Studie

Keeping up with the Joneses

Psychologie der PV-Installation: Wenn ein Haus Solarzellen auf dem Dach hat, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Nachbarn auch welche installieren. Dies zeigt eine Studie des PIK.

PV-Panele werden anstelle des konvetionellen Dachbelags installiert. Quelle: stock.adobe.com/Dieter Schäfer
PV-Panele werden anstelle des konvetionellen Dachbelags installiert. Quelle: stock.adobe.com/Dieter Schäfer

Wieviele Solarpanele wie weit weg vom eignen Haus sind – das bestimmt die Wahrscheinlichkeit, ob man ebenfalls eine solche Anlage auf dem Dach hat. Dieser Ansteckungs-Effekt ist offenbar wesentlich wichtiger als andere sozioökonomische und demografische Variablen, wie eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zur US-Stadt Fresno zeigt.

"Es ist im Prinzip so: Wenn man ein Solarpanel vom eigenen Fenster aus sieht, dann beschließt man mit größerer Wahrscheinlichkeit, auch eines auf das eigene Dach zu stellen", sagt Leonie Wenz vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Autorin der Studie.

"Man könnte meinen, dass andere Faktoren relevanter sind, zum Beispiel das Einkommen oder der Bildungshintergrund oder die Mund-zu-Mund-Propaganda innerhalb des gleichen sozialen Netzwerks wie etwa in einem Schulbezirk. Wir haben daher all diese verschiedenen Möglichkeiten miteinander verglichen, und das Ergebnis hat uns verblüfft. Es stellte sich heraus, nein, die geografische Entfernung ist wirklich mit Abstand der wichtigste Faktor. Je mehr Solaranalagen es in einem engen Umkreis um mein Haus gibt, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich auch eine habe."

Obwohl bekannt ist, dass Vorbilder für Entscheidungen über die eigene Energieversorgung relevant sind, waren sehr hochauflösende Daten in Kombination mit Techniken der künstlichen Intelligenz notwendig, um die Bedeutung schlichter Nähe dingfest zu machen. Das Ergebnis ist relevant für politische Maßnahmen, die auf einen breiten Einsatz von Solarzellen abzielen, um die Energieerzeugung aus klimaschädlichen fossilen Brennstoffen zu ersetzen.

"Das Säen von Solarmodulen, wo es nur wenige gibt, kann viel verändern"

"Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Säen von Solarpanels in Gegenden, in denen es nur wenige gibt, ein Stadtviertel und letztlich die Region überzeugen kann", sagt Koautor Anders Levermann. "Wenn mehr Solaranlagen zu mehr Solaranlagen führen, kann das zu einem Kipppunkt führen - einem guten diesmal."

"Das Klimasystem hat eine Reihe von extrem gefährlichen Kipppunkten, vom westantarktischen Eisschild bis zum Nordatlantikstrom." Und weiter Wenz: "Daher ist es wichtig, Klimaentscheidungen zu erforschen, um positive soziale Kipppunkte aufzuspüren, sowohl kleine als auch große; für eine sichere Zukunft für alle."

Die Studie: Kelsey Barton Henry, Leonie Wenz, Anders Levermann (2021): Decay radius of climate decision for solar panels in the city of Fresno, USA. Scientific Reports

Printer Friendly, PDF & Email
16.04.2026
Energietage digital
Am 15. April starteten die digitalen ENERGIETAGE 2026. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Versorgungssicherheit, der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Energiewende sowie der gesellschaftlichen...
26.03.2026
Licht und ganz viel Schatten
Das neue Klimaschutzprogramm der Bundesregierung stößt nicht auf uneingeschränkte Zustimmung. Mängel gibt's auch im Gebäudesektor.
24.11.2025
Umfrage
Eine Umfrage ergab, dass sich fast jeder Zweite für eine Wärmepumpe als neue Heizung entscheiden würde. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Zukunftstechnologie noch nicht alle überzeugt hat.
13.11.2025
§ 71 GEG
Der ZVSHK warnt eindringlich davor, die politische Diskussion um das sogenannte Heizungsgesetz erneut zu entfachen.
31.10.2025
Kommunale Wärmeplanung
Eine aktuelle Basisstudie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zur Kommunalen Wärmeplanung zeigt große Unterschiede zwischen den Kommunen, z. B. in Methodik, Datenqualität...
25.02.2026
Back to the Roots?
Das Eckpunktepapier der Bundesregierung zum geplanten GMG sieht die Streichung der 65%-Regelung für Erneuerbare beim Einbau einer neuen Heizung vor und lässt fossiles Gas und Öl wieder zu.