19. Forum Wärmepumpe

Am 24. und 25. November traf sich die Wärmepumpenbranche mit Vertreter*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik im Estrel Hotel Berlin zum 19. Forum Wärmepumpe zu Austausch und Diskussion.

Quelle: BWP
Quelle: BWP

Dank eines detaillierten Schutz- und Hygienekonzepts seitens des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) e.V. und der Erfahrung des Estrel Hotels als Deutschlands größtem Kongresscenter, kamen an zwei Tagen knapp 120 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vor Ort zusammen. Außerdem waren ca. 200 Teilnehmer online zugeschaltet.

Wärmepumpe ist zentral für die Wärmewende

In seiner Keynote betonte Prof. Henning vom Fraunhofer ISE die bedeutende Rolle der Wärmepumpe zur Erreichung der Klimaziele im Gebäudesektor. Frau Dr. Simone Peter präsentierte das 100-Tage-Programm für die Wärmewende des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE): „Von den in der Natur vorkommenden Energieformen ist die thermische Energie in der Erde besonders gut geeignet, um den hohen Bedarf an Erneuerbarer Wärme zu decken. Mit der Verbindung von Geothermie, Solarthermie, Bioenergie, Wärmepumpen und Strom aus Erneuerbaren Energien kann eine echte Wende auf dem Wärmemarkt gelingen.“ Der BEE ist auch Initiator der „Woche der Wärme“, die parallel zum Forum mit einem digitalen Veranstaltungsprogramm läuft  und vom BWP unterstützt wird.

Koalitionsvertrag am 24.11 um 15:00 Uhr veröffentlicht

Besonders spannend war die Tatsache, dass sich am ersten Veranstaltungstag drei Vertreter der Koalitionsparteien den Fragen der Branche stellten, während zeitgleich die finalen Koalitionsverhandlungen der Ampelkoalition liefen.

Auf dem „virtuellen Podium“ diskutierten Timon Gremmels (MdB – SPD), Dr. Julia Verlinden (MdB - Bündnis 90/Grüne) und Sandra Weeser (MdB – FDP)  mit den Teilnehmenden.Es herrschte Konsens darüber, dass sowohl der Ausbau der erneuerbaren Energien, als auch das Thema Strompreis und Sanierung des Gebäudebestands zentrale Themen der neuen Regierung sein werden.

Dr. Martin Sabel konnte am Nachmittag dann die für die Branche entscheidenden Punkte aus dem Koalitionsvertrag präsentieren und erste Einschätzungen abgeben: „Wir begrüßen die angestrebte Übernahme der EEG-Umlage in den Haushalt ab 2023.  Die angekündigten Änderungen im Gebäudeenergiegesetz sind zwar sehr ambitioniert, aber zugleich zeitlich nachgelagert. Ab 2025 soll ein Erneuerbaren-Gebot von dann 65% gelten, und zwar auch beim Heizungstausch im Bestand. Auch der angekündigte Mindeststandard EH-40  im Neubau  soll erst 2025 kommen. Hier wie dort bleibt der Vertrag die Zwischenschritte schuldig. Zudem hätten wir uns ein deutlicheres Bekenntnis zur Fortsetzung der Bundesförderung effiziente Gebäude gewünscht. Die Anhebung der Neubaustandards auf KFW 40 ist ein wichtiger Schritt, der leider noch einige Jahre entfernt ist. Hier wäre mehr Tempo gefragt.“

Die BEG ist ein Erfolg

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) erfreut sich großer Beliebtheit. Die Wärmepumpe war im dritten Quartal dieses Jahres die Technologie mit den meisten Förderanträgen, gefolgt von Biomasse und Solarthermie. Dr. Ina Bartmann, Leiterin BAFA-Außenstelle Weißwasser, sieht die zukünftige Förderung gesichert und bereitet ihr Team auf die nächsten Jahre vor: „Wir freuen uns bereits jetzt über die sehr hohe Nachfrage und stellen uns auf steigende Antragszahlen ein. Mit dem zukünftigen Personalzuwachs, vertieften Schulungen und der stetigen Prozessoptimierung sind wir gut gerüstet, um qualitativ hochwertig und effizient die Vorgänge zu bearbeiten.“

Wärmewende kommunal und urban

Das Interesse an Wärmepumpen steigt, nicht nur bei Hausbesitzern, sondern auch bei Kommunen und Stadtwerken, die vor der Aufgabe stehen, bis 2045 klimaneutral zu werden. Dieses Jahr stand der zweite Tag des Forums im Zeichen der kommunalen Wärmwende. Gemeinsam mit der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hat der BWP vier verschiedene Themenblöcke auf die Beine gestellt, die die kommunale Wärmewende aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Unter dem Titel „Wärmepumpe – kommunal und urban“ berichteten erfahrene Praktiker von ihren realisierten und geplanten Projekten. Von der Sanierung mit Erdwärme über ein kalte Nahwärmenetze i hin zu Lösungen mit Großwärmepumpen wurden zahlreiche  spannende Leuchtturmprojekte vorgestellt und diskutiert.

Trotz schwieriger Bedingungen war die Stimmung während der gesamten Veranstaltung positiv und die Gäste und Redner motiviert sich mit den wichtigen Fragen der Branche zu beschäftigen. Schwerpunkte des diesjährigen Forums waren: eine angemessene Klimapolitik für die Wärmewende, der CO2-Preis, die Bundesförderung und die kommunale Wärmewende.

BWP-Vorstandsvorsitzender Paul Waning: „Wir sind froh, dass wir unser Forum dieses Jahr – zwar unter größere Kraftanstrengung, aber nicht minder so aufschlussreich – in einen hybriden Veranstaltungsformat abhalten konnten. Die Wärmepumpe als vielseitige Klimaschutztechnologie erlebt derzeit ein stetiges und signifikantes Marktwachstum, obwohl faire Wettbewerbsbedingungen nach wie vor fehlen: Der CO2-Preis ist mehr als moderat und die Belastung des Strompreises nach wie vor zu hoch. Das Forum hat gezeigt, wo der Schuh drückt und, dass es nicht an Bereitschaft und Innovation aus der Branche mangelt, sondern die politischen Rahmenbedingungen gestellt werden müssen.“

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