Mit Herz, menschlicher und künstlicher Intelligenz

Kulturwandel bekämpft Fachkräftemangel

Das Sulzburger Unternehmen Hekatron Brandschutz stellt traditionell Brandmeldesysteme, Rauchwarnmelder und Feststellanlagen her. Als Antwort auf bestehende und Vorausnahme künftiger Herausforderungen sind nicht nur neue Technologien und digitale Lösungen im Programm. An ihrer Entwicklung ebenso wie an der Transformation des gesamten Unternehmens einschließlich seiner Beziehungen zu Kunden, Errichtern und Gebäudebetreibern arbeitet man hier mit partnerschaftlichen Ansätzen und agilen Methoden.

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„Wir müssen jeden Tag etwas anders tun, sonst verändert es sich nicht.“ Petra Riesterer, Geschäftsführerin Hekatron Brandschutz, auf dem Hekatron Partnerform im Mai auf dem Landgut Stober in Nauen in der Nähe von Berlin. Bild: Hekatron Brandschutz
„Wir müssen jeden Tag etwas anders tun, sonst verändert es sich nicht.“ Petra Riesterer, Geschäftsführerin Hekatron Brandschutz, auf dem Hekatron Partnerform im Mai auf dem Landgut Stober in Nauen in der Nähe von Berlin. Bild: Hekatron Brandschutz

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wird künftig ein deutlicher Rückgang der Zahl zur Verfügung stehender Menschen zu erwarten sein, die einen Job in einem Unternehmen oder einer Institution antreten. Viele von diesen werden noch dazu auch andere Erwartungen an die Arbeitswelt haben. Das muss jedoch nicht die große Katastrophe sein, die vielfach befürchtet wird.

Sicher haben Sie solche Aussagen auch schon einmal gehört: „Wir finden einfach kein Personal, um die Abgänge zu ersetzen. Die jungen Leute wollen nicht arbeiten. Sie wollen „Work-Life-Balance, maximal vier Tage und die auch noch von Zuhause aus arbeiten. Leistung zu bringen, daran haben sie kein Interesse.“ Mit diesen Worten eröffnete Prof. Dr. Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen (IBE), ihre Keynote auf dem diesjährigen Partnerforum von Hekatron, das im Mai in Nauen bei Berlin stattfand. Rump erforscht Trends in der Arbeitswelt (Digitalisierung, Demografie, Diversität, gesellschaftlicher Wertewandel, technologische Trends, ökonomische Entwicklungen, Disruptionen) und die Konsequenzen für Personalmanagement und Organisationsentwicklung.

Generationenwandel = Kulturwandel

Wollen junge Menschen also wirklich nicht arbeiten oder wollen sie einfach anders arbeiten? Und was genau heißt „anders“? Die Generationen, die heute mit den Zeichen X, Y und Z markiert werden, sind die Kinder und die Enkel der so genannten Boomer, erklärt Jutta Rump. Diese Boomer seien einst in ziemlich autoritären Erziehungsstrukturen aufgewachsen, wollten sie selbigen Kindern jedoch ersparen und ließen sie vielfach schon früh mitreden und -entscheiden. Das hat Spuren hinterlassen und Türen geöffnet: Diese nun erwachsenen Kinder erwarten das auch in der Arbeitswelt. Für Generation X (1965–79), Y oder auch Millennials (1980–94) und Z (1995–2009) muss die Arbeit Sinn haben, sie wollen ein partnerschaftliches Arbeitsklima (Kaffee und Obst sind ein Sahnehäubchen) und sie bleiben nicht um jeden Preis bis zum Ende ihres Arbeitslebens im Unternehmen. Zugleich sind die Technikaffinität und der Anspruch an Kooperation in jeder Folgegeneration gestiegen.

Für die Arbeitswelt komme deshalb mit dem Generationenwechsel auch ein Kulturwandel, sagt Rump.

Transformation beim „Boomer“

Das Unternehmen Hekatron, dessen Geburt sich in einem der letzten „Boomerjahre“ 1963 zutrug, nimmt sich dieser Herausforderungen – der schrumpfenden Bewerberzahlen und der Erwartungen der jungen Menschen, die an Bord kommen – bereits aktiv an und hat auch die Kultur in vielen Unternehmensbereichen bereits erfolgreich transformiert.

Dass hier die Generationen miteinander ins Gespräch kommen und ihre Qualitäten und Kompetenzen gegenseitig schätzen lernen, ist nicht zuletzt das Verdienst von Diplom-Elektroingenieurin Petra Riesterer, die Hekatron Brandschutz (Produktentwicklung und Vertrieb) seit 2022 als Geschäftsführerin vorsteht. Sie ist seit bald 25 Jahren im Unternehmen, als Entwicklungsingenieurin, Produktmanagerin und zuletzt Leiterin des Leistungsportfoliomanagements. Sie kennt die Brandschutztechnik, sämtliche Abläufe, die meisten Mitarbeitenden und nicht zuletzt auch die Vertriebspartner. Ihre Themen sind die Zukunft des Brandschutzes, Strategieentwicklung, Digitalisierung, Neue Arbeitswelt und Nachhaltigkeit.

Dabei hat sie keine Scheu gegenüber Technologien der Zukunft oder auch kollaborativen Ansätzen des Miteinanders im Unternehmen. Riesterer hält es für das Beste, möglichst viel Verantwortung ins Unternehmen zu geben. Die so genannten „flachen“ Hierarchien werden hier in Echtzeit gelebt und was dabei herauskommt, wenn junge Menschen nicht lediglich nach dem Berufsabschluss, der auf ihrem Zeugnis steht, bewertet und eingesetzt werden, sondern sich mit dem ganzen Spektrum ihrer Interessen und Kompetenzen einbringen könne, spiegelt sich nicht nur in der Mitarbeiterzufriedenheit wider, sondern auch in den konkreten Ergebnissen der jetzt zunehmend in agilen Sprints erfolgenden Produktentwicklung.

