Fraunhofer IEG

Innereuropäische Grenzen sollten erneuerbare Wärme nicht aufhalten

Das EU-Projekt CROSS_HEAT untersucht die Umsetzbarkeit eines grenzüberschreitenden Wärmenetzes zwischen deutschen und niederländischen Gemeinden.

Wärmenetzen nutzen Grubenwasser als Quelle und Speicher von Wärme. Modelle prognostizieren die Wärmeflüße in den alten Bergwerken, wie hier am Beispiel des Projektes D2Grids in Bochum-Dannenbaum. Bild: Rene Verhoeven / Fraunhofer IEG
Wärmenetzen nutzen Grubenwasser als Quelle und Speicher von Wärme. Modelle prognostizieren die Wärmeflüße in den alten Bergwerken, wie hier am Beispiel des Projektes D2Grids in Bochum-Dannenbaum. Bild: Rene Verhoeven / Fraunhofer IEG

Wärmenetze bringen die (Ab)Wärme aus Geothermie und Industrie in Wohngebiete und zum Gewerbe. Oft schränken jedoch nicht technische Hürden, sondern unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen die Nutzung ein. Beispielsweise, wenn Staatengrenzen zwischen Angebot und Nachfrage liegen. In einem neuen Projekt wird untersucht, wie es trotzdem funkionieren kann.

"Wärmenetze sind ein wesentlicher Baustein einer zukunftsfesten Energieversorgung", sagt René Verhoeven, Projektleiter am Fraunhofer IEG. "Meist sind die technischen Hindernisse mit guter Planung gut lösbar. Mit unserem Projekt wollen wir zeigen, dass neben den technischen auch die rechtlichen und organisatorischen Herausforderungen an Staatsgrenzen zu lösen sind. Wir wollen, dass gute Ideen auch die Grenzen von Kommunen und sogar Staaten überspringen."

Fraunhofer IEG bringt Ingenieur-Expertise und Modellierungstools ins Projekt ein, insbesondere wenn es um die Nutzung des Untergrundes geht. Das Team betrachtet die grenzüberschreitende Nutzung von Grubenwasser als Quelle und saisonaler Speicher von Wärme. Mit anwendungsnahen Modellen und Berechnungsverfahren stellt es sicher, dass die technischen Modelle und Werkzeuge in einen finanzierbaren Investitionsplan münden. "Wir wollen die Restwärme, die Unternehmen momentan noch in die Luft abgeben, sinnvoll nutzen, um Wohnhäuser, Büros und öffentliche Einrichtungen nachhaltig zu beheizen – und zwar grenzüberschreitend", blickt Verhoeven in die Zukunft.

Technische und wirtschaftliche Machbarkeit

In dem dreijährigen Projekt wird untersucht, ob ein grenzüberschreitendes Wärmenetz zwischen den Gemeinden Herzogenrath, Kerkrade und Landgraaf technisch und wirtschaftlich machbar ist. Das Projekt konzentriert sich auf die Nutzung industrieller Restwärme über Wärmespeicher wie etwa Grubenwasser für eine nachhaltige interkommunale Wärmeversorgung. Die Forschungsaktivitäten von CROSS_HEAT umfassen unter anderem die Analyse des Abwärmeaustauschs zwischen Industrie und bebauter Umwelt, die Bestandsaufnahme von geothermischen Quellen und Wärmespeichern in ehemaligen Bergbaustrukturen, die Entwicklung von technischen Szenarien und Modellrechnungen, die Bewertung der rechtlichen, organisatorischen und räumlichen Rahmenbedingungen sowie die Ausarbeitung von Finanzierungsstrategien und eines Investitionsplans. Anwohner, KMU und lokale Interessengruppen werden durch Informationsveranstaltungen, Nachbarschaftsgespräche und einen Infopunkt einbezogen.

 Die Ziele der internationalen Projektgruppe sind:

• langfristig niedrigere Energiekosten, damit nachhaltige Wärme für alle bezahlbar bleibt
• mehr Regionalität in Energieversorgung und weniger Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen
• wirtschaftliche Chancen durch zuverlässige Wärme für lokale Unternehmen in der Region und dadurch sichere Arbeitsplätze

Durch die Konzentration auf erneuerbare Energiequellen und innovative Infrastrukturen soll das Projekt einen wesentlichen Beitrag zu den regionalen Klimazielen leisten. In der Euregio entfallen etwa 50% des Gesamtenergieverbrauchs auf Heizenergie. Der Anteil nachhaltiger Wärme liegt in den beteiligten Ländern noch unter dem europäischen Durchschnitt (Niederlande 9,6%, Belgien 11,3%, Deutschland 17%). Mit CROSS_HEAT soll diese Lücke verkleinert werden. Ziel ist, durch die Nutzung von Restwärme die regionale Nachhaltigkeit zu erhöhen, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu senken und stabilere, niedrigere Wärmetarife zu ermöglichen, die CO2-Emissionen zu reduzieren und den Mittelstand durch Wirtschaftswachstum zu fördern.

Projektförderung

Das Projekt hat ein Budget von rund 2,5 Mio. Euro. Davon fördert die EU rund 50% aus dem Interreg-Programm Meuse-Rhine und das Land NRW 30 Prozent. CROSS_HEAT trägt zu den Zielen des europäischen Interreg-Programms bei, das Grenzregionen dabei unterstützt, wirtschaftliche, soziale und territoriale Zusammenarbeit zu fördern. Das Projekt wird durchgeführt von der Gemeinde Kerkrade (federführend), der Gemeinde Landgraaf, der Stadt Herzogenrath, Parkstad Limburg, der Städteregion Aachen, dem ITEM-Institut der Universität Maastricht, Fraunhofer IEG, NRW.ENERGY4CLIMATE, VITO NV und Cluster TWEED.

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