chance, den Strom, der bis zum Feierabend der Gabelstaplerfahrer im Überschuss produziert wird, sinnvoll für eine Modernisierung der Heizungsanlagen mit Wärmepumpen zu nutzen. Er erstellte ein Konzept für den Austausch der Gas- und Ölheizung gegen zwei Kaskaden aus insgesamt 18 Nibe Luft/Wasser-Wärmepumpen F2120-20.
Zwei Anlagen, ein Konzept
Den Heizbedarf im Verwaltungsgebäude und der Fliesenausstellung decken acht Nibe Luft/Wasser-Wärmepumpen, die hinter dem Gebäude auf dem Parkplatz installiert wurden.

Zur Wärmeversorgung der Lagerhallen werden zehn Wärmepumpen in Kaskade eingesetzt. Sie wurden auf einem Zwischenboden in einer der riesigen Hallen aufgestellt, um durch kurze Wege zum Technikraum Leistungsverluste zu reduzieren. Die großen Tore der Hallen stehen tagsüber offen, sodass eine ausreichende Luftzirkulation gewährleistet ist. Am Aufstellort in der Halle kommt es durch die dort umgeschlagenen Baumaterialien zu einer höheren Staubbelastung der Anlagen, die bei Bedarf durch ein zusätzliches Wartungsintervall zur Reinigung kompensiert werden kann.

Das Konzept sieht eine zeitliche Steuerung des Stromverbrauchs vor: In den Regelungen Nibe SMO S40 sind die Abnahmezeiten für die Verwendung des selbst erzeugten PV-Stroms einprogrammiert. Diese Zeitfenster werden genutzt, um das insgesamt 3.750 l fassende Volumen der Pufferspeicher ausreichend mit warmem Wasser zu befüllen.

Die Wärmeverteilung in den Hallen erfolgt über die bestehenden Deckenlüfter aus der Zeit der Ölheizung. Altersbedingt müssen diese Lüfter nach und nach erneuert werden, aber grundsätzlich konnte das System zur Wärmeverteilung für den Betrieb mit den Wärmepumpen weiter genutzt werden. Im Verwaltungsgebäude und in der Ausstellung wird die Wärme über Heizkörper und zum Teil mit einer Fußbodenheizung verteilt. Auch dieses System konnte ohne Anpassungsbedarf von den Wärmepumpen genutzt werden.

Der Kunde ist mehr als zufrieden!
Das Konzept überzeugte den Bauherren, und nach intensiver Planung erfolgte der Umbau im September 2024. So weit möglich, wurden die alte und die neue Anlage parallel nebeneinander betrieben, um die Ausfallzeit der Heizung zu minimieren. Der kritische Punkt war die Abschaltung der alten Anlage, die unglücklicherweise mit einem Wetterumschwung einherging, sodass die Temperaturen in den Büros an diesen Tagen wenig arbeitsfreundlich waren. Diese Situation konnte durch den Einsatz von Heizlüftern und die Heizfunktion der elektrisch betriebenen Klimaanlage aufgefangen werden.
Im jetzigen Regelbetrieb sind die Wärmepumpen für den Heizbedarf der Gebäude optimal eingestellt und laufen problemlos. Sollte eine Nachjustierung notwendig sein, kann die Firma Mund über Nibe myUplink die Steuerung auslesen und entscheiden, ob die Anpassung per Fernwartung ausgeführt werden kann, oder ob der Besuch eines Servicetechnikers notwendig ist.
Die Inhaber Wirtz und Classen sind so überzeugt von dem Anlagenkonzept, dass sie die Heizung an einem anderen Standort der Firma bereits nach diesem Vorbild haben modernisieren lassen.
Getaktete Anlage für maximale Effizienz
Nibe Effizienzpartner Hans-Günter Mund entschied sich bei dem Konzept bewusst für 18 einzelne Nibe Luft/Wasser-Wärmepumpen, um die benötigte Heizleistung von 300 kW zu erzielen.
„Eine große Anlage wäre vielleicht in den Investitionskosten etwas günstiger gewesen, aber der überzeugende Vorteil dieses Anlagenkonzepts ist, dass die drehzahlgeregelten Nibe Wärmepumpen die Heizlast der Gebäude durchgehend von 4 bis 300 kW abbilden können – das ist deutlich effizienter als eine große Anlage. Damit werden sich die Kosten im Betrieb schnell wieder einspielen“, so Mund.
Eine Investition, die sich lohnt
Das Einsparpotenzial der Umstellung von alten Gasheizungen auf neue Wärmepumpen ist enorm: Je größer das Objekt, desto schneller die Amortisation. Die Einsparung in Heinsberg beträgt zurzeit ca. 75.000 € pro Jahr. Zudem hätten die alten Anlagen früher oder später ohnehin ersetzt werden müssen. Die Firma profitierte darüber hinaus von der staatlichen Förderung, die auch für gewerblich genutzte Anlagen in Anspruch genommen werden konnte.
Mit der Kombination der großen PV-Anlage und den Wärmepumpen gelang es, das Unternehmen am Standort Heinsberg vollständig zu dekarbonisieren.
Eine Information der Nibe Systemtechnik GmbH, Celle
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