Zudem wird in Weiterbildung und Organisationsentwicklung investiert. Das muss bei der Managementebene anfangen, die mehrtägige Workshops besucht, sagt Riesterer. Im Ergebnis gebe es keine Endlos-Meetings mehr, dafür mehr Klarheit und Struktur. Man zerrede die Dinge nicht, sondern fängt einfach an. „Wir müssen jeden Tag etwas anders tun, sonst verändert es sich nicht“, so Petra Riesterer.

Auch wirtschaftlich macht es sich bemerkbar: So schloss Hekatron das zurückliegende Geschäftsjahr trotz der derzeit herausfordernden Rahmenbedingungen mit einem akzeptablen Ergebnis ab und investierte u. a. in Forschung und Entwicklung.

KI selber machen

Als einen Schlüssel zum Umgang mit einem zurückgehenden Arbeitskräfteangebot sieht man bei Hekatron insbesondere auch die Einführung von Künstlicher Intelligenz. Das Unternehmen hat sie in den letzten zwei Jahren in Angriff genommen und sowohl personell als auch mit einem Budget unterstützt.

„Die Frage ist nicht, ob Künstliche Intelligenz unseren Alltag verändern wird – sondern wie wir die KI nutzen, um die Zukunft unserer Branche gemeinsam zu gestalten“, sagt Riesterer. „Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels kann Technologie entscheidend dazu beitragen, die vorhandenen personellen Ressourcen so zielgerichtet und effizient wie möglich zu nutzen.“

Das KI Team wurde durch einen internen Aufruf gefunden. Wie auch in den anderen eigens geschaffenen Kreisen (z. B. Nachhaltigkeit und New Work) werden so Menschen angezogen, die sonst nicht unbedingt zusammenkommen würden, sagt Petra Riesterer. Der KI Kreis befasst sich zum einen mit der Verschlankung betriebsinterner Prozesse und zum anderen mit digitalen Anwendungen und Dienstleistungen, die die Kunden bei der fortschreitenden Digitalisierung des Brandschutzes unterstützen.

Dabei sind auch Experimente möglich. Es wird Code geschrieben, es werden Tests durchgeführt, Fehler gefunden und die Qualität verbessert. KI Use Cases werden z. B. bei der internen Verteilung der in die hunderttausende gehenden E-Mails und der Beantwortung verschiedenster Kundenanfragen umgesetzt. Man analysiert die Risiken, denn KI muss verantwortungsvoll verwendet werden und den Datenschutz berücksichtigen. So setzt Hekatron alle Use Cases in geschlossener Umgebung um, hat eine eigene IT-Struktur für Cloudanwendungen und die Server stehen in der Schweiz, sagt Petra Riesterer.

Für die Errichter (sowie letztlich Endkunden, d. h. Gebäudebetreiber) von Brandmeldeanlagen werden außerdem Online-Dienste und -Portale geschaffen, die diese zum einen bei Errichtung, Inbetriebnahme und laufendem Betrieb der Anlagen unterstützen, und zum anderen auch die Transformation zum Arbeiten mit KI in ihren Unternehmen voranbringen. Man teilt etwa öffentlich und kostenfrei Mittel, Wege und Erfahrungen mit der Transformation bei Hekatron und bietet den Partnern auch Weiterbildung und Erfahrungsaustausch im Unternehmen selbst sowie über Dritte an.

Analoge und digitale Produkte und Dienstleistungen verknüpfen

In den kommenden Jahren werden bei Hekatron neue maßgeschneiderte Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entstehen, mit denen Fachkräfte zielgerichteter eingeplant, unnötige Wege vermieden und die Arbeitsabläufe komfortabler und schneller werden können.

HPlus Status bringt die digitale Vernetzung von Gebäuden auf ein neues Niveau. Bild: Hekatron Brandschutz

„Zu unseren neuen digitalen Dienstleistungen zählt HPlus Status, die normierte Alarm- und Störungsübertragung, die sich an den Anforderungen von Betreibern und Feuerwehren orientiert“, heißt es aus dem Unternehmen. Neben HPlus Remote, dem Fernzugriff auf Brandmeldeanlagen, werde Hekatron somit zusätzlich vollautomatisiert normierte Störungen und Alarme von Gefahrenmeldeanlagen übermitteln. Damit kann die Zahl der online angebundenen Gebäude in den kommenden Jahren signifikant steigen – und die der Menschen, die noch vor Ort tätig werden müssen, sinken. HPlus Status, eine effiziente und zuverlässige Komplettlösung für die Feuerwehraufschaltung, die vollautomatisiert normierte Störungen und Alarme von Gefahrenmeldeanlagen übermittelt, ist unabhängig vom Hersteller der Brandmeldeanlage nutzbar. Die Konnektivität durch die Übertragungseinheit und das eigenständige Hekatron Telekommunikationsnetz ermöglichen in Zukunft die Vernetzung mit weiteren Systemen. Alle Daten (und damit verbundenen Möglichkeiten) verbleiben allein in der Hoheit der Anwender.

HPlus Status war dann auch eine der Neuvorstellungen auf der diesjährigen Feuertrutz Messe in Nürnberg. HPlus Status sowie die zugehörigen Produkte und Services sind bereits in Südbaden verfügbar. Sukzessive werden weitere Leitstellen im gesamten Bundesgebiet folgen.

MSc, Dipl.-Ing. Silke Schilling

Dipl.-Ing. Silke Schilling
Chefredakteurin
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· Artikel im Heft ·

Kulturwandel bekämpft Fachkräftemangel
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