Gaskrise

Verbände fordern Fokus auf Energieeffizienz

50 Tage vor Beginn der Heizperiode bleibt die Bundesregierung im Bereich Energieeffizienz tatenlos, kritisieren die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V., der Energieberaterverband und weitere Verbände.

Quelle: stock.adobe.com/K.C.
Quelle: stock.adobe.com/K.C.

Seit Beginn des Ukrainekriegs habe die Ampelkoalition keine nennenswerten Schritte unternommen, um die Gasnachfrage für Gebäudeheizung und Industriewärme deutlich zu reduzieren, monierten anlässlich der am 1. Oktober beginnenden Heizperiode Verbände aus den Bereichen Verbraucher*innenschutz, Umwelt, Energieeffizienz und Energieberatung in einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Wichtig seien dauerhaft wirkende Steigerungen der Energieeffizienz durch Investitionen in effizientere Gebäude, Unternehmen und öffentliche Infrastruktur, hieß es in einer gemeinsamen Pressekonferenz von Deutscher Naturschutzring (DNR), Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF), Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und Energieberaterverband GIH.

Nach Schätzungen einer Studie des Exzellenzclusters ECONtribute muss Deutschland in dieser Heizperiode 20 bis 25 % Erdgas einsparen. Die Verbände wünschen sich dafür eine breite Kampagne der Bundesregierung, die in allen Lebensbereichen Aufmerksamkeit erregt, unter Einbeziehung einer konkreten Ansprache aller Verbraucher über ihre Energieversorger, Vermieter oder auch Baumärkte zum Thema Energiesparen, Energieeffizienz und die zahlreichen niedrigschwelligen Maßnahmen, die dazu beitragen können.

„Das Thema Energieeffizienz war nie wichtiger als heute. Aber die Bundesregierung ist tatenlos", sagt Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der DENEFF. "Wir haben uns als DENEFF der Energiesparkampagne der Bundesregierung angeschlossen, erleben jedoch das Gegenteil dessen, was politisch notwendig wäre. Statt das bereits im Februar angekündigte Energieeffizienzgesetz auf den Weg zu bringen, wurden nun die Fördermittel für die Gebäudesanierung drastisch gekürzt. Im Industriebereich stockt die Förderung bereits seit Monaten. Dabei ist es wichtig, Investitionen in Maßnahmen anzustoßen, die Haushalte und Unternehmen dauerhaft aus der Energiekostenfalle befreien – und zwar ohne Frieren und Produktionseinschränkungen. Energieeffizienz muss ebenso wie der Ausbau der Erneuerbaren als übergeordnetes öffentliches Interesse vorangebracht werden“. Vorschläge für ein Energiesparpaket hatte die DENEFF im März gemacht.

DENEFF Energiesparpaket im Überblick. Quelle: Deneff
DENEFF Energiesparpaket im Überblick. Quelle: Deneff

„Mit Blick auf die teilweise drastisch gestiegenen Lebens-, Zins- und Energiekosten benötigen Verbraucherinnen und Verbraucher Investitionssicherheit", sagt Benjamin Weismann, Geschäftsführer des Energieberaterverbands GIH. "Die plötzliche, harte Konditionsverschlechterung bei der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und vorausgegangene Förderstopps beim Neubau haben die Akzeptanz für energetisches Bauen und Sanierung am Markt stark geschwächt. Es braucht eine eindeutige Zusage der Bundesregierung in Sachen Energieeffizienz und langfristig ausgelegte Förderung.“ Der GIH kritisiert zudem, dass die Bestimmungen zum Wärmeschutz bei Neubauten in der Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) aufgeweicht wurden. In die BEG sollte zudem unbedingt die Materialförderung bei Eigneleistungen wieder aufgenommen werden.

Die Sanierung der Hülle werde leider nur mit 15-20 % gefördert, weit weniger also als die der Heizungstechnik. Es sei jedoch besser, Wärmepumpen auch "artgerecht", d. h. im energetisch sanierten Bestand einzubauen, anstatt sie als Allheilmittel einzusetzen. Beginne man mit der Wärmepumpe, könne die bis zur Ertüchtigung der anderen Gebäudebestandteile immerhin der Heizungsunterstützung dienen.

Ein großes Problem seien überdies Wohnimmobilien in der Hand von WEGs. Beim Ersatz insbesondere von Etagenheizungen gegen zentrale und/oder Anlagen mit erneuerbaren Energien brauche es hier neue Gesetze und Förderungen, denn die Sanierungsrate liege hier mit 0,6 % noch einmal weit unter dem Bundesdurchschnitt von ca. 1 %.

Im Juni rief das BMWK in einem breiten Verbändebündnis die Kampagne "80 Millionen gemeinsam für den Energiewechsel" ins Leben. Dr. Thomas Engelke, Teamleiter Energie und Bauen beim Verbraucherzentrale Bundesverband reicht das nicht: „Energiesparen muss gemeinschaftlich erfolgen: Industrie, Handel und Gewerbe, der öffentliche Sektor und die privaten Haushalte müssen jetzt alles tun, um Energie, insbesondere Gas zu sparen. Energiesparappelle allein reichen aber nicht aus, um private Haushalte mittel- und langfristig von hohen Gas- und Energiepreisen zu entlasten, denn sie führen nicht zu den notwendigen strukturellen Investitionen in mehr Energieeffizienz bei der Gebäudehülle und in den schnellen Austausch von fossilen Heizungen. Daher muss die Gebäudehülle der schlechtesten Gebäude jetzt angefasst und energetisch saniert werden. Die Bundesregierung darf nicht auf Brüssel warten, hier entsprechende Standards zu setzen. Es sind über 20 Mrd. Euro erforderlich, um eine ambitionierte Gebäudesanierung in Ein- und Mehrfamilienhäusern umzusetzen.“

“Die Energiewende ist durch Putins Angriff auf die Ukraine und auf Europas Energieversorgung umso wichtiger geworden. Von Anfang an fußt die Energiewende auf drei Säulen aus: Mehr Erneuerbare, mehr Einsparung, mehr Effizienz.  Doch statt die Energiewende als Ganzes anzugehen, lässt auch die Ampel die Einsparungen und die Effizienz stiefmütterlich links liegen. Doch hier entscheidet sich die Versorgungssicherheit – und nicht an der Frage, ob einzelne Atomkraftwerke länger laufen sollten", kritisiert Prof. Dr. Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR). Er verweist darauf, dass allein das Abschalten der Stand-by-Modi aller deutschen Haushaltgeräte genügen würde, den Strom der drei noch laufenden Atomkraftwerke überflüssig zu machen.

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