DKV-Tagung 2022 – Spannendes aus der Kryotechnik
Der Begriff „Kryotechnik“ sagt den meisten Menschen nichts. Kryotechnik (von griech. Kälte, Eiseskälte) steht für Kältetechnik bei Temperaturen unter -153 °C (120 K). Welche Relevanz hat nun diese Kryotechnik? Derzeit sogar eine ganz erhebliche: Flüssigerdgas (LNG, bei -162 °C / 111 K) z.B. ist nur mittels Kryotechnik darstellbar. Erst der tiefkalt-flüssige Aggregatszustand ermöglicht einen wirtschaftlichen Übersee-Transport. Thermisch extrem gut isolierte Tankschiffe kommen hier zum Einsatz, enorme LNG-Mengen werden weltweit erzeugt, transportiert und vertrieben. Die Einrichtung entsprechender Schiffsterminals in Norddeutschland wurde gerade verkündet. Ähnlich mit Flüssigwasserstoff, bei sogar -253 °C / 20 K. Gemäß der Mitte 2020 vom dt. Bundestag beschlossenen Nationalen Wasserstoffstrategie soll Wasserstoff eine bedeutende Rolle als künftiger, lokal emissionsfreier Energieträger einnehmen. Auch hier erlaubt der tiefkalt-flüssige Aggregatszustand die mit Abstand höchste Speicherdichte, damit einen effizienteren Transport sowie höhere Reichweiten, etwa bei einem jüngst hierzulande vorgestellten schweren Lkw.
Eine weitere wichtige Tieftemperatur-Anwendung ist die Supraleitung. Hier wird zumeist mit Flüssighelium gekühlt, auf eine Temperatur von -269 °C / 4 K – nur noch vier Grad über dem Absoluten Nullpunkt. Dies kommt zum Einsatz etwa bei Kernspintomographen, welche inzwischen Standard sind in der medizinischen Diagnostik. Nur mittels Kryotechnik und Supraleitung lassen sich dort die notwendigen extrem hohen Magnetfelder erzeugen. Nebenbei: Kryotechnik ermöglicht auch die Langzeit-Konservierung von Blutkonserven, von Eizellen, oder auch von Virusproben. Viele der Erkenntnisse über Verbreitung und Mutation von Krankheitserregern basieren auf den Möglichkeiten der Kryotechnik.
Klar, dass Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet eine wichtige Rolle spielen, ebenso der fachliche Austausch von hier beteiligten Forschern und Firmen. Vieles spielt sich im internationalen Bereich ab, der Besuch entsprechender Tagungen erfordert oft aufwändige Reisen etwa in die USA oder in andere Länder. Dies stellt für viele der hiesigen Akteure eine gewisse Hürde dar, eine Teilnahme oftmals eine zeitliche und finanzielle Abwägung. Die DKV-Jahrestagung mit ihrer Arbeitsabteilung Kryotechnik, welche in Deutschland stattfindet, ist da oftmals eine interessante Alternative. Als bedeutendste deutschsprachige Tagung zu diesem Thema bietet sie eine ausgezeichnete Plattform zum Austausch von Fortschritten auf diesem Bereich. Mit diesbezüglichen Teilnehmern sowohl aus der Industrie als auch von Forschungszentren und von Universitäten finden sich hier im Allgemeinen alle Akteure zusammen.
Themen in diesem Jahr in der Arbeitsabteilung I – Kryotechnik
- Kryogene Großanlagen und Verflüssiger
- Kryokühlung für die Supraleitung
- Tieftemperaturtechnik in der Grundlagenforschung
- Kryogene Energieträger (LNG; Flüssigwasserstoff)
- Kryostate, Dewargefäße, Transferleitungen
- Cryocooler; Messtechnik
- Kryoanwendungen in Biologie und Medizin
- Fluiddaten und Materialien.












