VDI

Mehr offene Stellen für Ingenieur:innen

Nach dem Corona-Jahr 2020 steigt die Arbeitskräftenachfrage mit einem Plus von 37,6 % wieder deutlich. Insgesamt müssen mehr Frauen und mehr Zuwanderer für den Sektor gewonnen werden.

Digitalisierung, BIM und Nachhaltigkeit erfordern steigende Zahlen qualifizierter Nachwuchskräfte in Informatik und Ingenieurwesen. Quelle: stock.adobe.com/ndabcreativity
Digitalisierung, BIM und Nachhaltigkeit erfordern steigende Zahlen qualifizierter Nachwuchskräfte in Informatik und Ingenieurwesen. Quelle: stock.adobe.com/ndabcreativity

Der aktuelle Ingenieurmonitor von VDI und Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt zudem, dass die Arbeitslosigkeit im Sektor zurückgeht. Kamen rechnerisch auf 100 Arbeitslose im dritten Quartal 2019 noch 404 offene Stellen, so sank die Engpasskennziffer im gleichen Zeitraum 2020 auf 208 und stieg bis 2021 wieder auf 334. Engpässe bestehen in allen Ingenieurberufen; besonders groß sind sie in Bau und Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur, gefolgt von Energie- und Elektrotechnik und den Informatikberufen. 

Durch den demografischen Wandel, die Digitalisierung und die Dekarbonisierung wird der Bedarf an Ingenieur:innen und Informatiker:innen in den nächsten fünf Jahren deutlich steigen. So nimmt der jährliche demografische Ersatzbedarf an MINT-Akademiker:innen um 6.600 zu. Bei größeren Unternehmen ab 250 Beschäftigten erwarten rund 63 % für die Entwicklung klimafreundlicher Produkte und Technologien einen höheren Bedarf an Informatiker:innen und 43 % einen steigenden Bedarf an Ingenieur:innen bzw. Umweltingenieur:innen. Dazu erwarten insgesamt 83 % der größeren Unternehmen aufgrund der Digitalisierung einen steigenden Bedarf an digitalen Expert:innen.

Die Corona-Krise dürfte das Angebot an Fachkräften in den kommenden Jahren hingegen reduzieren. Gründe sind negative Auswirkungen der Schulschließungen auf die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen der Schüler:innen, weniger Berufsorientierung und Studienberatung während der Corona-Pandemie an Schulen und weniger Zuwanderung von Studierenden aus dem Ausland in Informatik- und Ingenieurfächer.

Neben der stärkeren Ansprache von Zuwandernden müssen künftig auch mehr Frauen für die Ingenieur- und Informatikberufe gewonnen werden. Zwar stieg die Zahl letzterer in den letzten 10 Jahren um ca. 71 % (ca. 100.000). Allerdings liegt der Frauenanteil insgesamt nur bei rd. 18 %. Insbesondere in der für die Dekarbonisierung und die Digitalisierung besonders benötigten Informatik gibt es trotz des hohen Beschäftigungswachstums mit ca. 16 % vergleichsweise wenige Frauen, obwohl die Kompetenzen 15-jähriger Mädchen in Mathematik und Naturwissenschaften auf ähnlichem Niveau wie die der Jungen liegen.

Daher müssen Mädchen in den Schulen künftig ein unverzerrtes Feedback zu ihren Stärken erhalten. Daneben ist eine klischeefreie Studienorientierung wichtig, die auch die hohe Bedeutung der Informatik- und Ingenieurberufe für Klimaschutz und Nachhaltigkeit vermittelt. Das Bewusstsein für den Umweltschutz und den Klimawandel steigt. Die Auswertungen auf Basis des Sozioökonomischen Panels zeigen, dass sich vor allem jüngere Frauen zunehmend um Umweltschutz und Klimawandel sorgen.

Der VDI Career Center bietet Mitgliedern Hilfe: Beim Zeugnis- und Bewerbungscheck oder bei allgemeinen Karrierefragen können sich Ingenieurinnen und Ingenieure an den VDI wenden. Der vollständige VDI-/IW-Ingenieurmonitor ist kostenfrei unter kurzelinks.de/nkfe.

Printer Friendly, PDF & Email
31.05.2022
VDI
Im ersten Quartal 2022 hat sich die Lage auf dem auf Ingenieur*innen Arbeitsmarkt weiter dramatisch verschärft. Dies ist eine unmittelbare Bedrohung für die Umsetzung der deutschen Klimaziele.
04.03.2021
VDI-Bericht
Die Nachfrage auf dem Ingenieurarbeitsmarkt ist im dritten Quartal durch die Corona-Pandemie weiter gesunken.
14.06.2021
Coronakrise
Nachdem die Corona-Krise im vergangenen Jahr deutlich negative Spuren auf dem Ingenieurarbeitsmarkt hinterlassen hat, zeigen sich 2021 erstmals wieder positive Signale.
28.04.2022
Ingenieurarbeitsmarkt
Die Zahl der offenen Stellen erreicht seit dem vierten Quartal 2021 einen Rekordwert seit Beginn der Aufzeichnungen des VDI-/IW-Ingenieurmonitors.
04.11.2020
Dem aktuellen Ingenieurmonitor von VDI und Institut der deutschen Wirtschaft zufolge hat die Coronakrise starke Auswirkungen für den Arbeitsmarkt der Ingenieure. Die Nachfrage nach Bauingenieuren und...
15.11.2021
VDI
Ingenieurinnen und Ingenieure sind gefragt: Je nach Fachrichtung können sie sich ihre Traumstelle aussuchen – zum Beispiel in der Bauwirtschaft. Die Digitalisierung eröffnet zudem neue Felder.