Smart Living

Deutschland soll Leitmarkt für Smart Living‑Datenökosysteme werden

Um Effizienz und Klimaschutz zu stärken, fordern Industrie und Verbände ein europäisches Smart-Living-Datenökosystem und warnen vor neuen Insellösungen.

Smarte Applikationen für neues Wohnen. Bild: NAHID/stock.adobe.com
Smarte Applikationen für neues Wohnen. Bild: NAHID/stock.adobe.com

Ohne eine gemeinsame Datensprache bleibt Smart Living weit hinter seinem Potenzial zurück, mit Folgen für Energiewende, Pflege und digitale Wettbewerbsfähigkeit. Darauf weisen die Wirtschaftsinitiative Smart Living e.V. (WiSL) und die SmartHome Initiative Deutschland e.V. (SHD) in einem gemeinsamen Positionspapier hin.

Die Verbände fordern den Aufbau eines europäischen Smart Living‑Datenökosystems und die Gründung einer neutralen steuernden Instanz als Public‑Private‑Partnership. Ziel ist es, Deutschland und Europa zu Leitmärkten für Smart Living‑Datenökosysteme zu mache

„Heute sammeln tausende Geräte und Apps rund um Wohnen, Energie und Gesundheit Daten, aber sie sprechen selten dieselbe Sprache. Hinzu kommt, dass die Daten vielfach nicht im europäischen Raum liegen und somit der europäischen Regulierung nicht genügen“, sagt Dieter Lautz, Vorstand der WiSL.

„Aus Sicht der Wohnungswirtschaft bleiben Wärmepumpen, PV‑Anlagen, Assistenzsysteme und Services ohne ein neutrales Datenökosystem Insellösungen, die nicht einer gesamtheitlichen Gebäudesteuerung zugänglich sind. Wir brauchen eine europäische Infrastruktur, die aus diesen Inseln ein System macht,“ ergänzt Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin der GdW und Vorständin der WiSL.

Im Zentrum des Vorschlags steht ein neutral gesteuertes, Gaia‑X‑konformes Datenökosystem, in dem Daten aus Anwendungen wie Smart Home, Gebäudetechnik, Energie, Gesundheit und Mobilität sicher, souverän und herstellerübergreifend genutzt werden können. Technische Referenz ist das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Technologieprogramm und gleichnamige Datenökosystem SmartLivingNEXT.

Wachstumsmarkt ohne gemeinsame Datensprache

Der globale Smart Home‑Markt ist von 44,8 Mrd. Euro (2018) auf 141,6 Mrd. Euro (2024) gewachsen; für 2029 werden in Deutschland 12,0 Mrd. Euro erwartet. Der Markt für intelligente Gebäude soll weltweit von 128,61 Mrd. US‑Dollar (2024) auf 590,96 Mrd. US‑Dollar (2032) steigen

Trotz dieser Dynamik fehlt eine anwendungsübergreifende, semantisch interoperable Lösung für ein Datenökosystem. Bestehende Standards decken nur Teilsegmente ab, Integrationskosten bleiben hoch, datenbasierte Geschäftsmodelle kommen zu langsam voran. Günter Martin, Vorstand der SHD: „Ohne ein gemeinsames Datenökosystem bleibt das Wachstumspotenzial von Smart Living im Mittelstand weitgehend ungenutzt.“

SmartLivingNEXT zeigt mit Praxisprojekten, wie ein solches Ökosystem funktioniert: Daten bleiben in ihren Ursprungssystemen, werden über einen Gaia‑X‑konformen Datenraum verknüpft und mit semantischen Informationsmodellen (u. a. W3C Web of Things / SENSE WoT, SAREF4Ener, BOT) eindeutig interpretierbar. KI‑gestützte Basisdienste, etwa für Verbrauchsprognosen, demonstrieren konkrete Mehrwerte.

Nutzen für Unternehmen, Wohnungswirtschaft, Handwerk und Gesellschaft

Das Positionspapier zeigt, dass ein Smart Living‑Datenökosystem:

  • Unternehmen ermöglicht, datenbasierte Services aufzubauen, wie etwa KI‑gestützte Optimierung von Wärmepumpen, PV‑Anlagen und Speichern, Remote‑Diagnose, vorausschauende Wartung und neue Abo‑Modelle.
  • Wohnungswirtschaft und Handwerk bei Betrieb, Instandhaltung und Modernisierung unterstützt, durch herstellerübergreifende Kompatibilität, transparente Gebäudedaten und neue Tätigkeitsfelder, insbesondere für den Beruf „Elektroniker/-in für Gebäudesystemintegration“.
  • Gesellschaftliche Ziele wie Energiewende, Klimaschutz und assistiertes Wohnen im Alter adressiert, indem Gebäude‑, Gesundheits‑ und Pflegedaten sicher verknüpft werden.
  • die digitale Souveränität Europas stärkt, indem Abhängigkeiten von außereuropäischen Plattformen reduziert und europäische Standards und Hosting‑Strukturen gestärkt werden.

„Smart Living‑Datenökosysteme sind kein Tech‑Nice‑to‑have, sondern ein Fundament für Klimaneutralität und ein selbstbestimmtes Leben im Alter“, betont Mike Lange, Vorstand der SHD „Wenn wir Pflege, Wohnen, Energie und Mobilität intelligent vernetzen, entlasten wir Menschen, Systeme und den Staat.“

Neutrale steuernde Instanz als Public‑Private‑Partnership

Kernvorschlag des Positionspapiers ist die Einrichtung einer neutralen steuernden Instanz für das Smart Living‑Datenökosystem in Form eines Public‑Private‑Partnership‑Modells.

Die Wirtschaftsinitiative Smart Living e.V. und die SmartHome Initiative Deutschland e.V. erklären ihre Bereitschaft, gemeinsam mit einem zu gründenden Trägerverein die neutrale Instanz aufzubauen, vorausgesetzt, es wird eine öffentliche Anschubfinanzierung bereitgestellt, um die Kaltstartphase des Datenökosystems zu überbrücken.

Das Positionspapier steht hier zum Download bereit.

Konkrete Einblicke in funktionierende Lösungen erhalten Interessierte auf der Konferenz „SmartLivingNEXT: Vom intelligenten Wohngebäude zum vernetzten Ökosystem“ am 19. Mai 2026 im Forum Digitale Technologien in Berlin, wo SmartLivingNext und konkrete Anwendungsprojekte innovative Anwendungen von Pflege bis Energie präsentieren. Zur Anmeldung geht es hier

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