29. Juli ist Earth Overshoot Day

Der Einfluss der Bauwirtschaft auf den Erdüberlastungstag

Der globale Erdüberlastungstag fällt in diesem Jahr auf den 29. Juli. Der bereits beträchtliche Anteil der Bauwirtschaft an Abfallaufkommen, Energieverbrauch und THG-Emissionen steigt weiter.

Quelle: Global Footprint Network
Quelle: Global Footprint Network

Der Erdüberlastungstag wird jedes Jahr vom Global Footprint Network (overshootday.org) errechnet. Bis zum Tag hat die Menschheit so viel von der Erde beansprucht, wie alle Ökosysteme im gesamten Jahr erneuern können. Dabei wird die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen sowie zur Aufnahme von Müll und Emissionen dem Bedarf an Wäldern, Flächen, Wasser, Ackerland und Fischgründen, den die Menschen derzeit für ihre Lebens- und Wirtschaftsweise verbrauchen, gegenüber gestellt.
 
Würden alle Menschen weltweit so leben wie in Deutschland, wäre der Erdüberlastungstag bereits am 5. Mai (germanwatch.org).

Einfluss der Bauwirtschaft auf den Erdüberlastungstag

Wenn von Umwelt- und Klimaschutz gesprochen wird geht es fast immer um Energie, Industrie, Verkehr oder Nahrungsmittel. Jedoch gehört vor allem unsere Art und Weise des Bauens und Wohnens zu den wesentlichen Ursachen der Überbeanspruchung der globalen Ökosysteme.
 
Der Bausektor boomt, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Meist wird billig, schnell und hoch gebaut, um die Rendite zu maximieren. So wird z.B. häufig mit Baustoffen gebaut, die jede Menge graue Energie (Primärenergie) enthalten. Diese macht bei einem typischen Neubau inzwischen 50 % des Energiebedarfs über den Lebenszyklus betrachtet aus. Darüber hinaus sind die verwendeten Baustoffe oft schlecht wiederverwendbar bzw. recycelbar. So verursacht die Bau- und Abbruchbranche mehr als die Hälfte des Abfalls in Deutschland. In 2017 waren dies 53%, insgesamt 220 Mio. t.
 
Waren im Jahr 2010 etwa 32 % des weltweiten Endenergieverbrauchs und 19 % aller Treibhausgasemissionen auf Gebäude zurückzuführen, so gibt es Prognosen, dass sich die weltweit durch Gebäude verbrauchte Energie bis 2050 verdoppelt oder gar verdreifacht. Grund ist unter anderem, dass Milliarden Menschen Zugang zu Elektrizität und zu Wohnraum erhalten werden, wie er z.B. in Europa bereits besteht. 
 
Zu diesen klar messbaren Faktoren kommen viele weitere Probleme hinzu, durch für Mensch, Fauna und Flora giftige Substanzen in vielen Baustoffen, Inneneinrichtungen und Möbeln, wie z.B. Schwermetalle, Aldehyde, Lösemittel, Weichmacher, Pestizide, Feinstäube oder Nanopartikel. Deren ökologische, ökonomische, soziale und gesundheitliche Folgen lassen sich kaum bewerten.

Lösungsvorschläge

Die Baubranche muss es sich zur Aufgabe machen, nicht nur die einzelnen Materialkennwerte und Eigenschaften der Produkte am Bau zu betrachten, sondern die ganzheitlichen Zusammenhänge mit einzubeziehen, argumentiert das Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN. Betrachtet werden muss der gesamte Lebenszyklus von Herstellung und Transport der Rohstoffe über Einbau und Gebrauch bis zum Rückbau, sowie die gesamten Auswirkungen von der Energieeffizienz bis hin zu gesundheitlichen Aspekten.

Das IBN etwa zeigt seit rund 40 Jahren

  • wie erneuerbare Energien regional und überregional umfassender und effektiver genutzt werden können,
  • welche umweltverträglichen Produkt-Alternativen aus nachwachsenden oder mineralischen Rohstoffen es gibt,
  • wie pflanzliche Rohstoffe aus der Land- und Forstwirtschaft zum Bauen und Sanieren genutzt werden können,
  • wie gemeinschaftliche Wohnformen, Arbeitsplätze vor Ort und urban gardening helfen können, Ressourcen und Energie einzusparen.

Ziel der Baubiologie ist es, dass im Bauwesen weltweit die Berücksichtigung baubiologischer Kriterien selbstverständlich wird, mit allen positiven Effekten für das Klima, die Umwelt und die Gesundheit der Menschen.

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