Bidirektionales Laden

Perspektiven und Herausforderungen für Prosumer, Installateure und die Gesetzgebung

Mittels bidirektionalem Laden können E-Autos als dezentrale Speicher fungieren. EUPD Research zeigt, wie Prosumer, Installateure und die Gesetzgebung in Deutschland zu dieser Technik stehen.

Quelle: EV Charging Stations InstallerMonitor 2023/24 Deutschland | EUPD Research
Quelle: EV Charging Stations InstallerMonitor 2023/24 Deutschland | EUPD Research

Bidirektionales Laden, bekannt als Vehicle-to-Everything (V2X) und Vehicle-to-Grid (V2G), ermöglicht Elektrofahrzeugen, als dezentrale Energieressourcen zu fungieren. Die Technologie geht über die reine Transportfunktion von Fahrzeugen hinaus und kann zur Integration erneuerbarer Energien, zur Sicherstellung der Erzeugungsadäquanz, zur Balance von Angebot und Nachfrage und zur Optimierung der Strominfrastruktur beitragen.

Angesichts des wachsenden Bedarfs an Flexibilität im europäischen Energiesystem werden solche kleinteiligen, dezentralen Lösungen immer wichtiger.

EUPD Research, ein führendes Markt- und Wirtschaftsforschungsunternehmen aus Bonn insbesondere im Bereich Erneuerbare Energien, hat umfangreiche Umfragen bei über 6.000 PV-Anlagen-Besitzern und -Planern (SolarProsumerMonitor©) sowie 344 Installateuren von Ladestationen (EV Charging Stations InstallerMonitor©) in Deutschland durchgeführt. Sie bieten Einblicke in die Positionen der verschiedenen Akteure gegenüber bidirektionalem Laden und zeigen die bestehenden Herausforderungen.

Prosumer und bidirektionales Laden

Aus Sicht der Prosumer sind die Verfügbarkeit und die Funktionalität von bidirektionalem Laden entscheidende Faktoren bei der Kaufentscheidung und Empfehlung von EVs  und Ladestationen. Einer der Hauptgründe, ein EV oder eine Ladestation nicht zu empfehlen, ist das Fehlen der bidirektionalen Ladefähigkeit. Darüber hinaus würden 67% der befragten Ladestationsbesitzer (sehr) wahrscheinlich eine bidirektionale Ladestation kaufen, wenn diese verfügbar wäre.

Installateure und die Nachfrage nach bidirektionalem Laden

Auch bei den Installateuren ist das Thema präsent: 28% berichten, dass sie bei jeder oder jeder zweiten Installationsanfrage auf bidirektionales Laden angesprochen werden. Zudem wünschen sich 17% der Installateure von den Herstellern mehr legislative Klarheit, eine stärkere Implementierung und niedrigere Preise für bidirektionale Ladestationen.

Gesetzliche Rahmenbedingungen und Herausforderungen

Ein wesentliches Hindernis für bidirektionales Laden war bislang das Fehlen eines umfassenden regulatorischen Rahmens. Das Europäische Parlament hat 2024 wesentliche Gesetze verabschiedet, um diesen Rahmen zu schaffen. Artikel 33 der Richtlinie zur Änderung der Richtlinien (EU) 2018/2001 und 2019/944 verlangt von den Mitgliedsstaaten, regulatorische Rahmenbedingungen für intelligente und bidirektionale Ladepunkte zu schaffen. Kapitel II, Artikel 4 der Verordnung 2024/1257 legt Herstellervorgaben für Fahrzeuge mit Systemen für intelligentes und bidirektionales Laden fest.

In Deutschland entwickelt sich der rechtliche Rahmen für bidirektionales Laden jedoch noch. Zwar gibt es keine ausdrücklichen Gesetze, welche die V2X-Technologie verbieten, doch konzentrieren sich die bestehenden Vorschriften hauptsächlich auf den unidirektionalen Stromfluss vom Netz zum Fahrzeug.

Es wird deutlich, dass bidirektionales Laden mit einigen Herausforderungen verbunden ist, aber auch viele Chancen bietet. 

"Bidirektionales Laden bietet enormes Potenzial sowohl für den Einzelnen als auch für die gesamte Energiewende," sagt Mark Hoehner, CEO von EUPD Research. "Unsere Studien zeigen, dass diese Technologie im Markt einen entscheidenden Differenzierungsfaktor darstellt  und eine wichtige Rolle bei der Flexibilisierung des Energiesystems spielen kann. Vorher müssen aber die Hürden bei der Technologieverbreitung, den Preisen und dem rechtlichen Rahmen überwunden werden."

Über den EV Charging Stations Monitor

Der EV Charging Stations Monitor von EUPD Research schafft Transparenz im Markt für Elektrofahrzeug-Ladestationen. Die Studie liefert aktuelles Wissen über Anbieter, Händler und Installationsbetriebe. Neben einem umfassenden Marktüberblick über Anbieter, Produkte und Händler liegt in diesem Jahr ein besonderer Fokus auf der Sektorenkopplung. Dabei werden Themen wie solares Laden, bidirektionales Laden und Integration der Ladestation in ein Energiemanagementsystem behandelt.

Über den SolarProsumerMonitor

EUPD Research führte bereits zum dreizehnten Mal den SolarProsumerMonitor durch. Dabei werden Besitzer und Planer von PV-Anlagen, so genannte Prosumer, befragt. Im Fokus stehen die Bewertung bestehender Hausenergiesysteme und die konkreten Investitionsplanungen in PV-Anlagen, Speicher, Ladestationen, Elektroautos, Wärmepumpen und Heim-Energiemanagement-Systeme.

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