Wer das Landratsamt Kulmbach betritt, ahnt zunächst nichts von dem technologischen Wandel, der sich hinter den Mauern des Verwaltungsgebäudes aus den 1960er Jahren vollzogen hat. Der Bau repräsentiert die Herausforderung, vor der viele Kommunen heute stehen: gewachsene Strukturen, heterogene Sanierungsstände und eine klassische Wärmeversorgung über Gas und Heizkörper. Doch hier zeigt sich, dass die Wärmewende auch im Bestand möglich ist – wenn Planung, Technik und Umsetzung ineinandergreifen.
Mit Blick auf die Energiewende entschied sich der Landkreis, den Status quo des Gebäudes grundlegend zu verändern. Landrat Jonas Gleich betont die strategische Bedeutung des Vorhabens und bezeichnet die Anlage als „echtes Referenzobjekt für moderne Gebäudetechnik“. Zudem macht er deutlich, dass es nicht nur um Technik gehe, sondern um Zukunftsfähigkeit: Ziel sei es, den Energieverbrauch nachhaltig zu senken und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen deutlich zu reduzieren. Denn bislang wurde das Hauptgebäude vollständig über eine gasbetriebene Heizanlage beheizt. Dabei entstanden jährlich rund 85 t CO₂. Angesichts steigender Anforderungen an Energieeffizienz und Klimaschutz war eine Reduzierung dieses Ausstoßes dringend geboten.
Projektdaten
Projekt: Landratsamt Kulmbach
Gebäudetyp: Verwaltungsgebäude (Baujahr 1960er-Jahre)
System: Luft/Wasser-Wärmepumpen in Parallelschaltung (System C®)
Geräte: 3 × LA 4060CP
Kältemittel: R290 (Propan)
Vorlauftemperatur: bis 70 °C
Betriebsweise: bivalent mit Gas-Spitzenlastkessel
Besonderheiten: Integration in GLT, Nutzung von PV-Strom, modular erweiterbar
Projektlaufzeit: ca. 9 Monate
Komplexe Ausgangslage im Bestand
Die Projektverantwortlichen standen vor einer typischen, aber anspruchsvollen Situation: Das Gebäude war über die Jahre hinweg teilweise energetisch modernisiert worden – etwa durch Fassadensanierung, neue Fenster und die Installation einer Photovoltaikanlage. Dennoch blieb die Wärmeerzeugung konventionell.
Besonders herausfordernd war die heterogene Gebäudestruktur. Während einzelne Bereiche bereits energetisch optimiert worden waren, befanden sich andere Teile noch im ursprünglichen Zustand. „Die Integration der neuen Wärmepumpen in diese gewachsene Struktur erforderte eine präzise Planung und Abstimmung“, erläuterte Martin Schmidt vom Sachgebiet Hochbau-Technik. Die bestehende Wärmeverteilung über Heizkörper sollte erhalten bleiben – ein wichtiger Aspekt, um Eingriffe in die Gebäudesubstanz zu minimieren. Zudem sei es während der Sanierung der Gebäudetechnik entscheidend gewesen, die Versorgungssicherheit zu jedem Zeitpunkt aufrechtzuerhalten.
Technisches Konzept: leistungsfähig und bestandstauglich
Die Lösung basiert auf einer Parallelschaltung von drei Luft/Wasser-Wärmepumpen des Typs LA 4060CP der System C®-Reihe von Dimplex. Die Geräte wurden auf einer Freifläche vor dem Gebäude installiert und in die bestehende Infrastruktur integriert. Zum Einsatz kommt das Kältemittel Propan (R290).
Ein entscheidender Vorteil des neuen Wärmepumpensystems liegt in den erreichbaren Vorlauftemperaturen. Mit bis zu 70 °C können die vorhandenen Heizkörper weiterhin genutzt werden, ohne dass umfangreiche Anpassungen notwendig sind.

Seit der Inbetriebnahme Ende 2025 arbeiten die Wärmepumpen bereits weitgehend autark. Für seltene Spitzenlasten blieb die bisherige Gasheizung als bivalente Absicherung erhalten und kann sich bei Bedarf automatisch zuschalten. „Mit der neuen Technik kann der Gasverbrauch nun deutlich gesenkt werden. Zugleich wächst die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und deren mittlerweile stark schwankenden Preisen. Stattdessen setzt der Landkreis verstärkt auf erneuerbare Energiequellen und moderne Wärmepumpentechnologie“, erläutert Schmidt.
Intelligente Systemintegration und Nutzung von PV-Strom
Neben der eigentlichen Wärmeerzeugung spielt die Systemintegration eine wichtige Rolle. Die Anlage ist vollständig in die Gebäudeleittechnik eingebunden und wird zentral gesteuert. Dadurch kann der Betrieb kontinuierlich an den aktuellen Bedarf angepasst werden.

Ein weiterer Effizienzfaktor ist die Nutzung des vor Ort erzeugten Photovoltaikstroms. Er kann für den Betrieb der Wärmepumpen mitgenutzt werden und damit sinken die Betriebskosten.
Das System ist zudem modular aufgebaut und kann bei Bedarf erweitert werden. Für die langfristige Planung öffentlicher Gebäude ist dies ein wichtiger Aspekt.
In der Planung war vorgesehen, rund 70 bis 80 % des Wärmebedarfs über die Wärmepumpen zu decken und den CO₂-Ausstoß entsprechend deutlich zu reduzieren. Nach der ersten Heizperiode fällt das Fazit mehr als positiv aus: Die 80 % wurden bereits übertroffen.
Unterstützt wurde das Vorhaben durch eine Bundesförderung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), die 35 % der Investitionskosten abdeckt.
Schnelle Umsetzung mit Vorbildcharakter
Bemerkenswert ist die kurze Projektlaufzeit. Zwischen Ausschreibung und Inbetriebnahme lagen lediglich neun Monate, ein entscheidender Vorteil für öffentliche Auftraggeber mit straffen Zeitplänen. Planung und Projektierung wurden durch Glen Dimplex übernommen, die Installation erfolgte durch einen örtlichen Installationsbetrieb, die SPIE Wiegel GmbH. Ergänzt wurde das Projekt durch eine Vor-Ort-Abstimmung sowie einen Anlagencheck durch den Dimplex Werkskundendienst.
Fazit: Blaupause für die Wärmewende im Bestand
Die Wärmepumpenanlage am Landratsamt Kulmbach macht deutlich, dass auch komplexe Bestandsgebäude erfolgreich auf erneuerbare Wärmetechnologien umgestellt werden können. „Ein anspruchsvolles Projekt – und gleichzeitig ein wichtiger Schritt in Richtung klimafreundliche und zukunftssichere Energieversorgung“, lautet das Fazit der Verantwortlichen.
Eine Information der Glen Dimplex Deutschland GmbH, Kulmbach
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