VDI-/IW-Ingenieurmonitor 3.Quartal 2025

Ingenieurarbeitsmarkt in der Krise: mehr Arbeitslose und doch Fachkräftemangel

Der neue VDI/IW-Ingenieurmonitor zeigt: Die Auswirkungen der Konjunkturschwäche sowie des Fachkräftemangels sind auf dem Ingenieurarbeitsmarkt regional sehr unterschiedlich. 

Ausländische Fachkräfte als Schlüssel zu Fachkräftesicherung - Bild: Tom Werner via Getty Images
Ausländische Fachkräfte als Schlüssel zu Fachkräftesicherung - Bild: Tom Werner via Getty Images

Der neue VDI-/IW-Ingenieurmonitor für das dritte Quartal 2025 zeigt: Der Ingenieurarbeitsmarkt steht zwischen Auswirkungen der Konjunkturschwäche und Fachkräftemangel. Das zeigt sich besonders im Süden der Bundesrepublik. Während die Arbeitslosigkeit in Ingenieur- und Informatikberufen steigt, bleiben strukturelle Engpässe bestehen und werden in Regionen wie dem Großraum München durch ausländische Fachkräfte deutlich abgemildert.

Regionale Unterschiede bei Arbeitslosigkeit und Engpässen

Bundesweit waren im dritten Quartal 2025 pro Monat durchschnittlich 57.519 Ingenieurinnen, Ingenieure und IT-Fachkräfte arbeitslos gemeldet. Bayern erlebt hier im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 30,1 Prozent, Baden-Württemberg um 25,0 Prozent. Gleichzeitig stellt der Süden Deutschlands mit Baden-Württemberg und Bayern 31,9 Prozent aller offenen Stellen, aber nur 29,4 Prozent der Arbeitslosen.

Trotz der aktuellen Krise bleibt der Fachkräftemangel weiter ein Thema: Bundesweit gab es im dritten Quartal 2025 173 offene Stellen pro 100 Arbeitslose, die sogenannte Engpasskennziffer. Am angespanntesten ist die Lage in Sachsen-Anhalt und Thüringen (Engpasskennziffer 259), in Sachsen (211) und in Bayern (208).

Zugewanderte Fachkräfte besonders wichtig - gerade im Süden

Eine zentrale Rolle bei der Fachkräftesicherung spielt die Zuwanderung: Von Ende 2012 bis Ende März 2025 nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieure und Ingenieurinnen von 778.638 auf 1.055.315 zu. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der ausländischen Beschäftigten in Ingenieurberufen von 46.489 auf 120.702. Ihr Anteil wuchs damit von 6,0 auf 11,4 Prozent. Ungefähr 26,8 Prozent des gesamten Anstiegs an Beschäftigten kommt durch ausländische Experten zustande. In Bayern beträgt der Ausländeranteil bei Ingenieuren 13,9 Prozent, in Baden-Württemberg 12,1 Prozent. Diese Zahlen liegen über dem bundesweiten Durchschnitt.

Region München zieht ausländische Fachkräfte stark an

Der Großraum München nimmt eine Vorreiterrolle bei der Integration ausländischer Fachleute in den Arbeitsmarkt ein: Starnberg erreicht den bundesweit höchsten Ausländeranteil bei Ingenieurberufen mit 30,4 Prozent. Der Landkreis München folgt mit 25,3 Prozent und die Stadt München mit 19,4 Prozent. Insgesamt ist die Dominanz der bayerischen Regionen auffällig: Acht der fünfzehn Kreise mit sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ausländischen Personen gehören zu Bayern. In absoluten Zahlen ausgedrückt arbeiten in Deutschland die meisten ausländischen Ingenieurinnen und Ingenieure in München (11.877), gefolgt von Berlin (10.255) und Hamburg (5.641). „Gerade im Großraum München sehen wir, dass ausländische Fachkräfte maßgeblich dazu beitragen, Engpässe zu verringern und Wertschöpfung zu sichern“, betont VDI-Arbeitsmarktexperte Maximilian Stindt. Wichtige Treiber sind dabei die Hochschulen, allen voran die international renommierte Technische Universität München, die internationale Studierende anzieht und diese mit einer Anstellung vielfach in der Region bleiben.

„Durch insgesamt sinkende Studierendenzahlen in Ingenieurwissenschaften sowie durch die demografische Entwicklung wird die Engpasskennziffer am Ingenieurarbeitsmarkt künftig wieder steigen, wenn keine zusätzlichen Maßnahmen zur Fachkräftesicherung ergriffen werden“, erläutert Stindt. Sowohl die Förderung des inländischen Nachwuchses als auch die Verbesserung von Bedingungen für ausländische Fachkräfte seien dabei wichtig. Als wichtiger Beitrag werden die Pläne der Bundesregierung zur Einrichtung einer zentralen Work-and-Stay-Agentur begrüßt. „Damit die Work-and-Stay-Agentur erfolgreich wird ist entscheidend, dass bestehendes, dezentrales Wissen über Einwanderung, Anerkennung von Qualifikation und Integration genutzt wird,“ erläutert Stindt.

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